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Einsiedler von Saalfelden beendet erste Saison glücklich

Im Frühling will Stan Vanuytrecht zurückkehren, sich dann aber etwas mehr Bequemlichkeit gönnen. APA/Neumayr
Im Frühling will Stan Vanuytrecht zurückkehren, sich dann aber etwas mehr Bequemlichkeit gönnen.

Der neue Einsiedler von Saalfelden im Salzburger Pinzgau, der 59-jährige Belgier Stan Vanuytrecht, hat seine erste Saison fast hinter sich gebracht und bezeichnet die Zeit als großes Glück. Über den Winter ist die 350 Jahre alte Klause nicht bewohnbar.

Aber im Frühling will Vanuytrecht zurückkehren, sich dann aber etwas mehr Bequemlichkeit gönnen.

Saalfelden: Einsiedler erlebt kaum einsame Tage

Auch morgendliche Kühle hat Stan Vanuytrecht nicht davon abgehalten, jeden Tag auf der Bank vor seiner winzigen Unterkunft zu frühstücken. "Mir war es auch bei fünf Grad nie zu kalt", erzählte er. Dann genoss der gelernte Vermessungstechniker und Diakon den Blick auf das Tal - und die Ruhe vor den vielen Besuchern. Denn der Bewohner der seit 350 Jahren existierenden Einsiedelei am Fels des Palfen erlebte nicht wirklich einsame Tage. Zu groß war das Interesse an dem auch als Seelsorger wirkenden Mann mit weißem Vollbart. "Gerade der erste Monat war sehr anstrengend. Alle Einheimischen wollten mich sprechen", erinnerte sich Vanuytrecht.

Erste Saison neigt sich dem Ende zu

Nach knapp fünf Monaten geht seine erste Saison als Einsiedler langsam zu Ende. Demnächst wird er für ein halbes Jahr wieder in seiner belgischen Heimat für den Erzbischof von Brüssel arbeiten. "Was genau, weiß ich noch nicht", sagte der Pfeifenraucher, der große Ruhe, Gelassenheit und Zuwendung ausstrahlt. Das Verlassen der auf 1.000 Metern gelegenen Einsiedelei im Herbst und Winter war von vorneherein geplant. In der kalten Jahreszeit ist die Klause lawinengefährdet und ein Daueraufenthalt nicht zu verantworten.

"Ich fühle mich wirklich zu Hause"

"Es hat mir sehr gefallen. Ich fühle mich wirklich zu Hause", zog Vanuytrecht eine erste glückliche Bilanz. Der Verzicht auf jeglichen Luxus sei ihm ganz leicht gefallen. "Ich habe absolut gar nichts vermisst." Das stets kalte Wasser kommt aus einem Kanister, Licht spenden Öllampen und Kerzen.

Mehr Komfort in der nächsten Saison

Das nur etwa 25 Quadratmeter kleine, direkt an den Fels gebaute feuchte Häuschen will er im nächsten Jahr aber doch etwas komfortabler ausstatten. Ein Gasherd solle dafür sorgen, dass er nicht bei sommerlicher Hitze auch noch schweißtreibend den Ofen zum Kochen einheizen muss. "Das ist bei solchen Temperaturen nicht angenehm." Ein zweiter großer Kanister soll ihm das Duschen auch dort oben möglich machen. Eine zweite kleine Fotovoltaikanlage soll für Energie für einige LED-Lampen sorgen. "Ich muss nicht wie ein Einsiedler vor 350 Jahren leben. Ein extrem spartanisches Leben verbessert mein Gebet nicht", meinte der 59-Jährige.

Einsiedler führt intensive Gespräche

Zu den besonderen Momenten zählten aus seiner Sicht die vielen intensiven Gespräche mit Menschen, die teils auch aus Bayern angereist waren, um mit ihm ihre Probleme zu besprechen. "Der Vorteil ist, dass ich ein Fremder bin. Die Menschen reden dann leichter", meinte Vanuytrecht, der früher auch als Seelsorger im Gefängnis und in der Psychiatrie gearbeitet hat. "Ich höre zu und wenn ich kann, gebe ich Rat." Viele seien voller Dankbarkeit gewesen.

"Ich habe keinen Fernseher, aber ich sehe in die Ferne"

Abends sei rund um die Einsiedelei die von ihm so geliebte Stille und Einsamkeit eingezogen. Dann sei sein Platz wieder auf der Aussichtsbank gewesen. "Ich habe keinen Fernseher, aber ich sehe in die Ferne", sagte er zufrieden und freut sich auf die Rückkehr im nächsten Frühjahr.

Einsiedelei in Saalfelden noch von Eremiten bewohnt

Die Einsiedelei in Saalfelden ist eine der wenigen in Mitteleuropa, die noch von Eremiten bewohnt wird. Die natürliche Felshöhle oberhalb von Schloss Lichtenberg war im 17. Jahrhundert zu einer Kapelle ausgebaut worden. Als Unterkunft errichtete der damalige Einsiedler Thomas Pichler eine Klause im Fels. Auch heute leben die Einsiedler dort karg und einfach. Nachdem im Herbst des Vorjahres der Wiener Pfarrer und Psychotherapeut Thomas Fieglmüller nach einem Jahr als Einsiedler wieder in sein bürgerliches Leben zurückgekehrt war, folgte heuer im Mai Stan Vanuytrecht.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 08.12.2019 um 06:19 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/einsiedler-von-saalfelden-beendet-erste-saison-gluecklich-56990485

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