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Horror-Crash in Saalfelden

Schuldsprüche nach folgenschwerem Rennen

Überholmanöver führte zu Unfall

Landesgericht SALZBURG24/Wurzer
Ein illegales Autorennen im Pinzgau wurde bei einem Strafprozess in Salzburg aufgearbeitet (Archivbild).

Der Prozess am Landesgericht Salzburg wegen eines privaten Wettrennens mit zwei PS-starken Autos am 15. Oktober 2017 in Saalfelden (Pinzgau) mit vier Verletzten ist am Dienstagabend mit Schuldsprüchen zu Ende gegangen. Der 23-jährige Erstangeklagte bekam sechs Monate bedingt und eine 2.160 Euro hohe Geldstrafe, der 22-jährige Zweitangeklagte neun Monate teilbedingt, davon drei Monate unbedingt.

Saalfelden am Steinernen Meer

Das Urteil gegen den Erstangeklagten ist bereits rechtskräftig. Im Falle des Zweitangeklagten erbat der Verteidiger drei Tage Bedenkzeit, ebenso der Staatsanwalt. Eine der beiden Mitfahrerinnen, denen falsche Zeugenaussage vorgeworfen war, bekam eine Diversion in Form einer gemeinnützigen Arbeit. Das Verfahren gegen die zweite Frau wurde ausgeschieden.

Verteidiger: "Jugendlicher Leichtsinn"

Kurz vor dem Unfall sollen sich die beiden bosnischen Lenker im Alter von damals 22 und 20 Jahren, die im Pinzgau aufgewachsen sind, bei einer Waschanlage in Saalfelden über ihre erst kürzlich erworbenen Autos der Marke BMW unterhalten haben. Auf der Fahrt von Saalfelden in Richtung Zell am See wurde ihnen die "Freude an schnellen Autos" und ihr "jugendlicher Leichtsinn", wie Rechtsanwalt Franz Essl, Verteidiger des erstangeklagten, mittlerweile 23-jährigen Lenkers erklärte, zum Verhängnis.

Gepostet von Feuerwehr Saalfelden am Montag, 16. Oktober 2017

Mit 230 km/h überholt

Laut Anklage ignorierten beide Lenker die 80 km/h-Beschränkung, stiegen aufs Gas und beschleunigten ihre Pkws auf weit über 100 km/h. Der 23-Jährige missachtete ein Überholverbot, fuhr mit seinem 305 PS starken BMW 435i über eine Sperrlinie, um den Kontrahenten zu überholen. Dem Gutachten des Verkehrsunfallsachverständigen Gerhard Kronreif zufolge beschleunigte er dabei seinen Wagen auf 215 bis 230 km/h. Der andere Lenker soll seinen BMW ebenfalls beschleunigt und eine Geschwindigkeit von 190 km/h erreicht haben.

Auto nach Unfall in Brand

Die Folgen des riskanten Überholmanövers waren tragisch. Das Auto des 23-Jährigen durchstieß eine Leitschiene und krachte gegen den Baum. Danach wurde der Wagen auf die Straße zurückgeschleudert und traf einen entgegenkommenden Pkw eines 30-Jährigen. Das Auto des 23-Jährigen ging sofort in Flammen auf. Ein Nachbar, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, konnte den Brand rasch löschen. Bei dem Aufprall wurde der Motorblock des BMW des 23-Jährigen herausgerissen. Er traf das nachfolgende Auto des mittlerweile 22-jährigen Zweitangeklagten. Alle vier Insassen in dessen Wagen wurden bei dem Unfall leicht verletzt, darunter eine im achten Monat schwangere 22-Jährige.

Der bisher unbescholtene erstangeklagte 23-Jährige wurde lebensgefährlich verletzt. Er erlitt zahlreiche Knochenbrüche, zudem wurden 30 Prozent seiner Körperoberfläche von den Flammen verletzt, teils handelte es sich um Verbrennungen dritten Grades. Auch das Gesicht war davon betroffen. Knapp zwei Monate lang lag er im Koma. "Er ist derzeit zu 70 Prozent als behindert eingestuft. Seine beiden Hände und ein Fuß sind verkrüppelt", schilderte Verteidiger Essl.

Zweitangeklagter: "Kein Rennen"

Auch der Verteidiger des 22-jährigen Zweitangeklagten, Rechtsanwalt Michael Ringl, sprach von "Leichtsinn" im Straßenverkehr. Er sei aber, als der Überholende auf gleicher Höhe mit ihm war, "vom Gas weggegangen", sagte der Zweitangeklagte zu Richter Thomas Tovilo-Moik. Er habe seinen Wagen vor dem Überholmanöver des anderen auch nicht durchgehend beschleunigt. "Für mich war das kein Rennen, wir haben uns ja nicht gegenseitig überholt. Ich hatte meinen Wagen auch immer unter Kontrolle." Warum er so schnell gefahren ist, wisse er nicht. Der Erstangeklagte sei die ganze Zeit mit der Lichthupe hinter ihm her gefahren und bis auf einen Meter Abstand am Heck seines Wagens "gepickt".

Schwangere in Unfallauto

Der Richter verwies auf eine strafrechtliche Verurteilung des Zweitangeklagten vom Februar 2017, als er wegen eines Körperverletzung-Deliktes eine bedingte, einjährige Haftstrafe unter Bestimmung einer Probezeit von drei Jahren erhalten hatte. Acht Monate danach habe er seinen Wagen, in dem noch dazu eine Schwangere saß, auf eine so hohe Geschwindigkeit beschleunigt, hielt ihm der Richter vor. "Das war nicht gescheit", antwortete der Angeklagte.

Die beiden beschuldigten Lenker haben bereits mehrere Verwaltungsstrafen wegen Schnellfahrens kassiert. Ebenfalls angeklagt waren zwei bisher unbescholtene Mitfahrerinnen des Zweitangeklagten, und zwar wegen falscher Zeugenaussage zugunsten des Mannes im Ermittlungsverfahren.

(APA)

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