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Sonntags-Talk

"Die Bäuerinnen wollen involviert sein"

Seminarbäuerin Edith Handl-Herzog über die Rolle der Frau am Hof

Edith Handl-Herzog ist überzeugte Bio-Bäuerin, ihre Kühe erkennen die Bäuerin schon von weitem. Die Pinzgauerin managt den Hof zuhause in Saalfelden und ist engagierte Seminarbäuerin. Im Sonntags-Talk erzählt sie, was die Salzburger Seminarbäuerinnen ausmacht, wie sich das Bild der Landwirtin verändert hat und warum man den Menschen die Landwirtschaft wieder näherbringen muss.

In Salzburg geht am Sonntag die „Woche der Landwirtschaft“ zu Ende. Neun Tage lang haben Salzburgs Bäuerinnen und Bauern ihre Betriebe und Produkte vorgestellt und ihre Stalltüren geöffnet. Auch die 2015 in Salzburg gegründeten Seminarbäuerinnen waren mit dabei.

SALZBURG24: Edith, seit wann bist du bei den Seminarbäuerinnen?

EDITH HANDL-HERZOG: Ich bin jetzt ein Jahr aktiv dabei, im September letzten Jahres habe ich nach der Ausbildung schon meine ersten Kurse gegeben.

Also meldet man sich bei euch nicht einfach an und dann ist man Seminarbäuerin?

Nein, eine Voraussetzung ist freilich, dass man selbst Bäuerin ist. Über das Ländliche Fortbildungsinstitut (LFI, Anm.) macht man dann eine halbjährliche Ausbildung mit verschiedenen Modulen. Das fängt an bei Persönlichkeitsbildung, wie man vor Menschen spricht und wie man Vorträge vorbereitet. Dazu gehören auch die verschiedenen Koch- und Backkurse.

Das Basiswissen bekommt man in der Ausbildung, den Rest muss man sich selbst erarbeiten. Vorgegeben ist nur, dass wir zwei Kurse pro Jahr über das LFI geben, damit wir als aktive Seminarbäuerinnen gelten. Es sind aber nicht nur Brot- und Backkurse, sondern beispielsweise auch Einsätze bei Messen.

Das Selbstgemachte steht bei euch im Vordergrund. Was ist die Botschaft der Seminarbäuerinnen?

Wir sind dazu da, den nicht-bäuerlichen Teil der Bevölkerung anzusprechen und ihnen die Landwirtschaft wieder näher zu bringen. Dass es wichtig ist, was man kauft und wo man es kauft. Und, dass man saisonal einkauft. Ich muss im Dezember keine Tomate essen, es gibt Rotkraut, es gibt Vogerlsalat. Das ist regional und nahrhafter. Denn was bei uns wächst, hat die Vitamine, die der Körper in der jeweiligen Jahreszeit braucht.

Beim Brot geht der Trend auch wieder in Richtung Ursprünglichkeit. Die Backshops waren am Anfang klass, weil es nach frischem Brot riecht. Mittlerweile vertragen viele die Zusatzstoffe aber nicht mehr so gut, die es braucht, damit ein kleines Semmerl in der kurzen Backzeit so groß wird. Gewisse Dinge muss die Lebensmittelindustrie gar nicht deklarieren, weil zuerst Grenzwerte überschritten werden müssen. Was wirklich drinnen ist, wissen wir nur, wenn wir es selbst machen.

Erhaltet ihr damit auch das alte Koch- und Backwissen der Salzburger Bäuerinnen?

Auf jeden Fall, es wird weitergegeben und aufgefrischt. Und viele Mütter waren auch früher schon berufstätig, da war keine Zeit dafür, dass die Kinder beim Kochen zuschauen. Bei unseren Kursen wollen wir zeigen, dass Selbstgemachtes nicht kompliziert sein muss.

Gerade für die Kinder ist das ganz wichtig. Wenn sie das im Kindergarten und in der Schule hören, dann kontrollieren sie zuhause den Kühlschrank und weisen ihre Eltern darauf hin. Sie setzen das um und das sind die Konsumenten von morgen.

Salzburg ist stark landwirtschaftlich geprägt. Man sollte meinen, die Menschen wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Haben viele trotzdem den Bezug zur Landwirtschaft verloren?

