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So schätzt Virus-Experte Greil Omikron ein

Mediziner im SALZBURG24-Interview

20200323_PD3826.HR.jpg APA/BARBARA GINDL/Archiv
Der Salzburger Infektiologe Richard Greil empfiehlt angesichts der Omikron-Variante an Lockdown, Maskenpflicht und Impfkampagne weiter festzuhalten. 

Die Omikron-Variante des Coronavirus bereitet weltweit Sorgen. In Österreich wurde bereits ein Fall nachgewiesen, weitere Verdachtsfälle – auch in Salzburg – werden derzeit überprüft. Doch sind die Bedenken berechtigt und was zeichnet die neue Virus-Variante aus? Darüber haben wir mit dem Salzburger Infektiologen Dr. Richard Greil gesprochen.

Die Variante mit der Bezeichnung B.1.1.529 oder nun Omikron greift weltweit um sich. In immer mehr Staaten wird die Mutation nachgewiesen. Experten sind ob dieser Entwicklung besorgt, neben einer höheren Infektiosität vermuten sie auch, dass Impfstoffe bei dieser Variante weniger wirksam sind. Uns hat Dr. Richard Greil Einblick in den aktuellen Wissensstand gegeben.

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(SY;BOLBILD)

Erster Omikron-Verdachtsfall in Salzburg

Im Bundesland Salzburg hat ein Labor am Montagnachmittag den ersten Verdachtsfall auf die neue Corona-Variante Omikron gemeldet. Die positive Probe stammt von einem Wiener, der am Freitag mit dem …

Ist mit einer raschen Ausbreitung zu rechnen?

Erstmals entdeckt wurde die Omikron-Variante am 24. November in Südafrika. "Die Probe stammt allerdings vom 9. November. Trotz rascher Analyse sind drei Wochen in einer globalisierten Welt viel Zeit, um das Virus in die Welt zu tragen", erklärt Greil im Gespräch mit SALZBURG24 am Montag. Mittlerweile wurde die Virus-Mutation in mehreren europäischen Ländern nachgewiesen, darunter die Niederlande, Deutschland und Österreich. Laut Greil ist davon auszugehen, dass sich die Variante weiter ausbreiten wird.

Ist die neue Variante milder im Verlauf?

In Südafrika sei ein rascher Anstieg bei den Inzidenzzahlen verzeichnet worden, was auf eine höhere Infektiosität schließen lasse. Vor allem junge Menschen seien betroffen gewesen, was sich auch aufgrund der überwiegend jüngeren Bevölkerung in Südafrika ergebe. "Hier wurden mildere Verläufe verzeichnet. Wie sich die Variante auswirkt, wenn sie auf eine ältere Bevölkerungsgruppe trifft, ist aber noch nicht bekannt", warnt der Salzburger Mediziner.

 

Verdrängt Omikron die Delta-Variante?

"Das muss man sich erst anschauen", antwortet Greil auf diese Frage. Derzeit werde allerdings vermutet, dass die Impfstoffe bei der neuen Variante weniger wirksam sind. "In Hongkong sind zwei zweifach geimpfte Personen erkrankt. Über deren Verlauf oder mit welchem Impfstoff sie geimpft wurden, ist allerdings nichts bekannt", so der Infektiologe. Die mehr als 30 Mutationen im Spike-Protein des Coronavirus würden derzeit allerdings auf eine höhere Ansteckung hinweisen. "Das lässt sich anhand von 3D-Computermodellen darstellen."

Wie wirksam sind Impfstoffe gegen neue Variante?

Die Vakzin-Hersteller gehen dieser Frage gerade nach. Erste Ergebnisse würden für Ende dieser Woche erwartet, teilt Greil mit. Entsprechende Modellierungen würden jedenfalls bereits durchgeführt werden. Der US-Hersteller Moderna habe bereits drei weitere Varianten seines Impfstoffs entwickelt, um auf etwaige Mutationen reagieren zu können. Die mRNA-Impfstoffe würden sich grundsätzlich besser für eine etwaige Anpassung eignen als etwa Vektor-Impfstoffe, wobei auch der Hersteller Astra Zeneca an einer Adaption seines Impfstoffs arbeite. Für eine Anpassung der Vakzine werde mit einem Zeitraum von 100 Tagen gerechnet, wobei BionTech etwas schneller sein könnte.

