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Krampus-Maskenschnitzer "Astei" Rupert Kreuzer im Sonntags-Talk: „Wer weiß schon, wie der Teufel ausschaut?“

Kreuzer mit einem seiner Werke. SALZBURG24/Gann
Kreuzer mit einem seiner Werke.

Rupert Kreuzer aus Großarl (Pongau) ist gelernter Bildhauer und hat sich seit 35 Jahren dem Schnitzen von Krampusmasken verschrieben. Der 46-Jährige spricht im Sonntags-Talk darüber, wie er es mit der Tradition hält und was er mit Masken macht, die richtig danebengegangen sind.

Wenn Rupert Kreuzer die Tür zu seiner Werkstatt öffnet, kommt einem der Geruch von frisch zerschabtem Zirbenholz entgegen. Kräftig und würzig, wie mitten in einem Nadelwald oder ein guter Zirbenschnaps. Krampusmasken und Holzfiguren säumen die Wände von Kreuzers Werkstatt, wo er seine Tage und vor allem die Abende verbringt. Kunst und Handwerk kommen hier zusammen. Astei, wie Holzer von allen Freunden genannt wird, ist gelernter Bildhauer, nach einer Lehre folgten vier Jahre Bildhauerschule in Südtirol. Neben Werkstatt und Laden hält ihn die Pension beschäftigt, die er mit seiner Familie führt.

Kreuzer hat noch nie in seinem Leben eine SMS geschrieben, von moderner Technik hält er wenig. Wie lange er an einer Maske arbeitet, wie viele er davon jedes Jahr macht? Darauf legt er keinen Wert. Viel wichtiger ist dem Vater dreier Burschen die Tradition und das Erlebnis, das mit dem Krampusbrauch einhergeht.

SALZBURG24: Was bedeutet die Krampustradition für dich und was bleibt heute von ihr?

RUPERT KREUZER: Grundsätzlich glaube ich, dass der Mensch das Vertreiben vom Bösen im Herbst in sich hat. Aber mir würde es besser gefallen, wenn es ursprünglicher wäre, reduziert auf zwei Tage für die Krampusse am 5. und 6. Dezember, dann die Perchten in den Rauhnächten. Wie es der Brauch gewesen ist. Als ich jung war, habe ich das selbst anders gesehen. Die Sachen kosten viel Geld. Ich kann verstehen, dass die Burschen das öfter herzeigen wollen.

Als ich vor ungefähr 30 Jahren angefangen habe, hat man noch den Typen von Krampus gekannt, jede Region hatte von der Maske und vom Fell her einen gewissen Stil. Jetzt ist das alles ein bisschen verschwommen. Dazu gehen die Masken ein wenig in Richtung Horror, mit Blut und so. Der Einfluss von Halloween ist ebenfalls da, ich hoffe, dass es nicht zu sehr amerikanisiert wird. Ein lebendiger Brauch ist gut, aber ich kann damit wenig anfangen.

Das Geheimnisvolle, das Mystische geht ebenfalls ein bisschen verloren. In Großarl hat man zum Beispiel früher jedes Jahr eine neue Maske gehabt. Und keiner hat wissen dürfen, wer welche Maske hat, die wurde vor den anderen versteckt. 

Wobei parallel hat es im Gasteinertal die Tradition gegeben, dass die Masken immer weitergegeben werden. Da ist man stolz, wenn man eine alte Maske hat. Die werden auch heute noch getragen. Und sie haben einen Namen, zum Beispiel der Vogelkopf.

Aber was ist richtig, was ist falsch? In dem einen Tal ist die Tradition so, im anderen ist sie ein bisschen anders.

Krampusse sind ursprünglich ein Einkehrbrauch. Wie lässt sich das mit den Shows und Läufen vereinbaren, die es heute gibt? Hat das mit Tradition noch was zu tun oder ist das eine andere Geschichte?

