Jetzt Live
Startseite Salzburg
Mangel in Salzburg

Samariterbund fehlen über 50 Zivildiener

Samariterbund SAMARITERBUND SALZBURG/www.cs-impressions.at
Der Samariterbund Salzburg klagt über fehlende Zivildiener.

Nur 60 statt der benötigten 115 Stellen besetzt: Dem Samariterbund Salzburg gehen die Zivildiener nahezu aus. "Sie reißen ein großes Loch in die Personaldecke", beklagt Geschäftsführer Christian Dengg im Gespräch mit SALZBURG24.

Zeitgleich sollten beim Samariterbund in Salzburg rund 115 Zivildiener deren Dienst absolvieren – im Oktober waren davon lediglich rund 60 Stellen besetzt. "Wir können unsere Aufgaben zwar derzeit noch erfüllen, es stellt aber eine große Herausforderung für uns dar", schildert Dengg. Ehrenamtliche und Hauptberufliche müssten inzwischen den Mangel an Zivildienern abfedern.

Zivildiener-Mangel: "Österreichweites Problem"

Auch in den Folgemonaten rechnet der Samariterbund wegen geburtenschwachen Jahrgängen und der, aufgrund der demographischen Entwicklung, wachsenden Nachfrage im sozialen Dienstleistungsbereich mit fehlenden Mitarbeitern. "Das ist kein Samariterbundproblem, sondern ein österreichweites Problem. Es braucht Lösungen", so der Geschäftsführer.

Auch beim Roten Kreuz Salzburg scheint die Lage ähnlich. "Wir hatten im letzten Jahr 380 Zivildiener. Damit konnten wir einen reibungslosen Ablauf sicherstellen. Diese Zahl zu erreichen wird aber immer schwieriger", bestätigt eine Sprecherin auf S24-Anfrage. Es sei noch unklar, wie viele Zivildiener für 2019 vom Ministerium zugewiesen würden.

Zivildienst APA/GEORG HOCHMUTH
Zivildiener übernehmen unter anderem Krankentransporte.

Samariterbund Salzburg: Bis Juli 50 Plätze offen

Beim Samariterbund sind bis Juli 2019 noch 50 Plätze nicht besetzt. Bereits im Jänner fehlen 14 Zivildiener – in den Einrückmonaten März, Mai und Juli rechnet Christian Dengg ebenfalls mit einem weiteren Rückgang. "Wir benötigen alle zwei Monate (Jänner, März, Mai, Juli, September, November) dringenddie Unterstützung von rund 30 neuen Zivildienern", sagt er.

Die Wehrdienst-Alternative müsse attraktiver gemacht werden, ist er überzeugt: Etwa die Entlohnung. "Hat man vorher schon einmal gearbeitet, sind die derzeit 328,70 Euro monatlich ein Schlag ins Gesicht", beklagt er. Das lässt sich allerdings auch auf die Situation von Rekruten übertragen. Mit einem Grundsold von 321,22 Euro verdienen diese in den sechs Monaten Wehrdienst ebenfalls wenig.

Eine Angleichung der Dauer – also eine Verkürzung des Zivildienstes auf sechs Monate – kommt für Dengg keinesfalls in Frage. "Das würde den Mangel noch einmal verschärfen." Er plädiert eher für die Wiedereinführung der freiwilligen Verlängerung des neunmonatigen Zivildienstes um drei Monate. Diese sei immer gerne in Anspruch genommen worden.

 

Die meisten Ehrenamtlichen würden sich außerdem aus dem Zivildienst rekrutieren. Auch Dengg selbst fand nach seinem Zivildienst im Jahr 1995 seinen beruflichen Weg zum Samariterbund. Die jungen Menschen erhielten oftmals nicht nur eine Ausbildung, etwa zu Rettungssanitätern, sondern würden auch ihre emotionale Intelligenz und Teamfähigkeit ausbauen.

Nationalrat behandelt Zivildienst-Novelle

In der Zivildienst-Novelle, die am Dienstag vom Nationalrat behandelt wurde, war die Verlängerung allerdings kein Thema. Sie enthält neben einer Reduzierung von Bürokratie, die Erhaltung der Attraktivität des Zivildienstes und verbesserte Steuerungs- und Einflussmöglichkeiten des Bundes. Konkret werden Vorgesetzte von Zivildienern künftig verpflichtet, alle drei Jahre ein spezielles, computergestütztes Ausbildungsmodul zu absolvieren. Außerdem wird die Möglichkeit geschaffen, einer Einrichtung die Anerkennung als Zivildienstträger zu entziehen, wenn sie drei Jahre lang keinen Zivildiener angefordert hat. Österreichweit gibt es rund 1.700 Zivildienstorganisationen, in Salzburg sind es 130.

Edtstadler APA/HERBERT PFARRHOFER/Archiv
Staatssekretärin Karoline Edtstadler verpasst dem Zivildienst eine kleine Reform.

Weitere geburtenschwache Jahrgänge folgen

Dass das Innenressort hier etwas strenger wird, hängt damit zusammen, dass das Potenzial an Zivildienern durch geburtenschwache Jahrgänge geringer wird. Laut der zuständigen Staatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) ist alleine seit dem Jahr 2010 die Zahl der tauglichen Wehrpflichtigen von rund 39.600 auf 30.800 im Jahr 2017 zurückgegangen. Es mangelt aber nicht zwingend an der Tauglichkeit, sondern auch die Zahl der Stellungspflichtigen ist zwischen 2013 und 2017 um fast elf Prozent (von 53.934 auf 48.065) gesunken.

Die Zahl der Zivildienst-Zuweisungen wurde vom Innenministerium 2013 mit 14.256 angegeben und für 2017 mit 14.907. Die Bedarfsdeckung lag damit bei rund 93 Prozent. Aktuell könne der Bedarf nur mehr zu 89 Prozent gedeckt werden.

Anstieg der Geburten erst seit 2012

An dieser Entwicklung dürfte sich in den nächsten Jahren nicht viel ändern, denn es folgen laut Zahlen der Statistik Austria weitere geburtenschwache Jahrgänge. Ein Anstieg der Geburten zeigt sich erst ab 2012, bis diese Kinder zur Musterung müssen, wird es also noch etwas dauern. Wobei anzumerken ist, dass mehr als ein Fünftel der heute in Österreich geborenen Babys nicht die österreichische Staatsbürgerschaft hat. 2016 kamen 45.000 Buben in Österreich zur Welt, 35.000 davon waren Staatsbürger, 10.000 nicht. Viele dieser Nicht-Österreicher dürften aber bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres noch einen heimischen Pass erlangen.

(Quelle: SALZBURG24)

Whatsapp

Aufgerufen am 10.12.2019 um 08:26 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/mangel-in-salzburg-samariterbund-fehlen-ueber-50-zivildiener-62457067

Kommentare

Mehr zum Thema