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Nach Mord in Bischofshofen: Prozess

Ein Mord und Mordversuch, der im September 2011 durch einen 17-Jährigen in Bischofshofen verübt worden sein soll, beschäftigt ab Montag in Salzburg ein Schwurgericht.

Ein Mord und Mordversuch auf dem Verkaufsplatz eines Gebrauchtwagenhändlers im Salzburger Pongau, der im September des Vorjahres einen vorläufigen Schlussstrich unter einen seit zwei Jahrzehnten schwelenden Streit innerhalb einer türkischstämmigen Familie gezogen hat, beschäftigt ab kommendem Montag in Salzburg ein Schwurgericht. Angeklagt sind ein damals 17-Jähriger, der seinen Großonkel mit einem Messer getötet und dessen Sohn schwer verletzt haben soll, sowie drei Komplizen. Der Prozess ist für vier Tage anberaumt.

Familienstreit endet in Mord

Die Brutalität, mit der die Bluttat am Abend des 12. September 2011 im Bischofshofener Ortsteil Mitterberghütten verübt wurde, hat selbst langjährige Kriminalisten betroffen gemacht. Hintergrund dürfte die seit rund 20 Jahren andauernde Familienfehde gewesen sein. Diese spitzte sich zu, als der Onkel des Erstangeklagten dessen verheiratete Mutter wiederholt bedrängte, mit ihm eine Beziehung einzugehen, was diese ablehnte.

Struber: „Gewaltbereitschaft und Brutalität enorm“

Als der Jugendliche - er ist inzwischen 18 Jahre alt - davon erfuhr, beschloss er laut Anklage, seinen Onkel zu töten. Gemeinsam mit vier Komplizen, die die späteren Opfer zum Teil nicht einmal kannten, sollte die Tat ausgeführt werden: "Was mich besonders erschüttert, ist, dass sich Jugendliche anheuern lassen, die sich gar nicht kennen. Die Gewaltbereitschaft und Brutalität ist enorm", war Albert Struber, der Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, damals nach der Klärung des Falles sichtlich erschüttert.

17-Jähriger stach auf Großonkel mit Küchenmesser ein

Der 17-Jährige bestellte seinen Onkel zum Verkaufsplatz des Autohändlers zu einer Aussprache. Unter einem Wagen soll er bereits ein Küchenmesser versteckt haben. Dort entwickelte sich rasch ein Handgemenge, bei dem der Neffe auf seinen 39-jährigen Onkel und dessen 58-jährigen Vater eingestochen haben soll. Der Ältere starb noch am Tatort, der Jüngere überlebte nach einer Notoperation. Insgesamt soll der Neffe laut Anklage mindestens 15 Mal zugestochen haben. Mitangeklagt wegen Mordes bzw. Mordversuchs als Beteiligte sind drei weitere türkischstämmige Burschen: der Cousin des Erstangeklagten sowie ein weiterer 18- und ein 19-Jähriger, die die Cousins erst kurz vor der Tat in Hallein angeheuert haben sollen. Gegen einen ursprünglich fünften Verdächtigen wird noch wegen versuchter Körperverletzung ermittelt.

Mutmaßlicher Mörder plädiert auf Notwehr

Der mutmaßliche Mörder hatte nach der Tat selbst die Polizei verständigt. Er legte ein Geständnis ab, rechtfertigte sich aber damit, dass er in Notwehr gehandelt habe. Der Geschworenen-Prozess am Landesgericht Salzburg unter Vorsitz von Richterin Christina Rott ist für zumindest vier Tage anberaumt. Verhandelt werden soll in der kommenden Woche außer Dienstag an jedem Tag. (APA)
(Quelle: S24)

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