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Falsches Tier im Visier?

Naturschützer klagen gegen Wolfsabschuss-Bescheid

Raubtier soll bereits weitergezogen sein

Wolf, SB Pixabay/CC0
Naturschutzorganisationen wollen den Abschuss des Pongauer Wolfs verhindern (SYMBOLBILD).

Der Wolf im Großarltal sorgt weiter für Aufregung. Nach einem behördlichen Bescheid von Mitte Juni darf das Tier getötet werden. Nun ziehen mehrere Naturschutzorganisationen gegen diese Entscheidung vor Gericht. Der Wolf soll im Vorjahr im Pongau 24 Schafe gerissen haben.

Vor gut einem Jahr hat die Agrargemeinschaft Tofernalm in Großarl (Pongau) den Antrag auf Entnahme eines Wolfes gestellt. Im Zeitraum zwischen 24. Juni und 15. Juli 2019 wurden insgesamt 24 Schafe getötet, zudem wurden vier verletzte und elf vermisste Schafe auf der Alm festgestellt. Der Antrag wurde im Juni angenommen.

 

Beschwerde gegen Salzburger Wolfsbescheid

Der WWF Österreich, ÖKOBÜRO und der Naturschutzbund wollen das Urteil nun bekämpfen. Sie haben eine Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht eingebracht. „Dieser Tötungsbescheid ist ein europarechtswidriger Angriff auf den Naturschutz. Der strenge Schutzstatus der Wölfe verpflichtet zum Einsatz gelinderer Mittel wie Herdenschutz. Trotz der in Gutachten belegten Machbarkeit wurde das aber nicht einmal versucht. Stattdessen wird der Griff zur Büchse angeordnet, obwohl DNA-Analysen zeigen, dass der betreffende Wolf längst nach Tirol weitergezogen ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird also das falsche Tier ins Visier genommen“, sagen Christoph Walder vom WWF und Lucas Ende vom Naturschutzbund.

"Abschuss nicht gerechtfertigt"

Die Naturschützer argumentieren weiter, dass der Nachweis im Bescheid fehle, wieso Herdenschutz keine gelinde Alternative ist. Ohne nähere Begründung werde behauptet, dass dies wirtschaftlich unmöglich wäre.  „Die Europäische Union hat den Weg für eine 100-prozentige Förderung von Schutzmaßnahmen längst freigemacht. Das Land Salzburg ersetzt bis zu 80 Prozent der Kosten. Dass Herdenschutz in der betroffenen Region bisher unversucht blieb, ist daher kein ausreichender Grund, eine Ausnahme vom strengen europarechtlichen Artenschutz zu gewähren“, kritisiert Christoph Walder.

Lucas Ende ergänzt: „Wölfe können nicht zwischen erlaubter Beute wie Wildtieren und verbotener Beute wie Nutztieren unterscheiden, solange sie nicht durch Zäune oder Hunde abgeschreckt werden. Keines der gerissenen Tiere im Großarltal war entsprechend der Mindestanforderungen geschützt. Ein Abschuss ist somit nicht gerechtfertigt und wird auch künftig keine Sicherheit für Weidetiere bringen.“

Gutachten empfiehlt keine Wolfstötung

Auch das Gutachten des Wildbiologen Klaus Hackländer, auf das sich die Behörden stützen, würde keinen Abschuss des Tieres empfehlen: „Seine Expertise empfiehlt jedoch gar nicht den Abschuss, sondern den Fang, die Besenderung und Vergrämung des Wolfs, wie er selbst festhält“, stellen die Naturschutzorganisationen klar. Ein Fang und die DNA-Feststellung müssten ebenso zur Anwendung gelangen, um sicherzustellen, dass der im Bescheid genannte Wolf und kein anderes Individuum zum Abschuss gelangt. Diese Auflagen seien jedoch nicht ausgesprochen worden, so die Kritik. Die Abschusserlaubnis berge viel mehr das Risiko für eine zeitgleiche Entnahme von mehr als einem Wolf.

Naturschützer geben sich zuversichtlich

Die Naturschutzverbände geben sich angesichts der „offenkundigen Mängel des Bescheids“ daher zuversichtlich mit ihrer Beschwerde erfolgreich zu sein. Zudem appellieren sie an das Land Salzburg, stattdessen in das Vorantreiben von Herdenschutzmaßnahmen zu investieren. „Damit wäre der betroffenen Almwirtschaft deutlich mehr geholfen. Denn bereits der nächste Wolf kann sich an ungeschützten Nutztieren bedienen. Der Einsatz von Elektrozäunen, Herdenschutzhunden und Hirten ist alternativlos, will man Landwirte und ihre Nutztiere nicht weiter schutzlos im Regen stehen lassen“, erklären Lucas Ende und Christoph Walder.

(Quelle: SALZBURG24)

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