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Umbau zum Mischwald

Wie der Klimawandel Salzburgs Wälder verändert

Heute planen, was in 100 Jahren wächst

Der Klimawandel macht nicht vor Salzburgs Wäldern Halt: Die steigenden Temperaturen sorgen für Trockenheit, bieten damit beste Bedingungen für den Borkenkäfer und sorgen vermehrt für Extrem-Wetterereignisse. Uns hat Forstexperte Hannes Üblagger bei einem Lokalaugenschein im Gasteinertal die Herausforderungen beim Umgang mit dem Klimawandel vor Augen geführt.

Bad Gastein, Bad Hofgastein, Dorfgastein

Die Auswirkungen des Klimawandels sind im Bundesland Salzburg längst spürbar. So wurden alleine in den vergangenen zehn Jahren jährlich rund 13 Millionen Euro in den Ausbau des Hochwasserschutzes investiert – eine direkte Reaktion auf sich verändernde klimatische Bedingungen. Die steigenden Temperaturen bedeuten dabei auch für Salzburgs Wälder zunehmend Stress.

"Die Forstwirtschaft spürt den Einfluss des Klimawandels sehr stark, selbst im Gebirge", gibt Hannes Üblagger von den Österreichischen Bundesforsten im Gespräch mit SALZBURG24 an. So hätten in letzter Zeit Unwetterereignisse wie Stürme und Niederschläge den Baumbestand stark unter Druck gesetzt.

Klimawandel sorgt für zahlreiche Probleme

Heißere Sommer und mildere Winter bringen ein ganzes Bündel von Problemen mit sich. Aufgrund der Trockenheit sinkt der Grundwasserpegel, gewisse Baumarten wurzeln nicht tief genug, um an Wasser heran zu kommen. Zudem bieten die höheren Temperaturen perfekte Bedingungen für die Ausbreitung des Borkenkäfers, dessen natürlicher Feind die Kälte ist. "Hatten wir früher noch eine Generation Borkenkäfer im Jahr, sind es heutzutage zwei bis drei Generationen", weiß Üblagger.

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad sorgt außerdem dafür, dass sich im alpinen Gelände die Baumgrenze um etwa 200 bis 300 Meter nach oben verschiebt. "Früher kam der Borkenkäfer nicht höher als 1.500 Meter Seehöhe, heute findet man ihn in bis zu 1.800 Metern", weist der Wald-Experte auf die Ausbreitung des Schädlings hin.

_K6B0595a.jpg SALZBURG24/Wurzer
Hier ist zu erkennen, was passiert, wenn Borkenkäfer-Befall nicht rasch genug aufgearbeitet wird.

Wald schützt vor Extrem-Wetterereignissen

Doch damit nicht genug. Extremwetterereignisse wie starke Winde sorgen an exponierten Hängen für großflächige Schäden am Baumbestand. Somit geht die Schutzfunktion des Waldes verloren. Üblagger: "Ohne Wald ist der alpine Bereich nur sehr schwer besiedelbar. Wenn es keinen schützenden Wald mehr gibt, rauschen die Hänge ungebremst ins Tal." Hervorgerufen durch starke Niederschläge sorgen Lawinen und Muren dann für große Schäden in den Gemeinden, wie dies erst Anfang Juli im Gasteinertal der Fall war (wir haben berichtet).

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Hier ist zu erkennen, was passiert, wenn Borkenkäfer-Befall nicht rasch genug aufgearbeitet wird.

Umbau des Waldes: Fichte wird zurückgedrängt

Die Österreichischen Bundesforste sind sich des Klimawandels und den damit verbundenen Herausforderungen schon seit etwa 20 Jahren bewusst. Wie Üblagger erzählt, wurde früher in ganz Österreich die ertragreiche Fichte aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit angebaut. Nun versucht man, die einer Monokultur gleichenden Wälder durch andere Baumarten zu ergänzen. "Allerdings hat die Fichte im Gebirge ihren natürlichen Verbreitungsraum, sie ist hier also die Hauptbaumart", erklärt Üblagger. Dennoch soll die Fichte auch hier zurückgedrängt und die Wälder durch Lärchen ergänzt werden.

 

Lärche widerstandsfähiger als Fichte

Anders als die Fichte wurzelt die Lärche nämlich tiefer. Somit kann sie besser mit Trockenheit umgehen. Sie verliert zudem im Spätherbst ihre nadelartigen Blätter, was sie weniger anfällig für Windwürfe macht. "Im Pongau haben wir aktuell einen Fichtenanteil von 80 Prozent. Der wird in Zukunft auf 65 Prozent zurückgehen", sagt Waldexperte Üblagger. Des Weiteren soll der Baum-Mix noch um Zirben und Laubhölzer wie Bergahorn erweitert werden. Künftig wird sich also das Bild von Salzburgs Wäldern verändern.

Jagd kommt bedeutende Rolle zu

Beim Umbau der Wälder rechnen die Österreichischen Bundesforste mit Zeitspannen bis ins Jahr 2050 und 2100. "Eine Fichte, die 30 bis 40 Meter hoch ist, ist zwischen 120 und 200 Jahre alt. Das ist der Zeitraum, in dem sich ein Bestandsleben abspielt", erläutert Üblagger. Damit der Wandel hin zu mehr Artenvielfalt gelingt, kommt der Jagd eine entscheidende Rolle zu: Die jungen Mischbaumarten sind laut Üblagger beim Wild begehrt, damit sie also überhaupt ein gewisses Alter und Größe erreichen können, sei es wichtig, die Wild-Population unter Kontrolle zu halten.

Klimawandel wird teuer

Bei einem Produktionszyklus von rund 120 Jahren muss also bereits jetzt angedacht werden, welche Bäume im Jahr 2100 das Waldbild prägen sollen. Im Jahr 2018 kostete der Klimawandel die Österreichischen Bundesforste aufgrund von Schädlingsbekämpfung sowie höherer Erntekosten rund 23,6 Millionen Euro. Bis 2025 sollen zusätzlich 100 Millionen Euro in den Wald der Zukunft investiert werden.

(Quelle: SALZBURG24)

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