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Prozess gegen Ärztin wegen unterlassener Hilfeleistung vertagt

Der Prozess am Salzburger Landesgericht, gegen die 53-jährige Ärztin, der unterlassene Hiflestellung nachgesagt wird, wurde nun vertagt.

Eine 53-jährige Ärztin aus dem Salzburger Pinzgau ist am Donnerstag, wegen unterlassener Hilfeleistung und Untreue vor einem Strafrichter am Landesgericht Salzburg gestanden. Ihr wurde vorgeworfen, sie habe am 12. August 2009 einem bewusstlosen, drogenabhängigen Mann vor einer Müllsammelstelle in Zell am See nicht die erforderliche Hilfe geleistet. Zudem soll sie von März 2008 bis Juni 2010 für drei Patienten widerrechtlich gebührenbefreite Rezepte ausgestellt haben. Die Ärztin beteuerte ihre Unschuld.

?Doch ausgestiegen?

Die Angeklagte ist laut Strafantrag bei der Müllsammelstelle nicht einmal aus ihrem Wagen gestiegen. Sie hätte lediglich zu einer der beiden Personen, die neben dem offenbar Bewusstlosen standen, gesagt, der Mann gehöre sowieso in ein Krankenhaus. Dann sei sie weitergefahren. Doch die Ärztin erklärte Richter Manfred Seiss, dass sie sehr wohl ausgestiegen war. "Der Mann lehnte an einer Wand. Ich habe seinen Puls gefühlt und ihm in die Augen gesehen." Nachdem sie sich vergewissert habe, dass er noch atmet, und die umstehenden Leute ihre Frage, ob der Notarzt und die Rettung schon verständigt sei, bejaht hätten, fuhr sie weiter. "Ich hatte keinen Arztkoffer dabei, weil ich privat von Salzburg zu meiner Ordination nach Mittersill gefahren bin." Von dort habe sie im Schockraum des KrankenhausesZell am See angerufen. "Eine Schwester hat gesagt, ihm geht es gut. Es ist alles in Ordnung."

Ein 40-jähriger Pinzgauer bezeugte, die Ärztin sei sehr wohl aus dem Wagen gestiegen. "Sie hat ihn angeschaut." Und es sei ihr auch erklärt worden, dass die Rettung schon unterwegs ist. Auf die Frage von Staatsanwalt Mathias Haidinger, ob sie eine Morphinintoxikation vermutet habe, antwortete die Angeklagte: "Er hat nach Alkohol gerochen und war benommen. Einen lebensbedrohenden Zustand habe ich nicht gesehen." Zu diesem Zeitpunkt habe sie den Eintritt einer Atemdepression ausgeschlossen.

Weitere Vorwürfe gegen die Ärztin

Jener 40-jährige Zeuge scheint im Strafantrag auch als einer von den drei Patienten auf, denen die Ärztin offenbar zu Unrecht gebührenbefreite Rezepte ausgestellt hatte. "Für mich war immer klar, dass ich von der Gebühr befreit bin", sagte der Mann, der seit 1996 im Drogenersatzprogramm steht. Die Ärztin habe angenommen, dass alle drei Patienten in dem angeklagten Zeitraum von einer Zahlung der Rezeptgebühren befreit waren, erklärte Verteidiger Franz Essl. Alle drei Patienten seien heute anscheinend wieder von den Gebühren befreit, sagte der Rechtsanwalt.

Dem Staatsanwalt zufolge ist der Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) durch die "Untreuehandlungen" ein Schaden von insgesamt 4.371,36 Euro entstanden. Die Ärztin habe durch Anbringen von jeweils zwei Abdrucken des Vertragsarztstempels auf den Rezepten die Nichteinhebung von Rezeptgebühren bewirkt. Einen Teil der Schadenssumme habe die Ärztin bereits in Raten abgezahlt, einen Teilbetrag habe das Sozialamt im Nachhinein übernommen, erklärte der Verteidiger. Seine Mandantin habe weder vorsätzlich gehandelt noch einen persönlichen Vorteil lukriert. Doch der Staatsanwalt entgegnete, die Frau habe die Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen, missbraucht. Und das sei zu bestrafen. "Eine Bereicherung ist dazu nicht notwendig." Der Prozess wurde am Nachmittag zur Einvernahme von Zeugen auf unbestimmte Zeit vertagt. Eine Ordinationshilfe und der Chefarzt der SGKK werden zur Abklärung der Abrechnungsmodalitäten befragt. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 23.07.2019 um 07:19 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/prozess-gegen-aerztin-wegen-unterlassener-hilfeleistung-vertagt-59241526

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