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Es ist Schwammerl-Saison

Warum Pilze in Salzburgs Bergland am besten wachsen

Klimawandel hat Einfluss auf heimische Arten

Zirka 4.500 verschiedene Pilzarten wachsen in Salzburg. Davon sind den meisten allerdings oft nur zehn Sorten bekannt. Wo ihr sie am ehesten findet und wie giftige Pilze schmecken, erklärt Pilzkundler Thomas Rücker vom Haus der Natur.

Die Pilzsaison in Salzburg hat bereits begonnen. Ob es ein gutes Jahr für Schwammerlsucher wird, lässt sich jedoch noch nicht genau sagen. Nicht einmal für den Pilzkundler vom Haus der Natur, Thomas Rücker. „Aber momentan schaut es gut aus für Speisepilze“, lehnt er sich im Gespräch mit SALZBURG24 aus dem Fenster. Doch was suchen wir da eigentlich und für viele Salzburger:innen noch wichtiger: Wo sollen wir suchen?

 

Warum ein Schwammerl kein Pilz ist

Wenn wir laienhaft von Pilzen oder Schwammerl sprechen, meinen wir oft einfach nur den Fruchtkörper, der aus der Erde ragt. Der Rest liegt unter der Oberfläche und bleibt für uns meist im Verborgenen. Somit pflücken wir auch nur diese Frucht – ähnlich wie bei einem Apfel, bei dem wir mit den Ästen des Baumes auch nur wenig anfangen können. Während der Pilz von seiner Abstammung irgendwo zwischen Tier und Pflanze liegt, lebt ein Schwamm im Meer und ist tatsächlich ein Tier, stellt Mykologe Rücker klar. In Salzburgs Wäldern sind genaugenommen also gar keine Schwammerlsucher:innen unterwegs, auch wenn man das umgangssprachlich gern so sagt.

Pilz, Schwammerl, Steinpilz, SB APA/HELMUT FOHRINGER
(SYMBOLBILD)

Zehn Gebote fürs Schwammerl suchen

Immer wieder stellt sich bei Wanderungen durch heimische Wälder die Frage, sind diese Schwammerl essbar oder gar giftig? Den auffälligen Fliegenpilz erkennt man leicht, doch was unterscheidet den …

Welche Voraussetzungen brauchen Pilze?

Wie auch immer man sie nennen will, um Schwammerl nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden, braucht es den richtigen Standort. So haben viele ihre Geheimplätze im Wald. Ob an diesen Plätzen auch wirklich Früchte zu finden sind, hängt laut dem 62-Jährigen von mehreren Faktoren ab.

  • Im März und April sollte es nicht mehr zu kalt sein, damit die „Blüte“ nicht abfriert. Spätfrost wäre ganz schlecht.
  • Genügend Niederschlag ist wichtig für die Pilze. Ist es im Juli und August zu trocken, gibt es weniger.
  • Außerdem haben Pilze einen eigenen Rhythmus eingebaut. Einige Sorten bilden daher nur unregelmäßig Früchte aus, andere sind fünf- oder zehnjährig. Ähnlich, wie man es von Obstbäumen kennt. Es kann also durchaus vorkommen, dass an „guten“ Schwammerlplätzen von einem Jahr auf das nächste nichts zu finden ist.
 

 

Hier findet ihr in Salzburg am ehesten Pilze

„Pilze sind auch von der Bodenzusammensetzung abhängig“, erklärt Rücker. Da Speisepilze eher Fichtenwälder bevorzugen, fühlen sie sich auch im Pinzgau, Pongau und Lungau deutlich wohler. Auf Kalk-Untergrund, wie er im Tennengau und Flachgau zu finden ist, findet man weniger bzw. andere Arten.

Wachstum und Vorkommen hängen in den Wäldern auch stark mit den umliegenden Bäumen zusammen. „Junge Bäume lassen deutlich mehr Licht durch als alte. Wenn in einem Jahr also keine Pilze mehr an einem Platz zu finden sind, wurde dieser nicht geplündert, sondern es liegt am Alter der Bäume“, weiß Rücker.

Trockenheit und Hitze verändern Pilzbestand in Salzburg

Aktuell gibt es in Salzburg zirka 4.500 Arten. Das könnte sich in den nächsten Jahren allerdings ändern. Denn der Klimawandel macht sich bereits bemerkbar und hat Einfluss auf den Bestand. „Es gibt bereits deutliche Indizien, dass sich was bewegt. Eine Veränderung ist sicher. Aber in welche Richtung es geht, ist schwer zu sagen“, so der Pilzkundler. Er habe jedoch schon beobachtet, dass sich vermehrt wärmeliebende Arten vom Süden her in Salzburg ansiedeln würden. Darunter seien auch Schirmlinge, die unserem Parasol sehr ähneln und extrem giftig sind.

 

Der Klimawandel habe noch einen weiteren Einfluss auf die heimischen Pilzarten. „Die Saison verschiebt sich weiter nach hinten. Leute kommen teilweise bis Ende Oktober zur Pilzberatung“, erzählt Rücker, der diesen Service nun schon seit zwölf Jahren im Haus der Natur anbietet.

Giftig oder Schwammerlgulasch? Nächste Woche startet die Pilzberatung im Haus der Natur in die neue Saison! ???????????? Woran...

Gepostet von Haus der Natur am Dienstag, 12. Juli 2022

Pilzberatung im Haus der Natur

Nach wie vor sei das Interesse an der Beratung ungebrochen. Ab heute kann man seine Fundstücke jeden Montag ins Haus der Natur bringen und vom Experten begutachten lassen. Dabei erklärt er, warum es so wichtig ist, Pilze vor dem Verzehr unbedingt zu kochen. Und natürlich auch, wie man Giftige von Genießbaren unterscheiden kann. „Das Problem ist, dass die Giftigen leider auch sehr gut schmecken.“ Daher kann Pilz-Wissen auch Leben retten.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 15.08.2022 um 11:13 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pilze-wachsen-im-salzburger-innergebirg-am-besten-124412851

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