Was bedeutet Omikron für die Impfkampagne?

Laut Greil ergeben sich durch die neue Variante und etwaige angepasste Impfstoffe grundsätzlich zwei Probleme:

  1. Studien und Zulassung der Vakzine: Für eine Zulassung sind für gewöhnlich Tests an tausenden Probanden notwendig. "Ob das angesichts einer raschen Ausbreitung möglich ist, wird man entscheiden müssen", so Greil. Möglich wäre aber eine raschere Einführung der Impfstoffe, wie das etwa bei der Grippe-Impfung der Fall ist.
  2. Logistische Probleme bei Abwicklung der Impfkampagne: In Österreich verläuft die Impfkampagne schleppend, viele Menschen sind gar nicht oder nur teilweise geimpft. Durch die Einführung eines adaptierten Impfstoffs, der neben Erst-, Zweit- und Drittimpfungen verabreicht werden müsse, würden sich logistische Probleme ergeben.

Was sind die Symptome bei der Omikron-Variante?

Aufgrund unzureichender Datenlage lassen sich diesbezüglich noch keine gesicherten Aussagen machen.

Schwächt sich das Coronavirus durch die neue Variante ab?

Wird das Coronavirus mit der neuen Variante ansteckender, aber milder im Verlauf? Dem erteilt der Infektiologe eine Absage: "Das wäre vielleicht bei einer weltweit adäquaten Durchimpfungsrate möglich." Aktuell sind 42,7 Prozent der weltweiten Bevölkerung geimpft. "So lange der Rest der Bevölkerung nicht geimpft ist, steigt auch die Möglichkeit auf neue Virus-Varianten. Grundsätzlich setzen sich infektiösere Formen durch."

Sind Reisebeschränkungen sinnvoll?

Auch wenn die Variante bereits mehrmals in Europa nachgewiesen wurde, so seien Einreisebeschränkungen dennoch weiter sinnvoll, teilt Greil mit: "Gerade zu Beginn der Pandemie hat sich gezeigt, dass Reisebeschränkungen zu den wirksamsten Mitteln zu Eindämmung der Infektionszahlen zählen. Zeitverzögerung ist gerade angesichts von Varianten von großer Bedeutung." Deshalb sei es weiterhin ratsam, an der Maskenpflicht festzuhalten und die Impfkampagne weiter voranzutreiben.

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Das ist Omikron

Die neue Virus-Mutation Omikron ist noch nicht lange bekannt, aber bereits mehrfach in Europa nachgewiesen. Das ist bisher über die Variante aus dem Süden Afrikas bekannt.

Ist ein Lockdown weiter sinnvoll?

Auch ein Lockdown könne die weitere Verbreitung einer Virus-Variante eindämmen. Allerdings "wäre es noch zu früh, über die Dauer zu sprechen. Ein Lockdown kann an sich kürzer dauern, aber er muss dafür effektiver sein", so der Salzburg Mediziner. Dass die Schulen in Österreich aktuell geöffnet sind, dafür hat Greil kein Verständnis: "Ich halte das aus medizinischer Sicht für nicht nachvollziehbar. Vor allem, solange es in dieser Altersgruppe keine entsprechende Durchimpfungsrate gibt."

Greil: "Keine Panik"

Wie Greil weiter mitteilt, sei es nun wichtig, nicht in Panik zu verfallen. "Die Wissenschaft braucht Zeit, auch wenn sie rasch arbeitet." Der Lockdown und andere Maßnahmen sollen weiter eingehalten werden, da dies auch gegen eine weitere Ausbreitung der Omikron-Variante helfe, so der Mediziner abschließend im SALZBURG24-Gespräch.

(Quelle: SALZBURG24)

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