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Heftiger Gegenwind für Salzburg AG bei geplantem Kraftwerk im Lungau

Sauberer Strom: Unter diesem Schlagwort will die Salzburg AG die Wasserkraft im Bundesland Salzburg ausbauen und hat in den vergangenen Jahren so auch eine Reihe von Kraftwerken ohne große Proteste errichtet. Bei den Plänen für ein Mur-Kraftwerk im Lungau bläst ihr aber nun scharfer Wind entgegen.

Eine Bürgerinitiative hat binnen kurzer Zeit 4.000 Unterschriften gesammelt, und seit knapp zwei Monaten fährt die "Kronen Zeitung" eine massive Kampagne gegen das Kraftwerk und stellt sogar den Vergleich mit Hainburg her. Am Montagnachmittag hat die Initiative "Lebensader Mur" dem Salzburger Landtag eine Petition übergeben.

Salzburg AG will erneuerbare Energie ausbauen

Was hat die Salzburg AG genau vor: "Wir wollen die erneuerbare Energie ausbauen. Und in einer Region, wo es viel Wasser und viel Gefälle gibt, ist die Wasserkraft am vernünftigsten", sagt deren Sprecher Sigi Kämmerer zur APA. Geplant ist ein sogenanntes Ausleitungskraftwerk, das mit einer Leistung von 24 Megawatt jährlich rund 98 Mio. Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugen soll, was dem Bedarf von rund 27.500 Haushalten entspricht. Der Mur soll noch in Tamsweg Wasser entnommen werden, das auf acht Kilometern Länge in einem Stollen mit fünf Metern Durchmesser bis nach Ramingstein geleitet wird und dabei rund 80 Meter Höhenunterschied absolviert. Würden stattdessen Laufkraftwerke errichtet, wären davon 28 mit einer durchschnittlichen Fallhöhe von je drei Metern erforderlich, um die gleiche Menge Strom zu erzeugen, rechnen die Kraftwerksbetreiber vor: "Im Vergleich zur Staulänge der geplanten Anlage in Tamsweg mit 600 Metern würde das eine durchgehende Stauung der Mur über 16,8 Kilometer bedeuten."

Kraftwerk wäre "Super-GAU"

Die Initiative Lebensader Mur spricht hingegen vom "ökologischen und ökonomischen Super-GAU", wie es in der heute übergebenen Petition heißt. Die Restwassermenge könne vom Projektbetreiber nicht genau beziffert werden, "wird jedoch nach derzeitigem Wissensstand gut neun Monate im Jahr nur etwas mehr als drei Kubikmeter Wasser pro Sekunde betragen". Derzeit führe die Mur in Kendlbruck (Gemeinde Ramingstein) im Jahresmittel knapp 24 Kubikmeter. Zudem hätte das Kraftwerk "verheerende Folgen für das Ökosystem und gefährdet neben der heimischen Flora und Fauna unseren Lebensraum als BewohnerInnen des Murtals", schreiben die Gegner, die auch schwerwiegende Folgen für den Tourismus und die damit verbundene wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region befürchten. Landtagspräsident Simon Illmer nahm die Eingabe der Bürgerinitiative entgegen. Die beiden Lungauer Abgeordneten Peter Pfeifenberger (S) und Manfred Sampl (V) sowie die beiden Grünen Abgeordneten Astrid Rössler und Cyriak Schwaighofer unterstützten mit ihren Unterschriften das Begehren.

Aussprache in Ramingstein

Die Salzburg AG, deren Vorstände am Montagabend auf Einladung der Gemeinde zu einer Aussprache in Ramingstein erwartet werden, sucht laut Kämmerer nach wie vor den Dialog: "Ähnliche Widerstände hat es auch bei der Sohlstufe Lehen gegeben. Wir wollen jetzt horchen, wo der Schuh drückt, und vielleicht finden wir noch eine gemeinsame Lösung. Unser Ziel ist es, ein mit der Bevölkerung abgestimmtes Projekt zur Umweltverträglichkeitsprüfung einzureichen." (APA)
(Quelle: S24)

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