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Hochwasser und Muren

Wie der Klimawandel Feuerwehr-Einsätze verändert

"Schmeißen alles ins Gefecht, was wir haben"

Der Klimawandel sorgt in Salzburg für immer häufigere und auch heftigere Unwetter. Wie die Feuerwehren hier in die Einsätze gehen und wie sehr Schutzbauten noch Wirkung zeigen, das hat uns der Pinzgauer Bezirksfeuerwehrkommandant Klaus Portenkirchner erklärt.

Hollersbach im Pinzgau

Wasser in Keller, verklauste Bäche und Flüsse, dazu Muren, die Straßen verlegen: Unwetter-Einsätze fordern die Feuerwehr viel mehr, als die Kernaufgabe der Brände, bei denen häufig nach Schema vorgegangen wird. Zudem häufen sich die Einsätze, wie Klaus Portenkirchner, Pinzgauer Bezirksfeuerwehrkommandant und SPÖ-Bürgermeister von Dienten (Pinzgau), im Gespräch mit SALZBURG24 am Montag erzählt. "Die Einsätze sind mehr geworden, es passiert das ganze Jahr über."

Klimawandel verschärft Unwetter-Gefahr

Dabei mache sich auch der Klimawandel bemerkbar. Heftige stehende Gewitter würden für punktuelle Ereignisse sorgen, wie es sie zuvor nicht gab. "Es kann aber auch vorkommen, dass gleich drei Unwetter-Zellen zeitversetzt über einen Ort hinwegziehen. Darauf folgt dann wieder wochenlange Trockenheit", weiß der Bezirksfeuerwehrkommandant.

IMG-20220822-WA0001 (1).jpg Klaus Portenkirchner
Klaus Portenkirchner hat als erfahrener Bezirksfeuerwehrkommandant schon unzählige Unwetter-Einsätze koordiniert.

Feuerwehren schon früh hellhörig

Die Einsatzkräfte sind dabei schon früh hellhörig. So werden beispielsweise im Oberpinzgau noch vor dem Ereignis Patrouillenfahrten durchgeführt, um die Situation einschätzen zu können. "Es läuft eigentlich immer gleich ab. Wir bekommen Vorwarnungen und schauen, dass wir die Katastrophenzüge einsatzbereit haben", gibt Portenkirchner Einblick. Im Bundesland Salzburg gibt es 16 Hochwasseranhänger (HWA), die mit Pumpe und Notstromaggregat ausgerüstet sind, vier davon befinden sich im Pinzgau.

 

Einsatzstelle koordiniert Vorgehen

Von einer gemeinsamen Einsatzstelle aus werden die Hochwasser- und Unwetter-Einsätze dann koordiniert. Hier sind unter anderem der Bezirkshauptmann, der Bezirksfeuerwehrkommandant, Polizei, Rettung und andere Einsatzorganisationen vertreten. Zudem besteht Kontakt zu ZAMG und Hydrografischem Dienst, sodass bestmöglich auf eine sich mitunter rasch ändernde Situation reagiert werden kann.

Weitere Floriani stehen bereit

Der Bezirksfeuerwehrkommandant steht im Einsatzstab dabei immer in Kontakt mit dem Landesfeuerwehrkommandanten. Weitere Kräfte können so aus dem ganzen Bundesland zusammengezogen werden. Und sollte selbst das einmal nicht mehr ausreichen, können weitere Feuerwehren aus anderen Bundesländern alarmiert werden. Das Bundesheer kommt immer erst in einer zweiten Welle zum Einsatz.

Kein Personalmangel bei Feuerwehren

Bei einem Unwetter wie Ende Juli in Hollersbach stehen etwa 500 Feuerwehrleute im Einsatz. Personalmängel ergeben sich keine: "Die Leute nehmen sich sogar Urlaub. Mit den Arbeitgebern gibt es hier keine Probleme", freut sich der Bezirksfeuerwehrkommandant. Zudem gebe es in den Gemeinden einen großen Zusammenhalt, auch Freiwillige würden im Falle eines Hochwassers mithelfen.

Unwetter im Oberpinzgau: Hollersbach APA/LAND SALZBURG/FRANZ NEUMAYR
Aufräumarbeiten nach einem heftigen Unwetter in Hollersbach.

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Bezirksalarm musste am Donnerstagabend nach mehreren Murenabgängen und Überflutungen im Pinzgau ausgelöst werden. Hunderte Einsatzkräfte und Freiwillige waren am Freitag mit Aufräumarbeiten …

Bevölkerung besorgt

Grundsätzlich sei eine große Angst vor den Naturgewalten in der Bevölkerung zu erkennen. "Es gibt aber auch ein großes Vertrauen in die Einsatzkräfte", freut sich Portenkirchner. Technisch und baulich seien die Grenzen allerdings weitgehend erreicht. "Die Siedlungen, die mit einem Hochwasserschutz verbaut sind, erwischt es nicht. Andere schon", so der 61-Jährige. Bei Neubauprojekte wird deshalb oftmals der Hochwasserschutz – wie etwa nun beim geplanten Wiederaufbau der Pinzgauer Lokalbahn – mitgedacht.

Sicherheit an oberster Stelle

Für den Bezirksfeuerwehrkommandanten ist bei jedem Einsatz die Sicherheit seiner Floriani von größter Bedeutung. "Seit dem Hochwasser im Jahr 2013 haben wir keine Toten mehr verzeichnet. Das ist ganz wichtig für die Einsatzkräfte", weiß Portenkirchner.

Die einzelnen Abläufe seien ob der häufigen Hochwasser bereits bestens eingespielt. Auch der Umgang mit anderen Einsatzkräften und Dienststellen sei ein freundschaftlicher. "Grundsätzlich wird alles ins Gefecht geschmissen, was wir haben. Aber wenn richtig viel kommt, bringt das auch nichts", weiß der erfahrene Feuerwehrmann. Es wird sich also zeigen, wie lange der vorhandene Hochwasserschutz den Wassermaßen noch gewachsen ist.

(Quelle: SALZBURG24)

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