Ich will nicht sagen, dass eines besser oder schlechter ist. Ich weiß nur, wie es bei uns war und dass der ganze Ablauf im Vergleich dazu teilweise komisch wird. Die Läufe mit den aufgestellten Absperrgittern, wo drei Stunden lang ein paar tausend Kramperl vorbeilaufen, mit noch zehn Leuten dabei, die den Namen der Pass auf der Jacke stehen haben: Das ist wie bei deutschen Karnevalsumzügen, ich finde das hat mit dem Brauch nichts mehr zu tun. Aber wahrscheinlich denkt man ein bisschen anders, wenn man älter wird.

Ich mag es einfach auf das Wesentliche reduziert. Ich gehe zum Beispiel nur mehr am 5. Dezember mit meinen Gruppen. Wir sind nur im Ort unterwegs, alles zu Fuß. Wir fangen um 14 Uhr an und gehen bis 22 Uhr von Haus zu Haus. Wo sie uns haben wollen, lassen sie uns rein, und wo nicht, gehen wir weiter. Am Ende essen wir noch miteinander. Bewusst trinken wir auch keinen Schnaps, damit keiner ungut wird, wir schlagen nicht zu. Das ist das Schöne an diesem Tag, so soll es das geben.

Wie schaut ein richtig traditioneller Großarler Krampus aus?

Unsere Krampusse haben noch mehrere Hörner. Es wird oft gesagt, dass das beim Krampus nicht so gehört aber ich sehe das anders. Bei uns hatte der Krampus, solange ich weiß, immer schon mehrere Hörner. Und wer weiß schon, wie der Teufel ausschaut? Es sollte halt abschreckend sein. Dazu tragen wir lange Schafmäntel. Also grundsätzlich Produkte, die es bei uns im Großarltal gibt – von Ziege, Schaf und Kuh.

Ganz früher sind die Masken großteils nicht von Bildhauern, sondern von den Bauernknechten gemacht worden. Mit der Hacke am Hackstock, eher primitiv. Bei den Farben wurde verwendet, was es auf einem Hof gegeben hat: schwarz mit Russ, weiß mit Kalk und rot mit Blut.

Einer von den Vorreitern unter den Maskenschnitzern ist sicher der Gasteiner Sepp Lang gewesen. Er war ein gelernter Bildhauer, mit ihm ist das ein bisschen in Richtung Kunst gegangen. In den 1940er-Jahren hat er angefangen, menschliche Züge in die Masken zu bringen (wie wir sie heute kennen, Anm.).

Wie bist du zu den Krampusmasken und zum Schnitzen gekommen?

Mein Nachbar hat schon Masken geschnitzt, als ich ein Kind war. Er, der Metzger Hermann, ist jetzt auch ein bekannter Maskenschnitzer. Ich wollte damals eine Maske von ihm kaufen. So eine Holzmaske war immer schon teuer, ich glaube um die 1.000 Schilling (73 Euro, Anm.) hat die damals gekostet. Wir waren sechs Kinder, da ist das nicht gegangen.

Mit zwölf Jahren habe ich mir ein paar Schnitzmesser besorgt, habe das probiert und es ist nicht schlecht geworden. Die erste Maske hat mir gleich einer abgekauft, ein Jahr später habe ich schon zwei oder drei gemacht, das ist auf Anhieb irgendwie gegangen. Da wusste ich, das ist es. Durch die Masken bin ich zur Bildhauerei gekommen. Ich habe eine Bildhauerlehre gemacht und bin später vier Jahre auf eine Bildhauerschule in Südtirol gegangen.

Wie läuft die Arbeit in deiner Werkstatt ab?

Ich habe vorne das Geschäft und arbeite nebenbei in der Werkstatt. Ich bräuchte aber viel mehr Ruhe. Die kreativste Phase kommt erst am Abend, nach dem Essen. Von 19 bis 23 Uhr arbeite ich jeden Tag am intensivsten.

Die Masken arbeite ich großteils direkt aus dem Stamm heraus, schneide ihn mit der Motorsäge grob zu und schnitze dann im Stehen an der Maske. Ich arbeite immer so, dass die Maske auf Augenhöhe ist, wie man sie nachher sieht. Das halte ich für wichtig.

