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Mord: 18-jähriger Türke vor Gericht

Ein mutmaßlicher Mord und Mordversuch auf dem Verkaufsplatz eines Gebrauchtwagenhändlers in Bischofshofen (Pongau), der vergangenen September einen vorläufigen Schlussstrich unter einen seit zwei Jahrzehnten schwelenden Streit innerhalb einer türkischstämmigen Familie gezogen hat, beschäftigte am Montag  in Salzburg ein Schwurgericht.

Angeklagt sind ein damals 17-Jähriger, der seinen Großonkel (58) mit einem Messer getötet und dessen Sohn (40) schwer verletzt haben soll, sowie drei Komplizen. Der Prozess ist für vier Tage anberaumt. Das Urteil soll am Freitag ergehen.

Brutaler Mord in Bischofshofen

Die Brutalität, mit der die Bluttat am Abend des 12. September 2011 im Ortsteil Mitterberghütten verübt wurde, hat selbst langjährige Kriminalisten betroffen gemacht. Die Vorgeschichte: Ende der 1980er Jahre hatte der Onkel die Schwester der Mutter des Hauptbeschuldigten auf Druck der Familie geheiratet, obwohl er offenbar in die Mutter des heute 18-Jährigen verliebt war. Die Mutter trennte sich im Jahr 2008 von ihrem Mann. Danach soll der Onkel des Erstangeklagten die Frau wiederholt bedrängt haben, mit ihm eine Beziehung einzugehen, was diese ablehnte. Als der Jugendliche davon kurz vor der Bluttat von seiner Schwester erfuhr, beschloss er laut Anklage, seinen Onkel zu töten.

Mit Küchenmesser auf Opfer eingestochen

Gemeinsam mit vier angeheuerten Komplizen, die die späteren Opfer zum Teil nicht einmal kannten, wollte er die Tat ausführen. Der Bursch soll dann mit einem Küchenmesser auf dem Verkaufsplatz 15 mal auf Onkel und Großonkel eingestochen haben.

Mitangeklagte bestritten Mordabsicht

Staatsanwaltschaft Robert Holzleitner erhob gegen den mittlerweile 18-jährigen Lehrling Anklage wegen Mordes und Mordversuches. Den drei türkischstämmigen Komplizen im Alter von 18 und 19 Jahren wird Beitragstäterschaft vorgeworfen. Gegen den vierten mutmaßlichen Komplizen wird noch wegen versuchter Körperverletzung ermittelt. Die drei mitangeklagten Burschen bestritten eine Tötungsabsicht. Sie gestanden nur eine Körperverletzung ein.

Hauptangeklagter: "In Notwehr gehandelt"

Die Version des Hauptbeschuldigten, er habe in Notwehr gehandelt, ist nach Ansicht des Staatsanwaltes "eindeutig widerlegt". Denn abgesehen von zwei Ohrfeigen, die der Onkel ausgeteilt habe, hätten die beiden Opfer auf dem Parkplatz in Mitterberghütten keine tätliche Gewalt angewendet. Beim ersten Schmerzensschrei des Onkels hätte auch den Komplizen klar sein müssen, dass der damals 17-Jährige eine Waffe einsetzte. "Die drei anderen haben in Kauf genommen, dass sie zum Mordgeschehen beitragen", betonte Holzleitner.

18-Jährige bekannte sich schuldig

Der bisher unbescholtene Erstangeklagte bekannte sich grundsätzlich schuldig, bestritt aber einen Tötungsvorsatz. "Es ging niemals um die Ehre. Ich hatte Angst um meine Mutter. Mir wurde beigebracht, dass ich meine Familie schützen muss", sagte er zur vorsitzenden Richterin Christina Rott. Am Tag der Tat habe ihm seine Mutter hysterisch erzählt, dass sie der Onkel am Telefon bedroht und gemeint habe, sie gehöre doch ihm, warum habe sie sich denn mit einem anderen verlobt, er werde sie umbringen, schilderte der Lehrling. Das Küchenmesser habe er zum Schutz der Schwester nach Mitterberghütten mitgenommen, wo er seinen Onkel zur Rede stellen wollte, erklärte der Hauptbeschuldigte. Der Onkel habe dazu auch beigetragen, dass das Familienleben zerstört worden sei, sagte der Verteidiger des 18-Jährigen, Peter Lechenauer. Der 40-Jährige sei zu der Aussprache mit dem Wissen gegangen, dass etwas passieren könnte. Er habe doch wissen müssen, wie Konflikte in diesem Kulturkreis gelöst würden, so der Anwalt.

"Wollte Onkel auslöschen"

Laut Staatsanwalt Holzleitner hat der Hauptbeschuldigte schon auf der Fahrt zum Tatort den vier mitfahrenden Burschen und seiner ebenfalls im Auto sitzenden Schwester das Messer mit einer Klingenlänge von 19 Zentimeter gezeigt. "Er sagte, er will den Onkel auslöschen, denn seiner Familie gegenüber hat niemand etwas zu sagen", zitierte Holzleitner aus den Polizeiprotokollen. Der zweitangeklagte Komplize, ein Freund des damals 17-Jährigen, habe dann noch einen Stahlrute geholt. Auf dem Parkplatz angekommen, versteckten sich die Komplizen. Der 17-Jährige legte das Messer unter das Auto. "Er hat seinen Onkel angerufen und gesagt, er ist alleine", sagte der Staatsanwalt. Anfangs kam es zwischen der Frau des Onkels und der Schwester des Hauptbeschuldigten zu einer Rangelei. Der 40-Jährige habe dann dem Mädchen und dem 17-Jährigen eine Ohrfeige gegeben. Doch der Bursch habe da schon das Messer in der Hand gehabt, so Holzleitner. "Er verpasste seinem Onkel acht wuchtige Messerstiche." Als der viertangeklagte Cousin des 17-Jährigen den Vater des Onkels bedroht habe, sei der Hauptbeschuldigte mit dem Messer auf den 58-Jährigen gestürzt. "Er versetzte ihm sieben wuchtige Stiche", sagte der Staatsanwalt. Genau in dem Moment, als der Mann zusammenbrach, habe noch der Freund des Messerstechers mit der Stahlrute ausgeholt und ihn am Kopf getroffen. Der Großonkel starb noch am Tatort. Dem schwer verletzten Onkel gelang es, mit dem Auto zu flüchten. Zuvor hatte ihm der Drittangeklagte noch ein Bein gestellt. Sein Leben wurde durch eine Notoperation gerettet.

Keine Erinnerung an Tathergang

An den Tathergang selbst konnte sich der Hauptbeschuldigte nicht mehr erinnern. Er erzählte, dass vor der Bluttat der Onkel seine Schwester auf dem Parkplatz niedergeschlagen und der Großonkel sie mit den Füßen getreten habe. Dann habe der Onkel ihn niedergeschlagen. "Da bin ich hingefallen. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr, was ich tue. Es war, wie wenn ich in die Luft stechen würde." (APA)

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(Quelle: S24)

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