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Hohe Infektionsgefahr

Zahnärzte in Salzburg richten Notdienst ein

Strikte Vorsichtsmaßnahmen vor Behandlung

Zahnarzt, SB Bilderbox
Die Salzburger Zahnärzte richten einen Notdienst ein. (SYMBOLBILD)

Wer derzeit dringend auf der Suche nach einem Zahnarzt ist, steht in der Regel vor verschlossenen Ordinationstüren. Praxen gelten als potenzielle Covid-19-Infektionsherde, zumal die Zahnärzte über einen Mangel an Schutzmasken und Schutzbrillen klagen. In Salzburg behandelt neben dem Zahnambulatorium der ÖGK seit der Vorwoche aber nun auch ein Notdienst Menschen, die an akuten Zahnschmerzen leiden.

Allerdings gelten strikte Vorsichtsmaßnahmen. Die telefonische Voranmeldung ist obligat, im Wartezimmer ist immer nur eine Person zugelassen. Vor dem Notdienst des Vereins der niedergelassenen Zahnärzte in der Salzburger Glockengasse hat das Rote Kreuz ein Zelt aufgebaut, damit Patienten nicht im Freien warten müssen. Wer Anzeichen einer Erkältung wie Atemnot, Husten, Fieber oder Halsschmerzen zeigt oder gar Kontakt zu Corona-Patienten hatte oder in den vergangenen 14 Tagen in einem Ausbreitungsgebiet war, muss abgewiesen werden.

Hohes Übertragungsrisiko in Zahnarzt-Praxen

Denn das Übertragungsrisiko in den Ordinationen gilt als sehr hoch. So hoch, dass die meisten Zahnärzte im Land ihre Praxen geschlossen haben. "Der Mindestabstand von einem Meter zum Patienten kann nicht eingehalten werden. Wir arbeiten im Schnitt mit 40 Zentimeter Distanz", sagte Martin Hönlinger, Chef der Salzburger Zahnärztekammer und Obmann des Vereins der niedergelassenen Zahnärzte im Land, zur APA. "Im Schnitt dauert eine Behandlung eine halbe Stunde, oft auch länger." Bei der Arbeit mit Instrumenten, in denen sich Turbinen mit hoher Geschwindigkeit drehen, entstehe zudem ein feiner Sprühnebel, der sich im Umfeld verbreite und einige Zeit lang in der Luft bleibe. "Und wie sich die Lage darstellt, haben die Kollegen keinerlei hochwertige Schutzausrüstung bekommen."

Coronavirus: Masken und Brillen in Ordinationen knapp

Es mache in der derzeitigen Situation freilich auch keinen Sinn, beschränkte Ressourcen auf die 300 Ordinationen im Land aufzuteilen. Doch selbst im seit Mittwoch offenen Notdienstzentrum seien Masken und Brillen knapp. "Wir versuchen derzeit, Schutzausrüstung selbst zu sterilisieren und wiederzuverwenden", berichtete Hönlinger. Er würde sich zudem wünschen, dass wie es in einigen Ländern Europas bereits passiert sei, die Praxen behördlich geschlossen werden. "Die Zahnärzte können aktuell weder den Schutz der Angestellten noch der Patienten sicherstellen."

Zusätzlicher Notdienst für Pinzgau und Lungau nötig

Neben dem Notdienst in der Stadt Salzburg, der den Zentralraum bis in den Pongau hinein versorgen könne, wäre ein zahnärztlicher Notdienst auch im Pinzgau und im Lungau wünschenswert. "Mit entsprechendem Personal-Back-up, weil wir jederzeit damit rechnen müssen, dass sich jemand ansteckt." In der Salzburger Glockengasse habe man in den vergangenen Tagen rund 100 Patienten behandelt. "Es muss aber jedem klar sein, dass für eine ausgebrochene Füllung momentan weder Zeit noch Ressourcen zur Verfügung stehen", so Hönlinger.

(Quelle: APA)

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