Jetzt Live
Startseite Pongau
Ortschef informiert Bürger

Bürgermeister von Bad Gastein gegen Corona geimpft

Steinbauer: "Keinesfalls vorgedrängt"

Gerhard Steinbauer, Bürgermeister Bad Gastein, ÖVP Neumayr/LEO
Gerhard Steinbauer hat die Bürger noch am selben Tag über seine Corona-Impfung informiert. (ARCHIVBILD)

Auch der Bürgermeister von Bad Gastein (Pongau), Gerhard Steinbauer (ÖVP), hat sich nun gegen Corona impfen lassen. In einem Schreiben auf Facebook hat er die Bürger darüber informiert. Die Debatte um Impfvordrängler unter den Lokalpolitikern ist damit um ein Kapitel reicher.

Bad Gastein

"Das Salzburger Hilfswerk hat als Betreiber des Seniorenheimes bereits vor einigen Wochen eine Impfstrategie entwickelt und eine Prioritätenliste erstellt. Darauf standen neben den Bewohnern und Mitarbeitern auch das Personal vom Betreuten Wohnen, Ärzte und Apotheker und eben auch mein Name", bestätigte der 59-jährige Steinbauer gegenüber der APA. Er sei als Bürgermeister Vertreter des Rechtsträgers des Seniorenheimes. In dieser Eigenschaft sei es auch seine Aufgabe, regelmäßige Besprechungen mit dem Betreiber zu führen. "Keinesfalls habe ich mich für eine Impfung vorgedrängt."

Liebe Bad Gasteinerinnen und Bad Gasteiner! Es freut mich Ihnen mitteilen zu können, dass heute im Seniorenheim die...

Gepostet von Bürgermeister Gerhard Steinbauer am Donnerstag, 21. Januar 2021

In einer Stellungnahme betont das Hilfswerk, dass es sich streng an die Strategie und Vorgaben des Landes hält. "Das Hilfswerk Salzburg hat keine eigene Impfstrategie entwickelt", heißt es in der Aussendung am Nachmittag. Konkret wurde im Dezember der Bedarf an Impfdosen für Seniorenheim-Bewohner/innen sowie Hilfswerk-Mitarbeiter/innen, die im Haus tätig sind, erhoben und bei der Landessanitätsdirektion eingemeldet.

Am 8. Jänner wurde mit den Impfaktionen in den, vom Hilfswerk Salzburg betriebenen, acht Seniorenheimen gestartet. "Bei den Impfaktionen selbst, blieben allerdings Restdosen übrig. Einerseits aufgrund von doch nicht in Anspruch genommenen Impfungen (zB wegen Krankheit), andererseits aufgrund der Erkenntnis, dass einem Fläschchen Covid19-Vaccine von Pfizer-BionTech mehr als fünf Dosen entnommen werden könnten", heißt es.

Wer bei den einzelnen Impfaktionen mit Restdosen geimpft wird, liege dann in der Verantwortung des örtlichen Sprengelarztes. "Mit dem Ziel, alle Impfdosen aufzubrauchen wurden daher auch Personen herangezogen, die regelmäßigen Zugang zum Haus haben, bzw. mancherorts auch Senior/innen aus angrenzenden Einrichtungen wie dem Betreuten Wohnen", so das  Hilfswerk abschließend.

Steinbauer: "Mit gutem Beispiel vorangehen"

"Mit der Impfung ist es mir nun auch endlich wieder möglich, unsere Seniorinnen und Senioren zu besuchen. Und zum Beispiel die in den letzten drei Monaten coronabedingt abgesagten Geburtstagsgratulationen wieder aufzunehmen", erklärte er im Schreiben an die Bürger via Facebook. Und weiter: "Es war mir ein Anliegen mit gutem Beispiel voranzugehen und mit diesem - wohlüberlegten - Schritt Impfverweigerer und Impfskeptiker von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Corona-Impfung zu überzeugen."

