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Homosexuelle beleidigt? Bad Gasteiner Pfarrer nimmt im S24-Gespräch Stellung

Salzburg24 Bad Gastein, Salzburg, Österreich, Kurort, Thermen, Veranstaltungsort, Tourismus, Health Forum, Fremdenverkehr, Urlaub, Erholung, Schigebiet, Natur, Berge, Blick auf Kirche;
29.03.2004
Foto Franz Neumayr
Salzburg24

Nach der Aufregung um Firmunterlagen beim Pfarrverband Gasteinertal (Pongau) die – laut Medienberichten – „Homosexualität mit Mord gleichsetzten“, wehrt sich der betreffende Pfarrer im SALZBURG24-Interview nun gegen die Anschuldigungen – gleichzeitig räumt er aber auch einen Fehler ein.

In Gasteinertal hängt der Segen schief. Grund dafür sind Unterlagen, die der neue Bad Gasteiner Pfarrer Rainer Hangler für die Vorbereitung seiner 13-jährigen Firmlinge verwendet haben soll. Für einen Aufschrei sorgten dabei die im Katechismus formulierten „himmelschreienden Sünden“:

  1. vorsätzlicher Mord
  2. Sodomie, Pädophilie, homosexuelle Akte
  3. Unterdrückung der Armen
  4. Arbeiter um ihren Lohn bringen

Wie der "derstandard.at" vergangene Woche berichtete, hätten sich daraufhin einige besorgte Eltern der Firmlinge an Bürgermeister Gerhard Steinbauer gewandt, da sie eine schriftliche „De-facto-Gleichstellung von Mord und Homosexualität“ so nicht akzeptierten. Der Bürgermeister schaltete nach Briefen an Erzbischof Franz Lackner und Kardinal Christoph Schönborn (der dazu bis heute schweigt) die Presse ein, die Homosexuellen Initiative (HOSI) Salzburg zeigt sich in einer Aussendung „schockiert über die Unterlagen aus dem Firmunterricht der Pfarre Bad Gastein.“

Hangler: "Das ist akutelle Kirchenlehre"

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Im Interview mit SALZBURG24 weist der Pfarrer die lautgewordenen Vorwürfe gegen ihn – er sei homophob – entschieden zurück. „Ich habe die Firmvorbereitung gestaltet und dabei ging es hauptsächlich um die zehn Gebote Gottes“, so Hangler. Die auf dem Blatt aufgelisteten Sünden, das er den Kindern mitgegeben habe, seien aktuelle Kirchenlehre. Keinesfalls wollte er damit jemanden diskriminieren oder diskreditieren. „Ich wollte in der Vorbereitung die Gebote Gottes mit den Kindern besprechen, wir sind leider nur bis zum fünften Gebot gekommen. Dann ist uns die Zeit ausgegangen. Die Unterlagen habe ich den Kindern dann mitgegeben – ohne die einzelnen Punkt zu besprechen. Dass das ein Fehler war, weiß ich jetzt“, sagt der Pfarrer im S24-Gespräch.

"Würde jedes Menschen unantastbar"

Hangler führt weiter aus: „In der Kirchenlehre unterscheiden wir zwischen homosexuellen Menschen und dem Akt als solchen.“ Während die Würde eines jeden Menschen unantastbar sei, „wird der homosexuelle Akt in der Kirche nicht gutgeheißen.“ Das Papier sei eine Diskussionsanregung gewesen, zu der es leider nicht gekommen sei.

Kritik übt Hangler am Vorgehen des Bad Gasteiner Bürgermeisters Gerhard Steinbauer, der die Sache ins Rollen gebracht habe. „Der Bürgermeister hat nie mit mir gesprochen – bis heute.“ Die Einladung zu einem Gespräch, die er am Samstag im Fernsehen ausgesprochen hätte, gelte nach wie vor, betont der Pfarrer gegenüber S24. „Im gesamten Gasteinertal“ würde der Zuspruch für ihn überwiegen – so der Pfarrer. Auch die Zusendungen an ihn seien überwiegend positiv.

Bad Gasteiner Bürgermeister fordert klare Antwort

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Bürgermeister Gerhard Steinbauer will ein Gespräch mit dem Pfarrer nicht verweigern. "Jedoch nur, wenn es Ziel dieses Gesprächs sein wird, dass wir eine klare Antwort auf die Frage bekommen, ob es noch zeitgemäß ist, Mörder und Homosexuelle in einem Atemzug zu nennen", so Steinbauer im SALZBURG24-Gespräch. Diese Frage sei bislang weder von Seiten des Pfarrers noch von Erzbischof Franz Lackner oder Kardinal Christoph Schönborn beantwortet worden, kritisiert der Bürgermeister. Das Thema sei für ihn nicht nur inhaltlich enttäuschend, vor allem auch dadurch, wie man damit umgehe. Man müsse das alles gesellschaftspolitisch hinterfragen. Einen Kleinkrieg mit Pfarrer Hangler wolle er auf keinen Fall.

HOSI will mit Bad Gasteiner Pfarrer sprechen

Gesprächsbereit erklärt sich die HOSI Salzburg auf SALZBURG24-Anfrage. „Es gab bereits ein Telefongespräch mit Pfarrer Hangler und man wolle jedenfalls nochmals miteinander sprechen“, hieß es Montagvormittag. Fakt sei aber, dass dadurch den Jugendlichen suggeriert wurde, „dass Homosexualität mit Mord gleichzusetzen ist“. Derzeit werde noch geprüft, ob man rechtliche Schritte wegen Verhetzung einbringen könne.

"Papst: Homosexuelle Paare sind keine Familien"

Unabhängig von den Ereignissen in Bad Gastein bringt auch Papst Franziskus mit seinen jüngsten Äußerungen über Homosexualität und Kirche neue Brisanz in die Thematik. So sind für ihn Homosexuelle Paare keine Familien. Die Familie als Ebenbild Gottes seien einzig Mann und Frau, sagte der Papst und schloss damit homosexuelle Paare aus der Definition aus.

Franziskus wirkt liberaler als seine Vorgänger. Er hatte in der Vergangenheit die Kirche dafür kritisiert, sich zu sehr auf Abtreibungs- und Verhütungsdebatten zu konzentrieren, und gesagt, es sei nicht an ihm, über Homosexuelle zu richten. In der Lehre der katholischen Kirche über Sexualität und Familienplanung gab es unter Franziskus aber keine Reformen.

(SALZBURG24)

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