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Bursch von Steinen erschlagen

Eisriesenwelt öffnet nach tödlichem Unfall wieder

Neues Schutznetz über Unglücksstelle

Knapp drei Wochen nach dem tödlichen Steinschlag am Zugangsweg zum Eingang der Eisriesenwelt bei Werfen (Pongau) wird die Touristenattraktion am kommenden Samstag wieder ihre Tore offen. Die Betreibergesellschaft hat binnen kürzester Zeit ein fünf Meter hohes und 42 Meter breites Schutznetz über dem Unfallort errichten lassen.

Werfen

Es soll nun für die Sicherheit der Besucher sorgen. "Wir sind ursprünglich von einer klar längeren Sperre ausgegangen", sagte Eisriesenwelt-Geschäftsführer und Miteigentümer Friedrich Oedl am Donnerstag zur APA. "Wir hatten Glück, das die Baufirmen so rasch zu arbeiten beginnen konnten und das benötigte Material vorhanden war. Der Hersteller für die Netze hat uns extra eingeschoben."

Die Kosten des Schutzbauwerkes, das den Abschnitt zwischen den bestehenden Steinschlaggalerien abdeckt, beziffert er mit rund 220.000 Euro.

Felssturz in Simulation nachgebildet

"Das Gelände über dem Weg ist mit einer Drohne exakt vermessen worden", so Oedl. Man habe dann versucht, mit verschiedensten Simulationsrechnungen ein möglichst realistisches Modell des Felssturzes nachzubilden. Darauf aufbauend wurden dann die Sicherungsmaßnahmen geplant. Für die Stützen des Netzes wurden Bohranker bis zu sechs Meter tief im Fels verankert, ein grobes und eine feines Gitter sollen Gesteinsbrocken größeren und kleineren Umfangs abfangen. Die Netze werden heute und morgen gespannt.

Oedl: "Keine Gefahr im Verzug mehr"

"Die Maßnahme ist mit dem Landesgeologen abgestimmt, die Sicherheit am Stand der Technik", erklärte Oedl. "Wir sehen jetzt keine Gefahr im Verzug mehr. Ein Restrisiko bleibt aber immer." Man überlege darum weiter längerfristige Maßnahmen, wie eine Vervollständigung der Lawinengalerie, neue Tunnel oder Halbtunnel.

Die Saison bei der Eishöhle dauert bis zum Nationalfeiertag am 26. Oktober. Weil man heuer auch wegen der Corona-Epidemie erst einen Monat später in die Saison gestartet sei und bei den Führungen die Gruppengröße reduziert wurde, werde man das aktuelle Geschäftsjahr allerdings nicht ohne Verluste abschließen können, sagte Oedl.

Bursch von Fels getroffen

Zu dem tödlichen Unglück war es am späten Vormittag des 12. Juli gekommen. Rund 400 Höhenmeter oberhalb des Einganges zur Eishöhle hatte sich ein etwa ein bis zwei Kubikmeter großer Felsblock wegen der starken Regenfälle am Tag zuvor aus der Wand gelöst. Der Block stürzte in die Tiefe und zersprang in viele kleinere Teile. Dabei wurde der Zubringerweg auf einer Breite von 100 Metern von Steinen getroffen. Der Weg ist dort zwar größtenteils durch die Steinschlaggalerien überdacht, einige Brocken stürzten aber auf den ungeschützten, bisher als sicher gegoltenen Abschnitt.

Dabei wurde ein 14-jähriger Besucher von einem etwa 25 Kilogramm schweren Stein am Oberkörper getroffen und so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Auch ein 19-Jähriger wurde von einem Stein am Bein getroffen und verletzt. Er konnte das Krankenhaus aber nach kurzer Zeit wieder verlassen.

(Quelle: APA)

Steinschlag vor Eisriesenwelt: 14-jähriger Bub tot

Steinschlag Eisriesenwelt Neumayr
Einsatz  nach dem Steinschlag in der Eisriesenwelt mit einem Toten.

Bei der Eisriesenwelt in Werfen (Pongau) ist es heute am späten Vormittag zu einem schweren Unglück gekommen. Ein 14-jähriger Bub ist beim Zustieg zur Eisriesenwelt im Tennengebirge bei Werfen im Pongau durch einen Steinschlag getötet worden. Ein weiterer Jugendlicher wurde schwer verletzt, so die Polizei Salzburg auf SALZBUR24-Anfrage.