Ich versuche die Masken so zu machen, dass sie zeitlos sind, und dass man sie auch aufhängen kann. Sie sind ausschließlich aus Holz und mit echtem Horn.

"Astei" bearbeitet eine Maske./SALZBURG24/Gann Salzburg24
"Astei" bearbeitet eine Maske./SALZBURG24/Gann

Wie lange sitzt du dann vom Holzblock an bis zur fertigen Maske?

Grundsätzlich darf man bei einem Kunsthandwerk nicht sehen wie lang man daran arbeitet. Man muss eher sehen, wie lange man braucht, bis man eine zusammenbringt, die etwas gleich schaut. Wie bei jeder Arbeit hat man Tage, an denen es leichter von der Hand geht, an anderen läuft es nicht so gut.  

Wenn man das immer wieder macht, wird man auch schneller. Aber um das geht’s ja nicht. Man kriegt die Frage nach der Zeit immer gestellt und ich habe bis heute nicht kapiert, warum das die Leute so interessiert. Wollen sie damit ausrechnen, ob ich etwa zu viel verdiene (lacht).

Deine Masken sind alle aus Zirbenholz geschnitzt. Wo kriegst du das Holz für deine Masken her?

Einer von meinen besten Kumpeln hat eine Holzerntefirma und wenn da eine Zirbe dabei ist die passt, dann weiß er schon wohin damit.

Das Zirbenholz erlebt gerade einen riesengroßen Trend. Dadurch ist es jetzt zehn Mal so teuer wie vor 20 Jahren.

Kommt es vor, dass du dir denkst, „die Maske ist gar nichts gescheites geworden, die schmeiß' ich jetzt weg“?

Das habe ich schon getan, ja. Früher habe ich auch schon welche auseinandergehackt oder irgendwo unten reingeschmissen. Mittlerweile weniger, weil ich draufgekommen bin, dass immer wieder Leute kommen, und die graben genau die raus, und sagen, „genau die ist es“. Jeder sieht es anders. Ich würde auch nie sagen, dass eine Maske von mir besser ist als eine andere. Das muss jeder selbst entscheiden.

Du fühlst dich meines Wissens der Natur sehr verbunden. Wie erholst du dich vom Schnitzen?

Ich versuche jede Woche einen ganzen Tag und einen halben Tag in der Natur zu verbringen. Ich gehe einfach, eine Bergtour zum Beispiel. Ich kann mir die Arbeit selber einteilen. Wenn es am Sonntag schiach ist, dann arbeite ich am Sonntag, und wenn es am Mittwoch bärig ist, dann gehe ich den ganzen Tag.

Du steckst viel Leidenschaft in deinen Beruf. Kannst du dir auch vorstellen, etwas anderes zu tun?

(Überlegt kurz) Senner bin ich schon gewesen, das geht ganz gut. Förster oder Berufsjäger zu sein, wo man viel Zeit im Wald verbringt, das wär’ mir auch recht. Aber Bildhauerei oder Schnitzerei muss schon dabei sein.

Es geht also mit dem Schnitzen weiter?

Ja. Ich wäre froh, wenn meine Burschen den Betrieb bald mal übernehmen. Dann verdrücke ich mich irgendwohin. Ich plane schon meine Werkstatt, wo ich mit nur dem Schnitzen widmen kann. Für diese Arbeit brauchst du deine Ruhe. Das Ergebnis wird dann viel besser.

Ich sage danke für das Gespräch.

Gerne.

In Kreuzers Geschäft gibt es nicht nur Krampusmasken./SALZBURG24/Gann Salzburg24
In Kreuzers Geschäft gibt es nicht nur Krampusmasken./SALZBURG24/Gann

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 03.03.2021 um 01:30 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pongau/krampus-maskenschnitzer-astei-rupert-kreuzer-im-sonntags-talk-wer-weiss-schon-wie-der-teufel-ausschaut-57322417

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