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Fehlt der Respekt vor Tieren auf Almen?

"Kulikitaka-Challenge" macht Erschrecken von Kühen zum Trend

Nach dem Tiroler Kuh-Urteil und wohl auch, weil Wanderer ihr Kind auf ein Kalb gesetzt haben dürften, hat ein Pinzgauer den Zugang zu seiner Alm versperrt. Für Unmut sorgen auch Wanderer, die im Rahmen der "Kulikitaka-Challenge" Kühe mit einem Tanz erschrecken. Fehlt der Respekt vor Tieren auf Almen? Stimmt ab im Meinungscheck!

Ein Pinzgauer Landwirt hat den Weg zu seiner Alm mit einer Barriere aus Holz versperrt. Er beruft sich auf das Tiroler Kuh-Urteil, zudem sollen Wanderer zuvor ein Kind auf eines seiner Kälber gesetzt haben. Laut Bericht der APA war dabei auch ein Hund im Spiel. Das Muttertier wollte sein Kalb daraufhin verteidigen, das Ganze ging aber glimpflich aus.

 

Die Sperre der Alm hat in Salzburg eine breite Diskussion darüber ausgelöst, was dies für Folgen für die Wege im Gebirge haben könnte. "Die Sperre darf auf keinen Fall zum Präzedenzfall werden. Das wäre ein furchtbares Signal - denn andere Landwirte oder Jäger könnten dem Beispiel folgen", sagt die Vorsitzende des Salzburger Alpenvereins, Brigitte Slupetzky.

 

Kritik an "Kulikitaka-Challenge"

Für Aufregung sorgt aber auch die "Kulikitaka-Challenge". Dabei machen Nutzer der Plattform "Tik Tok" ein Video, indem sie zum Lied Kulikitaka bewusst Kühe erschrecken. Ein solches soll laut Berichten der Salzburger Nachrichten (SN) auch auf einer Alm in Fusch an der Glocknerstraße entstanden sein. Der Salzburger Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) zeigt sich auf Facebook entsetzt über den Social-Media-Trend und fordert mehr Respekt vor dem Almbauern ein. 

Zum verzweifeln! Wie dekadent verhalten sich den da so manch Halblustige! Mich wundert es nicht mehr, wenn so mancher...

Gepostet von Sepp Schwaiger am Samstag, 4. Juli 2020

"Tierquälerei", "vollkommen unverantwortlich"

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) nennt das "absurd und vollkommen unverantwortlich". Für Kärntens Landwirtschaftskammerpräsident Johann Mößler ist das Ganze schlicht Tierquälerei. "Ich halte das für abartig, was da stattfindet", sagte Mößler am Donnerstag gegenüber der APA. Es sei das genaue Gegenteil von dem, was er sich von verantwortungsvollen Nutzern der heimischen Natur erwarte, nämlich einen sorgsamen Umgang mit Umwelt und Tieren.

 

"Unnötige Risiken für Mensch und Tier"

Auch in Deutschland wird über das Thema diskutiert. "Diese Aktionen sind kein Spaß, sondern lebensgefährlich und tierschutzwidrig", sagte der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Udo Hemmerling, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Eigentlich sind gerade Rinder nach Auskunft des Bauernverbandes sehr neugierige Tiere und haben kaum Scheu, auf Menschen zuzugehen. Würden sie aber ohne Vorwarnung erschreckt, setzten sie entweder zur Verteidigung oder unkontrolliert zur Flucht an. Die Folge: Die Rinder können die Menschen und andere Tiere ebenso verletzen, wie sich selbst. "Hier werden unnötig Risiken für Mensch und Tier in Kauf genommen, nur um Klicks und Aufmerksamkeit zu erzielen", so ein Verbandssprecher.

 
@loopcreativeandy

Stop scaring animals! ##thanks ##sonido ##kulikitaka ##scaringcowchallenge

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(Quelle: APA)

Pinzgauer Bauer riegelt Alm ab

Im Pinzgau sorgt derzeit ein Landwirt für Aufregung. Der Mann hat den Weg zu seiner Alm am Talschluss des Rauriser Krumltals mit einer massiven Barriere aus Holz versperrt. Dabei beruft er sich auf das Tiroler Kuh-Urteil. Alpenverein und Naturschutzbund laufen gegen das Tor Sturm und orten einen massiven Eingriff in das Wegerecht. Allerdings besteht Hoffnung, dass sich die Wogen glätten.

"Privatweg" und "Durchgang ausnahmslos verboten" ist auf einem Schild an der Sperre zu lesen. Und: "Angesichts des jüngst ergangenen Erkenntnisses des Obersten Gerichtshofes (Kuhattacke auf der Alm) sehe ich mich nicht länger im Stande, ein unversehrtes Durchqueren meines hier beginnenden Almgrundstückes zu gewährleisten."

Um die körperliche Unversehrtheit wirksam schützen zu können, sei das Betreten und Durchqueren der Liegenschaft ohne Ausnahme untersagt. Jede Missachtung werde mit einer Besitzstörungsklage verfolgt.

Offenbar Vorfall mit Urlaubern auf Alm

Der Landwirt war für die APA mangels Handyempfang auf der Hochalm zunächst nicht erreichbar, seinem Entschluss zur Sperre dürfte aber ein konkreter Vorfall vorangegangen sein. So sollen Urlauber aus Deutschland ein Kind auf ein Kalb gesetzt haben, offenbar war auch ein Hund mit im Spiel. Die Mutter wollte darauf ihr Kalb verteidigen, das Ganze ging aber glimpflich aus.

Tiroler Kuh-Urteil: Pinzgauer Bauer riegelt Alm ab APA/ÖSTERREICHISCHER ALPENVEREIN/GEORG REITER
Ein Landwirt hat den Weg zu seiner Alm am Talschluss des Rauriser Krumltals mit einer massiven Barriere aus Holz versperrt. 

Die Vorsitzende des Salzburger Alpenvereins, Brigitte Slupetzky, sagte nach einem Treffen mit dem Mann am Freitag zur APA, dass die Wegefreiheit in dem Gebiet unbedingt gewahrt werden müsse. Zwar ende der offiziell ausgewiesene Wanderweg vor der Alm, Routen auf benachbarte Berge führen aber über das Gebiet. "Die Sperre darf auf keinen Fall zum Präzedenzfall werden. Das wäre ein furchtbares Signal - denn andere Landwirte oder Jäger könnten dem Beispiel folgen."

Pinzgauer Bauer reagiert auf Kuh-Urteil

Das Gesprächsklima mit dem Grundbesitzer sei jedoch gut gewesen. "Ich habe den Eindruck, dass er das der Not gehorchend gemacht hat, aber vielleicht nicht bedachte, was er auslöst. Er hat gesagt, er möchte Rechtssicherheit haben, wenn seine Kühe gereizt werden. Dann würde er die Barriere wieder abbauen."

Auch der Rauriser Bürgermeister Peter Loitfellner (SPÖ) zeigte sich nach einem Telefonat mit dem Landwirt optimistisch, eine Lösung zu finden. "Wir leben alle vom Tourismus. Das Gebiet ist mit seinen Geiern und Steinböcken ein wunderbarer Ausgangspunkt für Wanderer." Für die Bauern sei die Situation aber auch nicht immer einfach. "Die Almwirtschaft hat sich verändert, heute herrscht vor allem Mutterkuhhaltung vor. Da müssen sich Wanderer schon an ein paar Regeln halten."

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