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Fledermaus-Prozess in Salzburg fortgesetzt

Die drei Angeklagten wiesen bislang jegliche Schuld von sich. Neumayr/MMV/Archiv
Die drei Angeklagten wiesen bislang jegliche Schuld von sich.

Im fortgesetzten Prozess am Landesgericht Salzburg um eine Schlägerei vor der Diskothek "Fledermaus" in St. Johann im Pongau am 18. September 2010 mit einem schwerst verletzten 19-jährigen Lehrling haben am Montag gleich vier Zeugen die drei Angeklagten entlastet.

Ein 21-Jähriger beteuerte gar, das Polizei-Protokoll über seine Angaben, wonach der Erstangeklagte namentlich belastet wurde, sei eine "Lüge". Der anonyme Kronzeuge ist allerdings im Wesentlichen bei seinen belasteten Angaben geblieben.

Kronzeuge entlastet Angeklagte

Mit Spannung wurde die Aussage des Kronzeugen "XXX" erwartet, der die türkisch-stämmigen Beschuldigten im Alter 33, 31 und 29 Jahren schon im Ermittlungsverfahren schwer belastet hatte. Er habe gesehen, wie die drei Männer dem Lehrling in Richtung Postgarage (dort soll der 19-Jährige verprügelt worden sein, Anm.) nachgelaufen und ohne ihn zurückgekommen seien. Bei diesen Angaben soll der Kronzeuge heute im Wesentlichen auch gelieben sein. Er wurde zum Schutz seiner Person unter Ausschluss der Öffentlichkeit einvernommen.

Die Angeklagten haben in dem Indizienprozess bisher ihre Unschuld beteuert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sie hätten den Sohn eines Pongauer Gastwirtes nahe der Disco halb tot geprügelt und dann über eine zwei Meter hohe Mauer geworfen. Der Lehrling erlitt mehrere Schädelbrüche, eine Gesichtsfraktur, einen Bruch beider Augenhöhlendächer, eine Perforation des Trommelfelles und eine Verletzung des rechten Sehnerves. Er erblindete auf dem rechten Auge und bezieht jetzt eine Invaliditätspension.

Schlägerei vor Fledermaus: Viele Zeugen

Vor und während des Vorfalls standen ein Dutzend Nachschwärmer und mehrere Taxis vor der Diskothek. Doch keiner will die brutale Schlägerei gesehen haben. Für das Gericht war es offensichtlich schwierig, konkrete Angaben von Zeugen zu erhalten. Schon von Anfang an gestalteten sich die Ermittlungen holprig. Die FPÖ warf der Polizei vor, der Öffentlichkeit die Schlägerei vorenthalten zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren aus Mangel an Beweisen vorübergehend eingestellt. Viele Zeugen hätten aus Angst vor Repressalien nicht den Mut aufgebracht, sich bei der Polizei zu melden, schilderte Staatsanwalt Georg Kasinger am ersten Prozesstag am 23. Jänner 2013.

Ein weiterer, bisheriger Belastungszeuge irritierte das Gericht: Er habe nie vor der Polizei behauptet, dass ihm ein Anrufer erzählt hätte, dass der 31-jährige Erstangeklagte den Lehrling niedergeschlagen und über die Mauer geworfen habe, betonte der 21-Jährige.

Diskussionen auf deutschen "Nazi-Seiten"

"Ich habe vor der Polizei in Schladming gesagt, dass ich gehört habe, was passiert ist. Wie und wer es war, hab ich nicht gesagt. Das ist eine Lüge", erklärte der türkisch-stämmige Zeuge. Wie seien dann die Angaben ins Protokoll gekommen, fragte die Vorsitzende des Schöffensenats, Richterin Gabriele Glatz und konstatierte: "Sie spielen ja eine sonderbare Rolle." Dazu der Zeuge: "Ich habe das Protokoll unterschrieben. Aber ich lese das nicht durch. Ich habe andere Probleme." Er zeigte sich verwundert, dass zwei Polizeiprotokolle vorlagen. Denn er sei nur einmal einvernommen worden, und nicht ein zweites Mal von der Polizei in Salzburg.

Drei weitere Zeugen haben die Beschuldigten ebenfalls nicht belastet. Sie alle hatten eigenen Angaben zufolge nicht beobachtet, wie der Lehrling halb tot verprügelt wurde. Eine Taxifahrerin sagte, sie habe die "Gruppe" im Blickfeld gehabt und nicht gesehen, dass sie sich in Richtung Postgarage wegbewegt hätte. Eine Kellnerin erklärte, sie habe zwar zu dem Zeitpunkt, als das Opfer vor der Schlägerei noch bei der Eingangstür des Lokals stand, ein Taxi wegfahren gesehen, ob die drei Angeklagten darin gesessen seien, wisse sie nicht. Und die ehemalige Lebensgefährtin des 29-jährigen Drittbeklagten zeigte sich überzeugt von der Unschuld ihres Ex-Partners. Er habe zu ihr gesagt, er würde einem Buben so etwas niemals antun, bezeugte die 27-Jährige. Es mache sie traurig, dass über diesen Fall so viel spekuliert und darüber sogar auf "Nazi-Seiten" in Deutschland diskutiert werde.

"Scheiß Ausländer"-Parolen vor Fledermaus

Dem 31-jährigem Dachdecker und dem 33-jährigen Friseur lastet die Staatsanwaltschaft auch noch Körperverletzung und Nötigung angelastet. Sie sollen einem Türsteher mit Prügel gedroht haben, falls er die Polizei rufen würde, und sie sollen außerdem einen Lokalbesucher durch Faustschläge leicht verletzt haben. Die Körperverletzung gestanden sie ein: Der Bursch habe sie mit "Scheiß Ausländer" beschimpft, rechtfertigten sich die beiden. Danach seien sie in einem Taxi weggefahren. Den Lehrling hätten sie jedenfalls nicht verprügelt, beteuerten alle drei Beschuldigten. Auf ihren Kleidungsstücken wurden auch keine Blutspuren des Opfers gefunden.

Am Nachmittag wird noch ein gerichtsmedizinisches Gutachten erörtert. Ein Urteil soll noch heute ergehen. (APA)

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