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Osterfestspiele wollen "gläserne Wand zu Salzburg" durchbrechen

Intendant Peter Alward über sein neues Orchester aus Dresden, Koproduktionen in der Oper und seine Korrektur der Beziehung zum Salzburger Publikum. APA
Intendant Peter Alward über sein neues Orchester aus Dresden, Koproduktionen in der Oper und seine Korrektur der Beziehung zum Salzburger Publikum.

Bei den Salzburger Osterfestspielen ist zur Zeit viel von einer "neuen Ära" die Rede - nach dem ruppigen Absprung der Berliner Philharmoniker wird das Karajan'sche Nobelfestival heuer ja erstmals von der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Dirigent Christian Thielemann künstlerisch gestaltet.

Aber macht ein anderes Orchester und ein neuer Dirigent gleich eine neue Ära? Die APA hat beim geschäftsführenden Intendanten der Osterfestspiele, Peter Alward, nachgefragt.

APA: Herr Alward, was ist an den Osterfestspielen so anders, dass von einer neuen Ära geredet werden kann?

Alward: Zum einen ist mit der Staatskapelle Dresden ein Orchester in Salzburg, das sowohl in der Oper als auch in der Symphonik und in der Kammermusik zu Hause ist. Das ist das tägliche Brot dieser Musiker. Zum zweiten gibt es das "Konzert für Salzburg". Für dieses Konzert bieten wir - durch Sponsoren ermöglicht - Sonderpreise für Jugendliche von fünf Euro an. Im übrigen sind die Kartenpreise von 15 bis 70 Euro generell sehr moderat. Noch wichtiger aber ist, dass wir mit dem "Konzert für Salzburg" eine gläserne Wand zu Salzburg und den Salzburgern durchbrechen wollen, die es bisher zwischen den Osterfestspielen und der Region Salzburg gab. Wenn es gelingt zu vermitteln, dass die Osterfestspiele wirklich zu Salzburg gehören, dann ist ein großer, neuer Schritt gemacht.

APA: Und die praktische Zusammenarbeit mit dem Orchester?

Alward: Es ist gar nicht so viel anders. Natürlich müssen die neuen Kollegen noch durchs Haus gelotst werden. Offensichtlich fühlen sich die Dresdner aber bei uns schon sehr wohl.

APA: Wie hat denn Ihr internationales Publikum auf den Wechsel von Berlin zu Dresden reagiert?

Alward: Zu unserer Freude sehr positiv. Erst war die Absage der Berliner ein Schock, aber von einer Emigration des Publikums nach Baden-Baden (dort spielen die Berliner Philharmoniker seit heuer zu Ostern, Anm.) kann keine Rede sein. Ein Fünftel unserer Buchungen für 2013 kommt von neuem Publikum, besonders groß ist das Interesse in Österreich, in Deutschland, der Schweiz, China und Japan. Thielemann war ja lange in München, daher bringt er viele Fans mit nach Salzburg. Insgesamt ist die Buchungslage zufriedenstellend. Es gibt noch Karten, aber man darf nicht vergessen, dass immer kurzfristiger gebucht wird.

APA: Der "Parsifal" ist eine Koproduktion von vier Partnern, nämlich Salzburg, Peking, Dresden und Madrid. Jeder will die Premiere ausrichten, aber sie findet in Salzburg statt. Ist diese Position auf Dauer haltbar?

Alward: Das ist Bedingung. Mit Opernhäusern, die dies nicht akzeptieren, kann ich über Produktionspartnerschaften leider nicht weiterverhandeln. Wer derart hohe Eintrittspreise verlangen muss wie die Osterfestspiele, der muss die Premiere anbieten können.

APA: Aber geht das so einfach, eine Produktion wie den "Parsifal" auf die meist deutlich kleineren Bühnen zu verpflanzen?

Alward: Es ist leichter von groß auf klein als von klein auf groß. Besonders erfreulich für uns ist natürlich die Partnerschaft mit Beijing. In China ist diese Wagner-Oper nämlich noch nie aufgeführt worden. Da werden die Osterfestspiele Neues aus Salzburg nach China tragen.

APA: Sind Sie als der geschäftsführende Intendant auch in die künstlerischen Entscheidungen zum Programm eingebunden? Gestalten Sie die Osterfestspiele auch inhaltlich?

Alward. Ja, das ist eine meiner Aufgaben, so steht es auch in meinem Vertrag. Aber der Künstlerische Leiter hat Vorrang. Es gibt immer wieder fruchtbare Gespräche mit Herrn Thielemann, aber er hat das letzte Wort. Das ist eine Frage des Respektes vor den Künstlern, die ja am Ende auch auf der Bühne stehen. (APA)

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