Wie die Polizei am Abend in einer Presseaussendung mitteilte, ist ein 14-jähriger Iraker (nicht wie zuvor gemeldet ein 13-Jähriger) bei dem Steinschlag vor der Eisriesenwelt in Werfen getötet worden. Ein 19-jähriger Pongauer erlitt leichtere Verletzungen am Bein und wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus Schwarzach geflogen. Beide Burschen hatten sich zum Zeitpunkt des Steinschlags im ungeschützten Bereich aufgehalten und waren in Begleitung ihrer Eltern unterwegs.

Riesiger Felsblock zerschellt in unzählige Steine

Der ein bis zwei Kubikmeter große Felsblock hatte sich laut aktuellem Ermittlungsstand rund 400 Höhenmeter oberhalb des Einganges zur Eishöhle der Eisriesenwelt gelöst und stürzte in die Tiefe. Dabei zerschellte der Fels in unzählige Teile sodass ein Felssturz bzw. Steinschlag die Folge war. Die Sturzbahn führte auch über den Zubringerweg der Eishöhle, der Steig ist in diesem Bereich aber größtenteils durch Betonverbauten überdacht. Der Steig wurde auf einer Breite von ca. 100 Meter von dem Steinschlag erfasst, zu diesem Zeitpunkt befanden sich ca. 300 Personen in diesem Bereich. 

30 Zentimeter großer Stein trifft 14-Jährigen an Brust

Der 14-Jährige wurde von einem rund 25 Kilo schweren Stein am Brustbereich getroffen, schilderte der Betriebsleiter der Seilbahn, Michael Rieder. Auf diesem Abschnitt ist der Weg sogar mit einer Lawinengalerie verbaut. "Der Stein ist von hoch oben über die Verbauung gefallen und hat den Buben unglücklich getroffen", sagte Rieder. 

Rund 300 Personen aus Eisriesenwelt evakuiert

Nach dem Abtransport des Verletzten und des Verstorbenen wurden die ca. 300 Personen gesichert durch Alpinpolizei und Feuerwehr in Kleingruppen aus dem Gefahrenbereich gebracht, teilt die Polizei mit. Der 14-jährige Bub war Mitglied einer 24-köpfigen Gruppe aus dem Flachgau. Die Angehörigen des Opfers sowie die Teilnehmer dieser Gruppe wurden im Anschluss vom Krisen Intervention Team des Roten Kreuzes versorgt. 

Starker Niederschlag als Ursache für Steinschlag

"Der Felsbrocken lag auf einer mit Erde gefüllten Kluft, der viele Regen gestern machte das Erdreich rutschig, dazu kam Wasserdruck und erst heute am Sonntag löste sich am Vormittag der Block", erklärt Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst.

Zugang bleibt vorerst gesperrt

„Ich habe der Behörde empfohlen, den Weg vorerst zu sperren und die Schutzmaßnahmen zu evaluieren. Erst dann wird man weiter entscheiden können“, so Valentin. „Das haben wir sofort veranlasst. Der Betreiber muss ein Konzept vorlegen, wie die Sicherheit weiter verbessert werden kann“, so Norbert Paßrucker, Katastrophenschutzreferent im Pongau. Besucher der Eisriesenwelt wissen, dass man zuerst mit einer Seilbahn und dann über einen gut ausgebauten Weg zum Eingang der Höhle gelangt. Dieser Weg ist teilweise mit Steinschlaggalerien gesichert.

Die Eisriesenwelt bei Werfen

Die Eisriesenwelt gilt mit einer Gesamtlänge von 42 km als die größte Eishöhle der Welt. Entdeckt wurde sie 1879 durch den Salzburger Naturforscher Anton von Posselt-Czorich. Das Eingangsportal befindet sich in 1. 640 Metern Höhe. Die ersten Führungen in der Eisriesenwelt fanden im Jahre 1920 statt. Heute bringt eine Seilbahn bis zu 2.500 Gäste pro Tag bis in die Nähe des Höhleneingangs (Dr.-Friedrich-Oedl-Haus), im Jahr sind es etwa 150.000 Besucher. 

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