Die, die nicht von einem Bauern kommen, können sich unter Landwirtschaft nichts vorstellen. Oder unter der Arbeit, die man am Bauernhof machen muss. Das beginnt beim Bild, das die Leute davon haben. Ich bekomme oft zu hören: „Was, du bist Bäuerin? Du schaust ja gar nicht so aus!“ (lacht).

Deshalb ist es wichtig, das nach außen zu transportieren, damit die Arbeit auch wieder geschätzt wird. Viele sehen nur, was der Bauer hat: Der fährt einen Riesentraktor – alles subventioniert mit dem Geld aus Brüssel. Aber, dass der Bauer 52 Wochen im Jahr daheim sein muss, weil er einen Stall voller Tiere und damit auch viel Verantwortung hat, dass die Bauern tagtäglich ihren Beitrag leisten, damit wir etwas zu Essen haben: Das sehen viele nicht.

Haben wir in der Gesellschaft ein falsches Bild vom Dasein als Bäuerin und Bauer?

Falsch würde ich nicht sagen, aber es ist nicht die Idylle, die wir aus der Werbung kennen. Wenn heutzutage ein Bauer und seine Frau einen Vollzeitarbeitsplatz haben – also von der Landwirtschaft allein leben wollen, dann müssen die richtig reinbeißen. Das ist wirklich schwierig geworden.

Du bist selbst hauptberuflich Bäuerin, dein Mann ist selbstständig und arbeitet auch außerhalb des Hofs. Hat sich das Selbstverständnis der Bäuerinnen in den letzten Jahren verändert?

Ja. Geändert hat es sich von dem her, dass die meisten Bäuerinnen heutzutage aus einem anderen Beruf kommen, sich in einen Bauern verlieben und die Landwirtschaft quasi in Kauf nehmen. Weil sie schon mit beiden Beinen im Berufsleben gestanden sind, sind sie viel selbstbewusster und bringen sich ganz anders ein in einem Betrieb. Früher sind sie oft selbst von einem Bauernhof gekommen und haben sich nichts sagen getraut. Sie haben sich eingefügt und mitgearbeitet.

Ich gehe jeden Tag in den Stall mit meinem Mann, auch die Frauen in meinem Umfeld machen das so. Wir wollen involviert sein. Oft ist das aber noch reine Männerarbeit. Ich aber glaube, es funktioniert nur, wenn auch die Frauen mittendrin sind.

Und mit den Seminarbäuerinnen haben sich die Frauen eine zusätzliche Plattform geschaffen?

Ja genau. Wir sind derzeit 20 aktive Seminarbäuerinnen und obwohl wir uns nicht so oft sehen, sind wir gut vernetzt und haben einen super Zusammenhalt. Jede kommt aus einem anderen Betrieb, jede bringt etwas anderes ein. Es erweitert den Horizont, es ist ein Erfahrungsaustausch und das ist bereichernd.

Liebe Edith, vielen Dank für das Gespräch!

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

(Quelle: SALZBURG24)

Schnelles Dinkel-Vollkornbrot

Seminarbäuerin Edith Handl-Herzog SALZBURG24/privat

Brot backen muss nicht kompliziert sein: Das ist die Botschaft der Seminarbäuerinnen. Mit diesen Zutaten zaubert ihr zuhause in kurzer Zeit ein frisches, würziges Brot.

Zutaten

  • 500 Gramm Dinkelvollkornmehl
  • 20 Gramm frischen Germ
  • eine Prise Zucker
  • 250 Milliliter Buttermilch
  • 250 Milliliter lauwarmes Wasser
  • 15 Gramm Brotgewürz (Anis, Fenchel, Koriander)
  • 15 Gramm Salz

Und so geht's:

Das Mehl in eine Schüssel geben, in der Mitte eine Mulde machen. Germ und Zucker hineingeben und mit einigen Löffeln warmem Wasser einen Teig rühren. Dann etwa zehn Minuten stehen lassen. Danach Gewürze, Salz und das lauwarme Wasser-Buttermilch-Gemisch hinzugeben. Verrühren, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Den Teig in eine Kastenform füllen, er sollte dabei weich sein und in den kalten Ofen schieben. Erst dann auf 220 Grad einschalten und nach 15 Minuten die Hitze auf 180 Grad reduzieren. Etwa 45 Minuten fertig backen und genießen!

Aufgerufen am 25.05.2019 um 06:59 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/seminarbaeuerin-edith-handl-herzog-die-baeuerinnen-wollen-involviert-sein-69694483

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