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Plus 66 Prozent

Geisterfahrer-Meldungen nehmen zu: Warum?

Salzburger Verkehrsclubs klären auf

20130522_PD0711.HR.jpg APA/Herbert Pfarrhofer/Archiv
Die Meldungen über Geisterfahrer haben im vergangenen Jahr in Salzburg stark zugenommen. 

Die Zahl der Geisterfahrer in Österreich war 2019 so hoch wie in den letzten elf Jahren. In Salzburg gibt sogar ein Plus von 66 Prozent bei den Geisterfahrerwarnungen. Doch wie ist diese Zahl tatsächlich einzuschätzen und wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einem Geisterfahrer auf der Autobahn begegne? Wir haben mit den Salzburger Verkehrsclubs gesprochen.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Geisterfahrer stark angestiegen, heißt es in der Ö3-Geisterfahrerstatistik, die am Dienstag veröffentlicht wurde. 

„Österreichweit gibt es 38.000 Unfälle pro Jahr, davon sind etwa sieben Geisterfahrerunfälle“, schildert ÖAMTC-Juristin Christina Holzer-Weiß im Gespräch mit SALZBURG24. Tatsächlich sei die Zahl der Unfälle aufgrund von Falschfahrten zum gesamten Verkehrsflussgeschehen als relativ gering einzustufen, erläutert die Expertin.

Die österreichweit 417 bzw. 48 Meldungen in Salzburg seien außerdem ja keine nachgewiesenen Geisterfahrten. „Es reicht schon, wenn ein anderer Autofahrer glaubt, das gesehen zu haben.“ Umgekehrt bedeutet das jedoch auch, dass die exakte Anzahl an Falschfahren tatsächlich nicht bekannt ist. Denn ein großer Teil der Geisterfahrten nimmt ein glückliches Ende – die Fahrer verlassen die Autobahn unbemerkt, gibt beispielsweise die Asfinag zu bedenken.

Langzeitstatistik: Meldungen werden weniger

Die Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren gesetzt wurden – wie große Warntafeln, Sensoren, usw. – hätten ihre Wirkung gezeigt, sagt die ÖAMTC-Juristin. Denn in der Langzeitstatistik nehmen die Warnungen ab. So wurden im Jahr 2000 noch über 500 Geisterfahrer-Meldungen gezählt. Der bislang höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1994 stammt aus dem Jahr 2004 mit 550 Meldungen. Genau zehn Jahre später wurde der bislang niedrigste mit 358 Meldungen verzeichnet.

Doch warum kommt es zu Geisterfahrten?

Die Ursachen für Geisterfahrten seien sehr verschieden und könnten kaum an einem Punkt festgemacht werden, teilt der ARBÖ Salzburg mit. „Unserer Erfahrung nach besteht die häufigste Ursache im zu großen Vertrauen von technischen Hilfsmittel wie zum Beispiel von Navigationssystemen“, sagt die Sprecherin des Verkehrsclubs, Renate Eschenlohr auf S24-Anfrage. Oft werden Autofahrerinnen und Autofahrer durch die Ansage des Geräts verwirrt oder fühlen sich überfordert und wählen durch Stresssituationen die falsche Abbiegung oder Auffahrt. Zudem erwähnt Eschenlohr: „Häufig wird auch die geistige sowie die visuelle Ablenkung von den Verkehrsteilnehmern unterschätzt. Wenn man nicht ganz ortskundig oder mit den Gedanken bei der Sache ist, kann es schnell geschehen, dass man einen Fahrfehler begeht“.

Als weitere Ursache führt der ARBÖ auch Rauschmittel an. Dazu Verkehrspsychologin Patricia Prunner: „Rauschmittel im Allgemeinen verzerren die Wahrnehmung und verändern die Optik. Dadurch kann es geschehen, dass Straßenschilder oder Auffahrten nicht mehr real wahrgenommen werden“.

Was tun, wenn ich einem Geisterfahrer begegne?

Vom Gesetzgeber aus gibt es keine gesetzliche Regelung des Verhaltens. Vor allem heißt es jetzt ruhig bleiben, betonen die Verkehrsclubs und die Asfinag einhellig. Helfen kann auch diese Checkliste:

  • Radio kann Leben retten! Der ARBÖ empfiehlt bei Autofahrten IMMER das Radio einzuschalten, um möglichst rasch zu Informationen zu kommen.
  • Tempo reduzieren und soweit wie möglich rechts halten und keine Überholmanöver starten. Ruhe bewahren.
  • Aufmerksamkeit erregen! Lichtsignale und Hupe betätigen, um den Falschfahrer aufmerksam zu machen.
  • Informationen geben! Mit dem Telefon mittels der Freisprecheinrichtung sofort die Asfinag und/oder die Polizei informieren. So genau wie möglich den Standort dabei bekannt geben. Tipp: Kilometeranzeige auf Autobahnen beachten.
  • Weitere Anweisungen der Polizei oder dem Radio folgen.
 

Hilfe, ich bin ein Geisterfahrer! Was tun?

  • Sofort stehen bleiben! Soweit wie möglich an die rechte Seite zur Leitplanke fahren.
  • Aufmerksamkeit erregen! Mit Warnlicht und Lichthupe die anderen Verkehrsteilnehmer auf sich aufmerksam machen, um die Gefahr so gering wie möglich zu halten.
  • Sofortige Meldung an die Polizei und weiteren Weisungen der Polizei unbedingt folgen.
  • Warnweste anziehen
  • Auf dem Auto steigen und sich hinter der Leitschiene in Sicherheit bringen
  • Keinesfalls im Rückwärtsgang zur Auffahrt zurückfahren, wenden oder die Fahrbahn kreuzen.

Übrigens: Die Strafen für Geisterfahrer sind ordentlich. Beim Fahren gegen die Fahrtrichtung auf der Autobahn muss man mit einer Geldstrafe von bis zu 2.180 Euro rechnen. Zusätzlich ist man den Führerschein für mindestens sechs Monate los.

(Quelle: SALZBURG24)

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