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Tödlicher Lawinenunfall in Salzburg: Urteil bestätigt

Ein 65-jähriger Skitourengeher aus Salzburg ist im Oktober des Vorjahres wegen des Lawinentodes seiner 58-jährigen Frau am 17. März 2010 auf der Sichelwand in Tweng bei Obertauern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt worden.

Dieser - von Alpinvereinen kritisierte - Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung wurde am Donnerstag von einem Berufungssenat des Oberlandesgerichtes Linz bei einer Verhandlung am Landesgericht Salzburg bestätigt.

Erhebliche Lawinenegefahr

Aufgrund der Lawinenlageberichte schon in den Tagen vor dem Unglück - es bestand erhebliche Lawinengefahr (Stufe drei der fünfstufigen Skala) und es wurde vor Windverfrachtungen und Triebschneeansammlungen gewarnt - sei besondere Vorsicht geboten gewesen, erläuterte der Vorsitzende des Berufungssenates, Georg Wiesinger. Das Ehepaar habe den Lawinenlagebericht am Tag der Skitour nicht gelesen. "Unter den Vorzeichen hätten sie aber besondere Vorsicht walten lassen sollen." Der beschuldigte Pensionist sei auch zu einem Zeitpunkt mit den Skiern losgefahren, als sich seine Frau noch nicht außerhalb des Gefahrenbereiches befunden habe, so der Richter. Der Berufungssenat ging davon aus, dass das Ehepaar gleichberechtigt war, was die Tourenwahl betraf. "Aufgrund ihrer Erfahrung hätten sie eine gefahrlosere Abfahrt wählen sollen", sagte Wiesinger in leisen, für die Öffentlichkeit schwer verständlichen Worten und lies durchblicken, dass die Lawine vorhersehbar gewesen sei. Das Erstgericht hatte den Beschuldigten noch als den erfahreneren Tourengeher bezeichnet.

Skitourengeherin einen Meter tief verschüttet

An dem "wohl schwärzesten Tag" für den Pensionisten, wie Verteidiger Andreas Ermacora heute betonte, hatte der 65-Jährige ein 80 Meter breites und 250 Meter langes Schneebrett losgetreten. Die Skifahrerin wurde mitgerissen, einen Meter tief verschüttet und nach 110 Minuten von Einsatzkräften tot geborgen. Beide Skitourengeher hatten ihr Lawinenverschüttetensuchgerät ("Lawinenpieps", Anm.) zwar eingesteckt, aber nicht eingeschaltet.

Bessere Überlebenschancen mit Lawinenpieps

Wenn sie den "Lawinenpieps" aktiviert hätten, dann wäre die Frau in zehn bis 15 Minuten gefunden worden und hätte überleben können, argumentierte der Salzburger Einzelrichter Manfred Seiss in der erstinstanzlichen Urteilsbegründung. Er hatte auf das Gutachten des Lawinensachverständigen Franz Deisenberger verwiesen, wonach an jenem Tag das Ehepaar trotz erheblicher Lawinengefahr in den 35 Grad steilen Hang eingefahren war. Der gefährliche Triebschnee, der sich wegen der Windtätigkeit gebildet habe, sei sichtbar gewesen, so Deisenberger. Der Richter nahm wie der Sprengelarzt einen Erstickungstod an. Zwei Notärzte gingen aber von einem Genickbruch aus, demnach wäre die Skitourengeherin sofort tot gewesen. Für die beiden Verteidiger des Angeklagten, Peter Schartner und Andreas Ermacora, waren viele Argumente des Gerichtsgutachters nicht nachvollziehbar. Sie beriefen sich auf ein Privatgutachten von Michael Larcher, die Expertise lag dem Berufungssenat auch vor. Zusammenfassend erklärte Ermacora: "Es hat sich um eine ungeführte Gefahrengemeinschaft gehandelt, bei der jeder für sich selber verantwortlich ist. Die Frau ist 30 bis 40 Skitouren pro Jahr gegangen." Nur wenige Wochen vor dem tödlichen Unfall sei das Ehepaar die Sichelwand bei gleicher Gefahrenstufe mit dem Bezirksleiter der Lungauer Bergrettung abgefahren.

Abfahrt durch Waldstück schien sicher

"Für das Ehepaar war diese Tour seine Haustour, die Abfahrt in dem lichten Waldstück hat Sicherheit suggeriert, das war auch der Grund, warum die beiden das Lawinenverschüttetensuchgerät nicht eingeschalten haben", erklärte Ermacora. Außerdem bezeichnete er den Vorwurf, der Pensionist sei zu früh losgefahren, "als absurd", denn dieser habe seine Frau etwa 130 bis 150 Meter vorausfahren lassen. Der ausgeschaltete Lawinenpieps und die Todesursache, also der Erstickungstod, sowie die Tatsache, dass keine Obduktion der Toten stattgefunden habe, dies sei alles nicht "entscheidungswesentlich" gewesen, erklärte der Berufungssenats-Vorsitzende. "Das Strafmaß von drei Monaten bedingt unterschreitet das schuldangemessene Maß", sagte Wiesinger. (APA)

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(Quelle: S24)

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