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103 Jahre alter Senner "hat eine Natur wie Hermann Maier"

Bis zu seinem 100. Lebensjahr hat Johann Foidl-Bernsteiner die Kühe von der Schaunbergalm (1.520 Meter) die eineinhalb Kilometer zum Talschluss ins hintere Mühlbachtal (Pinzgau) getrieben. So weit kann der älteste Senner Salzburgs mit seinen 103 Jahren heute nicht mehr gehen, aber auf seine geliebte Alm, wo er schon 52 Sommer verbracht hat, ist er heuer wieder hinaufgezogen. "Er hat sich nie gehen lassen, und er hat einen starken Lebenswillen", sagt sein 67-jähriger Sohn Hans im APA-Gespräch.

Das Leben des "Alt-Altbauern" vom Schaunberghof unten im Tal in Piesendorf bestand aus Arbeit, die er aber nicht als Last empfand. "Er hat gern gearbeitet, nie gejammert und auch nie gefragt, wann denn endlich Freizeit ist", erzählt Hans über seinen Vater, der sich mit dem Reden etwas schwertut, weil er sehr schlecht hört. Auf seine Gesundheit hat er nicht besonders geachtet. Süßes mag er genauso wie Saures, Scharfes oder Fettes. Der schlanke, zäh wirkende Senner isst gerne Speck, das Fettige vom Schweinsbraten löffelt er noch aus. Ein Schnaps und zwei, drei Gläser Wein runden den Tag ab.

"Eine Natur wie Hermann Maier"

Die robuste Gesundheit vom "Vater", wie er von seiner Familie respektvoll genannt wird, versetzt auch Ärzte in Erstaunen. Wehgetan hat er sich oft: Mit knapp 90 Jahren fiel er von der Tenne durch ein Futterloch auf den Stallboden, doch er stand gleich wieder auf. "Der Doktor sagt, er hat eine Natur wie der Hermann Maier", schildert Hans. Dieser Sturz war noch harmlos verglichen mit dem Blinddarmdurchbruch im Mai 1988, der dem damals 80-Jährigen beinah das Leben gekostet hätte. Zwei Darmverschlüsse folgten, innerhalb von zehn Tagen wurde er dreimal operiert, zwei Monate lag er im Krankenhaus Zell am See. "Die Ärzte haben ihn runderneuert, seitdem ist sein Herzfehler weg", schmunzelt der Altbauer. Der "Vater" wollte unbedingt im gleichen Jahr wieder auf die Alm, im Herbst ging er dann noch für 14 Tage hinauf.

Senner musste Wegen Herzfehler nicht in den Krieg

Der Herzfehler war auch der Grund, warum der am 4. November 1908 geborene Pinzgauer nicht in den Krieg musste. Er arbeitete als "Hirtabua" und Melker, besuchte 1929 die Landwirtschaftsschule in Bruck, heiratete 1939 seine Frau Theresa (sie starb 1985) und hatte mit ihr sechs Kinder. 1974 übergab er den Schaunberghof, der seit dem 17. Jahrhundert besteht, seinem Sohn Hans. Der Biobauernhof wird seit 2008 von Enkel Hannes und seiner Frau Martina bewirtschaftet, die beiden Urenkel Magdalena (7) und Xaver (3) leisten dem Uropa im Sommer auf der Alm oft Gesellschaft. 24 Enkel, von denen zwei bereits gestorben sind, 45 Urenkel und ein Ur-Urenkel zählen zur Nachkommenschaft des Alt-Altbauern. Das Meer hat der Senner noch nie gesehen. Zweimal weilte er in Österreich auf Kur, das war sein ganzer "Urlaub". Seine Welt ist die Alm, die Tiere und die Familie. Zu seinen schönsten Erlebnissen zählt die Geschichte einer Sau, die Anfang der 1970er Jahre zehn Tage lang unter einer Lawine im Talschluss lag. "Vater" erahnte die Stelle, und dort lag sie auch, in einer Schneehöhle, die dem Schwein genug Sauerstoff verschaffte. "Ich hab die Sau durch den Bach raufgestoßen", erzählt er. Seine Augen glänzen vor Freude und Stolz, weil er das Tier lebend bergen konnte. "Zwölfmal hat sie danach noch geworfen und 150 lebendige Ferkeln auf die Welt gebracht."

"Geistig beachtlich fit"

Und wie geht es ihm heute, nach so vielen Jahren auf der Alm? "Gut, es tut nichts weh", lächelt er tapfer und strahlt dabei Zufriedenheit und Lebensfreude aus. Etwas fad ist ihm schon. Kühe Treiben, Butter Machen und Käsen sind ihm zu anstrengend. Die einzige Arbeit, die er noch erledigen kann, ist auf die Zentrifuge in der Milchkammer aufzupassen. Wenn eine Milchkanne voll ist, ruft er seinen Sohn Hans oder Schwiegertochter Vroni. Täglich geht er spazieren, dabei nimmt er seine zwei Gehstöcke oder den Rollator zu Hilfe, täglich spielt er Karten, und zwar "Schnapsen" und "Watten" mit Besuchern oder Hüttenwirtin Vroni. Besonders gern liest er die Zeitung. "Geistig ist er beachtlich fit", sagt Vroni. Für seine Nachfahren wünscht sich der Senner, dass alles so bleibt, wie es ist. "Reich ist nur der Mensch, der gesund und zufrieden ist", lautet das Lebensmotto der Familie. Zu Fuß ist die bewirtschaftete Schaunbergalm in eineinhalb bis zwei Stunden erreichbar. Vier Generationen kümmern sich heuer von Juni bis September um die Gäste und die 23 Kühe, 24 Jungrinder, zehn Kälber und 15 Schweine. Serviert wird eine Jause mit selbst gemachtem Käse und selbst gemachter Butter. Im Land Salzburg gibt es 1.300 Sennerinnen und Senner und 1.800 bewirtschaftete Almen. Dort weiden insgesamt 9.200 Milchkühe, 59.000 Kälber und Jungrinder, 2.700 Pferde und laut Salzburger Alm- und Bergbauernverein maximal 100 Schweine. (APA)
(Quelle: S24)

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