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Bei verletzlichen Gruppen

"Pandemie verstärkt Benachteiligung"

Plattform für Menschenrechte in Salzburg zieht jährliches Fazit

Menschenrechte Pixabay
Die Benachteiligung verletzlicher Gruppen habe sich im Zuge der Pandemie noch verstärkt, kritisiert die Plattform für Menschenrechte in Salzburg. (SYMBOLBILD)

Die Benachteiligung verletzlicher Gruppen habe sich im Zuge der Pandemie noch verstärkt, kritisiert die Plattform für Menschenrechte in Salzburg. Menschen mit Behinderung seien sozial isoliert worden. Außerdem habe das Distance Learning soziale Ungleichheiten im Bildungsbereich verschärft.

Die Pandemie trifft Menschen unterschiedlich stark und verstärkt die Benachteiligung ohnehin schon verletzlicher Gruppen, hält die Plattform für Menschenrechte in Salzburg im diesjährigen Salzburger Menschenrechtsbericht fest. Als verletzlich gilt eine Gruppe dann, wenn es ihr soziale oder wirtschaftliche Faktoren schwerer machen, auf ihre Menschenrechte zu bestehen. In einer Online-Pressekonferenz stellte die Plattform heute ihren jährlichen Bericht vor.

 

PDF: Menschenrechtsbericht 2021

Für Menschen mit Behinderungen habe die Corona-Pandemie neue Hürden geschaffen, so Christine Dürnfeld, Sprecherin der Plattform für Menschenrechte in Salzburg. Durch das Schließen der Einrichtungen habe sich bei vielen etwa die Tagesstruktur gänzlich verändert. „Das ist nicht mit einem Spaziergang ersetzbar“, meint sie. Freunde zu besuchen sei mit dem Rollstuhl oder anderen Einschränkungen oft nur schwer möglich, die Folge davon: Soziale Isolation. „Viele fühlen sich ausgegrenzt. Die psychische Gesundheit ist hier einfach untergegangen“, kritisiert die Psychologin.

Rollstuhl, Behinderung, SB Bilderbox
(SYMBOLBILD)

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Wechsel ins Digitale mit Hürden

Auch der Wechsel ins Digitale habe die Barriere für Menschen mit Behinderung erhöht. Arbeit und Bildung sei oft nur noch eingeschränkt möglich und zum Teil eine Frage der Finanzierbarkeit, wenn spezielle Technik wie etwa eine Tastatur für Blinde benötigt werde. „Wir sind noch weit hinten, wenn es um Inklusion geht. Vor allem in Krisenzeiten“, so Dürnfeld.

Ungleichheiten im Distance Learning

Im Bildungsbereich seien soziale Ungleichheiten durch das Distance Learning allgemein verstärkt worden. Da nicht allen Kindern in ihrem Zuhause dieselben technischen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, habe man viele auf der Strecke gelassen. Mit dem Verteilen von Geräten sei das Problem außerdem nicht aus der Welt geschaffen, meint Barbara Sieberth, ebenfalls Sprecherin der Plattform für Menschenrechte. Es brauche auch einen Internetzugang und einen ruhigen Ort, um damit am Unterricht teilnehmen zu können.

Kinder- und Jugendarbeit vernachlässigt

Vielen jungen Menschen habe es außerdem in den letzten Monaten an Ansprechpersonen gefehlt. Dass Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe abgezogen wurden, um im Contact-Tracing mitzuhelfen, werde psychische Folgen für die Kinder haben, so Dürnfeld. „Beratungen müssen immer möglich sein, egal wie die Situation gerade ist“, fordert sie. Anstatt Anlaufstellen zu schließen, müsse man die Angebote weiter ausbauen.

 

Struktureller Rassismus

Strukturellen Rassismus gebe es in Salzburg nach wie vor, berichtet Sieberth. Das sehe man etwa an der fehlenden politischen Repräsentanz von Menschen mit Migrationshintergrund. Auch gebe es immer noch Fälle, wo Menschen aufgrund ihrer Ethnie der Zutritt in ein Geschäft verwehrt werde. 62 solche und ähnliche Vorfälle mit rassistischem Verhalten dokumentierte die Anti-Diskriminierungsstelle in der Stadt Salzburg in diesem Jahr. Erlebt man eine solche Situation, könne man sich solidarisch zeigen und das Geschäft ebenfalls verlassen. Bei Beleidigungen helfe es oft auch schon, die Betroffenen einfach in ein Gespräch zu verwickeln. Ist ein Vorfall strafrechtlich relevant, könne man sich als Zeuge anbieten, so die Juristin.

Plattform für Menschenrechte in Salzburg

Die Plattform für Menschenrechte ist ein Zusammenschluss von sozialen und kulturellen Einrichtungen, kirchlichen und politischen Organisationen und Privatpersonen aus Salzburg. Seit 18 Jahren dokumentiert sie strukturelle Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen in Salzburg.

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In diesem Jahr sei vor allem die Entwicklung im Sozialamt der Stadt Salzburg positiv aufgefallen, wo nun verstärkt auf Sozialarbeit gesetzt werde. Auch die 24-Stunden-Betreuung in einem Salzburger Hostel habe, wenn auch zeitlich begrenzt, vielen Menschen geholfen, so Sieberth. "Strukturell sind hier auf jeden Fall Bemühungen da, die Lage zu verbessern."

(Quelle: SALZBURG24)

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