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Altes Handwerk kehrt zurück

Pongauerin (39) fertigt Schuhe fürs Leben

"Schusterei" in Kleinarl mitten in Corona-Krise eröffnet

25 Köpfe umfasst die Zunft der Maßschuhmacher in Österreich. Die Salzburgerin Bernadette Baldauf aus Kleinarl im Pongau ist eine davon. Mitten in der Corona-Krise hat sie sich selbstständig gemacht – und ihr Konzept funktioniert. Wir haben der 39-Jährigen zum einjährigen Jubiläum einen Besuch in ihrer Werkstatt abgestattet.

Direkt an der Landesstraße zwischen dem Kleinarler Ortszentrum und dem Jägersee ist Bernadettes kleines Reich zu finden. Die Liebe zum Detail ist schon von Weitem zu erkennen. Über der Eingangstür zu ihrer Werkstatt hängt ein Holzschild mit der Aufschrift „Die Schusterei“ – so nennt die 39-Jährige ihr Geschäft nämlich. Die Schrift ist verspielt und verziert ist die Tafel mit einem gezeichneten Schuh samt Handwerkszeug.

Die Begrüßung ist herzlich und zurückhaltend zugleich. Bernadette führt uns gleich in einen Raum hinter der eigentlichen Werkstatt. Wir setzen uns dort an einen gemütlichen Holztisch am Fenster und beginnen zu plaudern.

Die Schusterei SALZBURG24/Köttstorfer/Schuchter
Schuhmacherin Bernadette Baldauf zeigt uns ihre "Schusterei" in Kleinarl.

Pongauerin lernte Handwerk von der Pieke auf

Zehn Jahre lang war Bernadette in Wien, acht davon bei einem Maßschuhhandwerker im ersten Bezirk. „Dort habe ich auch die Liebe zum Handwerk entdeckt und ich hatte das Glück, es von der Pieke auf lernen zu dürfen“, erzählt die Pongauerin. Mit der Meisterprüfung in der Tasche wechselte sie dann in den Kunstbereich zu Theater und Salzburger Festspielen. „Das war schon eine eigene Welt, aber man konnte sich austoben und der Kreativität freien Lauf lassen“, erinnert sich die 39-Jährige zurück.

Die Schusterei SALZBURG24/Köttstorfer/Schuchter
Schuhmacherin Bernadette Baldauf zeigt uns ihre "Schusterei" in Kleinarl.

Von der Theaterwelt zurück nach Kleinarl

Das Bodenständige sei ihr auf Dauer dann doch lieber gewesen, schmunzelt die Schuhmacherin. Nach den Erfahrungen beim Theater wollte Bernadette eigentlich zum Schuhmacher nach Wien zurück. „Doch dann kam Corona“, sagt sie. „Mein früherer Arbeitgeber konnte mich nicht mehr nehmen und ich brauchte eine Alternative.“ Der Entschluss, sich in ihrem Heimatort Kleinarl selbstständig zu machen, sei dann recht schnell gefallen. „Da, wo wir jetzt sind, das gehört meinem Vater, das macht es mir natürlich viel leichter, da ich keine hohen Mietkosten für Werkstatt und Verkaufsraum habe.“

 

Einheimische wollen selbstgemachte Schuhe

Seit gut einem Jahr werkelt, tüftelt, designed und produziert Bernadette Schuhwerk aller Art – von zarten Pumps bis zu robusten Wanderschuhen – in ihrem eigenen Refugium. „Ich bin sehr zufrieden hier“, sagt sie. Und das Geschäft laufe ganz gut, die Auftragslage sei in Ordnung. „Es freut mich sehr, dass auch so viele Einheimische zu mir kommen.“

Ein Schuh braucht 200 Arbeitsschritte

Jeder Schuh, der die Schusterei verlässt, ist einzigartig und mit Liebe gefertigt – davon können auch wir uns in der Werkstatt überzeugen. Bernadette arbeitet noch mit ganz alten Maschinen, die sie entweder von Schuhmachern, die das Handwerk aufgegeben haben, übernommen hat, oder auf der Online-Verkaufsplattform Willhaben ergattert hat. Vom exakten Maßnehmen über die Produktion der Leiste – also des Schuhs in Holzform – bis hin zum Nähen und Kleben benötigt ein Schuh zwischen 150 und 200 Arbeitsschritte – von Hand selbstverständlich. „Für einen Schuh brauche ich etwa 40 Stunden bis er fertig ist“, sagt die 39-Jährige. Das Leder kauft sie von verschiedensten Gerbern aus verschiedensten Ländern, auch aus Italien. „Das Material muss einfach gut sein, sonst wird der ganze Schuh nichts“, sagt sie. „Und zum Glück gibt es in Österreich noch gute Gerber, auch wenn es nicht mehr viele sind.“

Schuhe halten ein Leben lang

Je nach Arbeitsaufwand verlangt Bernadette für ein neues Paar Schuhe zwischen 1.000 und 1.800 Euro. „Handgefertigte Schuhe sind keine Wegwerfware, sie halten und begleiten einen ein Leben lang“, sagt die 39-Jährige, die nicht nur beim Materialkauf auf Nachhaltigkeit setzt. „Ich biete auch einen Reparatur-Service für kaputte Schuhe, Taschen, Gürtel oder andere Lederwaren an.“ Man müsse nicht alles immer gleich wegwerfen. Oft sei der Lieblingsschuh – auch wenn er nur 50 Euro gekostet hat – ganz schnell wieder günstig hergerichtet.

Geduld, Perfektionismus und Liebe

Was ihr an der Arbeit besonders gefällt? „Man muss geduldig sein“, lacht sie. Alles, jeder einzelne Schritt müsse von Anfang an perfekt passen. Denn einen Fehler oder eine Ungenauigkeit im Nachgang auszubessern, sei fast nicht möglich. Und auf die Frage, was einen Schuh zu einem guten Schuh macht, sagt sie: „Er muss einfach bequem sein und je besser er zum Fuß passt, desto bequemer ist er“.

(Quelle: SALZBURG24)

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