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Verteidiger am Wort

Prozess wegen Handels mit 22 Kilo Drogen

"Er war kein Drogenboss"

In Salzburg hat am Mittwoch ein Geschworenenprozess wegen Handels mit rund 22 Kilogramm Drogen gegen 15 Angeklagte begonnen. Die Verhandlung wurde aufgrund der Corona-Maßnahmen vom Landesgericht in das Kolpinghaus verlegt, das mehr Platz zur Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände bietet. Bis 25. Juni sind 22 Verhandlungstage anberaumt.

Salzburg, Zell am See

Der Zutritt in den Verhandlungssaal war nur den rund 40 Prozessbeteiligten, darunter zehn Verteidigern gestattet. Journalisten konnten die Verhandlung von einem Nebenraum aus per Live-Videoübertragung beobachten.

Das Landesgericht hat wegen der Corona-Pandemie umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Fiebermessen am Eingang, Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Plexiglasscheiben zwischen den Teilnehmern sollen vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen.

Kiloweise Drogen gebunkert

Als Boss der international agierenden, mutmaßlichen Drogenbande gilt ein 50-jähriger Kroate. Der Vorwurf betrifft die Einfuhr von insgesamt 2,3 Kilo Kokain, 12,6 Kilo Speed und 7,5 Kilo Cannabisharz sowie mehreren Tausend Ecstasy-Tabletten. Die Drogen stammen aus Belgien, den Niederlanden und der Dominikanischen Republik. Das Suchtgift soll von April 2018 bis März 2019 unter Federführung des Hauptbeschuldigten nach Österreich geschmuggelt worden sein.

Suchtgift in Pinzgauer Wohnung

Der 50-Jährige, der neben der kroatischen auch die serbische Staatsbürgerschaft besitzt, soll in dem Tatzeitraum bei einem Bekannten in Zell am See als "U-Boot" gewohnt haben. Laut Staatsanwältin Sandra Lemmermayer wurden Drogen in der Wohnung gebunkert.

Mega-Drogenprozess in Salzburg APA/BARBARA GINDL
Wegen der Corona-Maßnahmen ist Medien und Zuschauern der Zugang in den Gerichtssaal nicht gestattet - sie verfolgen den Prozess nebenan via Videoübertragung.

Der Kroate soll das Suchtgift zum Teil mit dem Wagen einer Mitangeklagten nach Salzburg geschmuggelt haben. Ihm drohen zehn bis 20 Jahre oder sogar lebenslange Haft. Zwei weitere Beschuldigte, darunter ein 65-jähriger Niederländer und ein 30-jähriger Belgier, sollen die Drogen organisiert haben.

Netz aus Drogendealern aufgebaut

Für den Drogenhandel im Pinzgau soll der Hauptbeschuldigte ein Netz von heimischen Unterhändlern aufgebaut haben. Das Suchtgift wurde laut Anklage mit großem Gewinn weiterverkauft, großteils im Pinzgau, aber auch in Kroatien.

Der 50-Jährige ist für die Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Er stand bereits in Deutschland und Schweden wegen Drogenhandels vor Gericht. Der Mann wurde wegen des aktuellen Strafverfahrens im März 2019 festgenommen, mit ihm auch ein Großteil der Angeklagten. Es handelt sich dabei um sieben Österreicher, drei Kroaten, einen Niederländer, einen Belgier, eine Slowenin und einen Deutschen. Die Beschuldigten sind 27 bis 65 Jahre alt. Ein Großteil davon wohnte zuletzt im Pinzgau. Sie zeigten sich bisher zum Teil geständig.

Der Verdächtige aus den Niederlanden konnte heute übrigens nicht vor Gericht erscheinen. Er sitzt in Holland im Gefängnis und konnte wegen der Corona-Bestimmungen nicht ausgeliefert werden. Er wurde darum aus dem Verfahren ausgeschieden, gegen ihn muss nun gesondert verhandelt werden. Der Prozess wird von Richter Christian Hochhauser geleitet.

"Er war kein Drogenboss"

Während die Staatsanwältin von einer organisierten Bande und von Drogenhandel im großen Stil ausgeht und den 50-jährigen Kroaten als Anführer bezeichnet hat, stellte der Verteidiger des Hauptbeschuldigten diese Vorwürfe vehement in Abrede. "Er war kein Drogenboss", betonte Rechtsanwalt Andreas Lang.

Der Kroate habe Suchtgift "in kleinsten Mengen" mit dem Zug von Belgien und den Niederlanden nach Österreich gebracht. Die Drogen seien in einer kleinen Aktentasche in Größe eines Blattes Papier verstaut und für Freunde des 50-Jährigen bestimmt gewesen, erklärte der Verteidiger. Der 50-Jährige habe ihnen das Suchtgift entweder zum Einkaufspreis überlassen oder es verschenkt.

Einen Drogenhandel im großen Stil hat es nicht gegeben", sagte Lang. Die Ermittlungsergebnisse seien teils falsch wiedergegeben und falsch berechnet worden. "Es kommt zu einer Verzerrung der ganzen Menge." Die tatsächlichen Drogenmengen seien weit geringer gewesen.

Laut Verteidiger "nur geringe Mengen Drogen"

Rechtsanwalt Peter Lechenauer, der vier Angeklagte vertritt, darunter zwei kroatische Brüder, hielt das Verfahren für "überbordend". Satt einem Geschworenengericht hätte ein Schöffensenat das Auslangen gefunden. Die Brüder hätten nur geringe Mengen an Drogen bezogen, und deren Mutter, die ebenfalls angeklagt wurde, "hat mit diesem Verfahren nichts zu tun". Auch Verteidiger anderer Angeklagten sprachen von weit geringeren Drogenmengen als ihnen vorgeworfen wurden. Es handle sich teils nur um Vermutungen und Indizien, erklärte Verteidiger Jörg Dostal.

(Quelle: APA)

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