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Jodeltrainer Thomas Reitsamer im Sonntags-Talk: "Das mit der Jodelschule war eigentlich ein Gag"

Der Pinzgauer Thomas Reitsamer hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Jodeln wieder modern zu machen. Mit seiner Jodelschule ist er in Europa und der ganzen Welt unterwegs, seine "Schüler" kommen von allen Kontinenten angereist. Im Sonntags-Talk erzählt der Musiker, Entertainer und Besitzer einer Musikmanagementfirma, was ihm am Jodeln gefällt, warum Heimatverbundenheit wieder im Trend liegt und warum Andreas Gabalier einen Jodelkurs buchen sollte.

SALZBURG24: Thomas, wie bist du Jodeltrainer geworden, hast du deine Leidenschaft zum Beruf gemacht?

THOMAS REITSAMER: Ich habe zuvor schon Titel mit Jodlern gesungen. Da habe ich gemerkt, dass mir das liegt. Das ist auch eine anatomische Sache, nicht jeder besitzt den "Schnaggler": Der entsteht wenn man von der Bruststimme in die Kopfstimme wechselt. Als kleiner Bub war ich bei der Bürgermusik. Da spielst du auch Märsche, bei denen gejodelt wird. Aber diese Jodler hat nie jemand gesungen, außer ein älterer Bauer, der hat öfter reingejodelt. Und da habe ich mich dann angeschlossen und das hat mir gefallen.

Erzähl doch bitte kurz, wie das Jodeln überhaupt entstanden ist.

Das Jodeln existiert schon seit dem Urknall. Es ist eine wortlose Sprache. Das ist wie der Piepston bei Whatsapp oder Facebook: Da weißt du beim Geräusch auch gleich, worum es sich handelt. Und früher hat man sich Codes ausgemacht, mit denen man sich über weite Distanzen verständigte. In vielen Ländern. In der Schweiz und in Österreich ist das in die Folklore-Musik eingeflossen und die Tradition erhalten geblieben.

Das Jodeln, das hast du bereits erklärt, gibt es im Alpenraum seit Ewigkeiten. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass nur mehr wenige Leute über das Jodeln Bescheid wissen oder selbst jodeln?

Wir wissen, was den Markt regiert. Die Menschheit entwickelt sich weiter, das war ganz früher und da kommt immer wieder was Neues.

Würdest du sagen, dass das Jodeln derzeit wieder einen Aufschwung erlebt?

Auf jeden Fall. Die Leute sind alle so begeistert, wenn sie einen Jodler hören. In der Früh gehe ich oft raus auf meinen Balkon. Und wenn ich jodle, jodelt mir sicher irgendein Bauer zurück. Oder es gehen Schulkinder vorbei, die lachen und auf einmal ist eine Kommunikation da.

Und woran liegt es, dass das die Menschen wieder mitreißt?

An mir, ganz klar (grinst). Und an Andreas Gabalier, weil er in seine Lieder auch Jodler einbaut. Der sollte einmal einen Jodelkurs bei mir machen. Dringendst (lacht), weil "holiholiholiholieh" das ist kein richtiges Jodeln.

Liegt Heimatverbundenheit generell im Trend?

Ja, diese Verbindung ist wieder da und Jodeln passt perfekt dazu. Die Leute wollen auf die Alm, weil sie so gestresst sind. Und was gehört da dazu? Kühe, Käse, Kaiserschmarren und Jodeln.

Welche Bedeutung hat Jodeln für dich ganz persönlich?

Ich mag einfach Musik. Es gibt Jodler, die halte ich im Kopf nicht aus. Aber es gibt auch extrem schöne, wie den Juchitzer von der Zabine, das ist eine Weltscheibe. Das Jodeln ist einfach etwas schönes, das tut gut.

Jodelst du auch bei dir zuhause oder nur rein beruflich?

24 Stunden, jeden Tag (lacht). Nein, Schmäh. Also mein Papa ist zwar Musiker und macht ländliche Musik, aber bei mir daheim wird nicht gejodelt. Bei mir herrscht das Konzert der Stille, weil ich eh jeden Tag so viel Entertainment und Trubel habe.

Ich habe mir aber im Alltag auch schon mit Jodeln weitergeholfen. Voriges Jahr war ein Kollege von mir da, aus Amerika. Weil ich keine Zeit hatte, habe ich ihn rauf auf eine Alm geschickt. Beim Runtergehen ist er vom Weg abgekommen. Die Handyverbindung war nicht gut, er hat mir noch seinen Standpunkt geschickt. In den Bergen ist der aber oft ungenau. Ich bin dann raufgefahren, habe ihn aber nicht gefunden und dann gesagt: "Weißt du was, ich jodel jetzt. Schau mal, ob du das hörst."Er hat dann zurückgejodelt und so haben wir uns schließlich gefunden.

Das mach ich auf Englisch, Spanisch, Deutsch oder Mundart. Ich frage immer in die Runde, wie viel Dialekt sie wollen: Null, 50 oder 100 Prozent. Ich habe aber manchmal so viele deutsche Gäste, dass ich das Hochdeutsch nicht mehr losbekomme. Ein Teilnehmer meinte mal zu mir: "Jetzt machen die Deutschen auch schon Jodelkurse in Österreich."

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Thomas. Jetzt habe ich noch ein paar Entweder-Oder-Fragen an dich:

Strand oder Berge? Eigentlich ist mir der Strand lieber als der Berg.

Spontan oder Durchgeplant? Extrem spontan.

Frühaufsteher oder Langschläfer? Ich wache einfach auf, wenn ich die Augen aufmache.

Lederhose oder Anzug? Lederhose.

Imbiss oder Sternerestaurant? Sternerestaurant.

Lieblingsjodler? Erzherzog Johann Jodler.

Der beste Platz in Salzburg zum Jodeln? Uttendorf.

Der ungewöhnlichste Ort, an dem du bis jetzt gejodelt hast? Mexiko.

 

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 18.06.2019 um 04:37 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/jodeltrainer-thomas-reitsamer-im-sonntags-talk-das-mit-der-jodelschule-war-eigentlich-ein-gag-56813947

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