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"Wahrsagerin" lockt Pinzgauerin 24.000 Euro heraus: Haftstrafe

Rund 24.000 Euro ergaunerte sich die vermeintliche Wahrsagerin. Bilderbox
Rund 24.000 Euro ergaunerte sich die vermeintliche Wahrsagerin.

Eine 29-jährige "Wahrsagerin" ist am Donnerstag, am Landesgericht Salzburg wegen gewerbsmäßig schweren Betruges zu 18 Monaten teilbedingter Haft, davon sechs Monate unbedingt, verurteilt worden.

Die geständige Mutter von vier Kindern hat sich die seelische Notlage und Leichtgläubigkeit einer Musiklehrerin zunutze gemacht: Sie lockte der Pinzgauerin im März nach okkulten Ritualen unter dem Vorwand, ihr Geld sei verflucht, 24.000 Euro heraus. Der Versuch der Serbin, dem Opfer noch 147.000 Euro aus einem Erbe herauszuziehen, scheiterte, weil die Lehrerin doch misstrauisch geworden war. Das Urteil ist rechtskräftig.

Frau gab sich als Wahrsagerin aus

Die in Wien lebende Serbin hatte die 45-jährige Lehrerin, die eine Scheidung hinter sich hatte, am 12. März vor einem Drogeriemarkt im Pinzgau angesprochen und ihr aus der Hand gelesen. "Sie sagte, dass ich Probleme hätte, es sei aber trotzdem erstaunlich, dass ich so offen bin", schilderte das Opfer beim Prozess. Die Lehrerin schöpfte Vertrauen. Sie ließ die Unbekannte in ihre Wohnung, wo sich die "Wahrsagerin" über die Lebenssituation und Geldlage der Frau informierte und nach einem spirituellen Ritual mit Wasserschale, Kerze, Faden und Zündhölzern zu dem Ergebnis kam: "Das Geld aus der Erbschaft und der Scheidung ist verflucht. Es ist wichtig, dass es vernichtet wird, damit mir und meinem Sohn nichts passiert", erzählte die Lehrerin.

Teufelsaustreibung um 14.000 Euro

Tatsächlich hob die Pinzgauerin noch am selben Tag 10.000 Euro ab und gab der Betrügerin die Scheine in die Hand. Wenige Tage überreichte sie ihr nach einer "Teufelsaustreibung" weitere 14.000 Euro. "Es war damals so wie ein Rettungsanker für mich. Sie sagte, es sei schlimmer als sie ursprünglich gedacht hätte", sagte die Lehrerin zum vorsitzenden Richter des Schöffensenates, Manfred Seiss.

Als die Serbin erfuhr, dass die Pinzgauerin ihre Firmpatin eingeweiht hatte, setzte sie ihr Opfer unter Druck. Sie meinte, das ganze Geld, auch jene 147.000 Euro aus dem Erbe, sei verflucht und müsse vernichtet werden. Dass die Lehrerin die 147.000 Euro schon verbraucht hat, mache nichts, sie solle einen Kredit aufnehmen. Die Firmpartin stellte sich aber nicht als Bürgin zur Verfügung. Daraufhin recherchierte die Lehrerin das Thema Sekten im Internet, wurde misstrauisch und ging zur Polizei. Die Serbin, die noch Engel über die weitere Vorgangsweise befragt hatte, wurde im Juni in Kufstein festgenommen. "Ich hatte das Gefühl, dass meine seelische Situation ausgenutzt wurde. Das wird mir nie mehr passieren", erklärte die Lehrerin bei dem Prozess.

Wahrsagerin ist geständig

Der Wiener Verteidiger der bisher unbescholtenen Angeklagten, Rudolf Mayer, betonte, dass seine Mandantin voll geständig sei und den gesamten Schaden bereits wiedergutgemacht habe. Die Serbin habe eine Affinität zu spirituellen Handlungen und sei deswegen psychiatrisch betreut worden. Gepaart mit ihrer finanziellen Not sei es zu den Vorfällen gekommen. Bei der Lehrerin habe es sich um einen intellektuellen Menschen gehandelt, "ein Glaube an spirituelle Dinge ist beim Opfer vorhanden gewesen". Richter Seiss erklärte, bei einem Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren sei mit 18 Monaten teilbedingt das richtige Strafmaß gefunden worden. (APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 20.09.2019 um 02:23 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/wahrsagerin-lockt-pinzgauerin-24-000-euro-heraus-haftstrafe-41733166

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