Bad Gastein: 164 Menschen für Impfung angemeldet

Insgesamt seien zu den ersten Corona-Impfungen in Bad Gastein heute 163 oder 164 Personen angemeldet gewesen. "Ob alle gekommen sind, weiß ich noch nicht", sagte Steinbauer zur APA. Er halte es aber für richtig, dass er heute geimpft wurde. "Nur weil ein paar Menschen glauben, es wäre ein Skandal, habe ich das nicht zurückgezogen. Ich will für mich sicher keine Ausnahme, aber es wäre auch eine Ausnahme gewesen, als einziger wieder von der Prioritätenliste genommen zu werden. So viel Selbstachtung und Achtung vor dem Amt habe ich."

Zuvor hatte sich etwa schon die Salzburger Stadtpolitikerin Anja Hagenauer (SPÖ) impfen lassen, Diskussionen gab es auch um die Impfung eines Bürgermeisters in Vorarlberg.

(Quelle: APA/SALZBURG24)

Kurz über geimpfte Bürgermeister verärgert

20210118_PD2091.HR.jpg APA/HERBERT NEUBAUER
"Wenn sich jemand vordrängt, ist das moralisch enttäuschend", so Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat absolut kein Verständnis für Bürgermeister, die sich mit "übrig gebliebenen" Corona-Impfstoffen immunisieren ließen, obwohl sie noch nicht an der Reihe gewesen wären.

"Wenn sich jemand vordrängt, ist das moralisch enttäuschend", betonte Kurz in der "Kronen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe). Auch für Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sind die "Drängler" "empörend", im Pressefoyer nach dem Ministerrat forderte er die Länder auf, durchzugreifen.

Impfung: Mehrere Fälle von Dränglern

In Vorarlberg, Tirol, Kärnten, Oberösterreich, Niederösterreich und Wien sind in letzter Zeit Fälle aufgetreten, dass übrig gebliebene Impfstoffe nicht an Heimbewohner, Gesundheitspersonal oder über 80-Jährige verabreicht wurden, sondern an Politiker, Gemeindebedienstete, Angehörige und andere. "Es macht mich wütend und zornig", meinte Kurz dazu unmissverständlich. "Wenn Impfstoffe übrig bleiben, ist es wichtig, sie schnell zu verimpfen. Aber sie müssen für ältere Menschen verwendet werden und nicht für Politiker, deren Ehefrauen oder regionale Promis."

Gesundheitsministerium soll Dokumentation einfordern

Er vertraue darauf, dass jeder Arzt, der die Impfung durchführt, "aber vor allem jeder Verantwortliche für die Organisation vor Ort das Gemeinwohl im Blick hat und nicht den eigenen Vorteil", sagte Kurz. Das Gesundheitsministerium werde aber künftig bei der Verimpfung verstärkt eine Dokumentation einfordern, und "im Fall des Missbrauchs jene zur Rechenschaft ziehen, die sich nicht an den Impfplan halten", kündigte der Kanzler an.

Auch Kogler empört

Vizekanzler Kogler äußerte sich im Rahmen des Pressefoyers nach dem Ministerrat zur "Frage der Drängler", wie er es ausdrückte: "Ich finde das erstens empörend und vor allem auch nicht hinnehmbar", ärgerte sich Kogler. Das bedeute, "diese unrühmliche Praxis hat abgestellt zu werden", forderte der Vizekanzler, und zwar von den Landeshauptleuten und den Gesundheitsreferenten. Zuständig seien die Bundesländer, und "meinetwegen müssen die Landeshauptleute auch durchgreifen", befand Kogler. "Das kann so nicht sein", sonst zerstöre man Glaubwürdigkeit - deshalb müsse man alles tun, "dass das abgestellt wird". Er appelliere an die Landeshauptleute, hier einzuwirken - auch, was etwaige Rücktritte von Bürgermeistern betreffe.

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP), der die Pressekonferenz gemeinsam mit Kogler bestritt, zeigte sich ebenfalls "wütend" über die Bürgermeister. "Ehrlicherweise fehlt mir dafür jedes Verständnis", und jeder sollte selbst wissen, was er in so einer Situation zu tun habe, glaubt Blümel.

Aufgerufen am 18.05.2021 um 07:11 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pongau/bad-gastein-buergermeister-gegen-corona-geimpft-98686180

Kommentare

Mehr zum Thema