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"Weckruf an die Politik"

Salzburger Wolf wird doch nicht abgeschossen

Gericht hebt Bescheid auf

Wolf LMZ/Alpenzoo Innsbruck
Der Salzburger Problemwolf wird nun doch nicht abgeschossen. Der Bescheid wurde aufgehoben.

Das Landesverwaltungsgericht hat den Bescheid zum Abschuss des Problemwolfes auf der Tofernalm im Großarltal aufgehoben.

Er hatte im Sommer 2019 24 Schafe getötet, drei Rinder und weitere Nutztiere wurden vermisst und sind nie wieder aufgetaucht. Das Tier wurde daher auf Basis des Salzburger Wolfsmanagementplans als „Problemwolf“ eingestuft, die Agrargemeinschaft stellte den Antrag auf Entnahme.

 

"Weckruf an die Politik"

Der WWF und Naturschutzbund begrüßen Aufhebung des Abschussbescheids, berichten diese in einer ersten Reaktion auf den Bescheid: „Der Abschussbescheid hatte nicht nur verfahrensrechtliche, sondern auch inhaltliche Mängel. Damit bestätigt das Landesverwaltungsgericht den hohen europaweiten Schutzstatus der Wölfe“, sagen WWF-Wolfsexperte Christian Pichler und Lucas Ende vom Naturschutzbund. Die Fachleute fordern eine Herdenschutz-Offensive der Salzburger Landesregierung, um auf die nächste Almsaison rechtzeitig vorbereitet zu sein: „Die Entscheidung des Gerichts ist ein Weckruf für die Politik. Fachgerechter Herdenschutz ist und bleibt alternativlos. Österreichs Nachbarländer wie die Schweiz zeigen seit Jahren, wie ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben gelingen kann. Daher muss auch Salzburg nachziehen, anstatt wirkungslose Abschussdebatten zu führen.“

100.000 Wölfe in sieben Jahren in Europa

„Der Rechtsstaat ist zu akzeptieren. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass es zirka 25.000 Wölfe in Europa gib. Experten rechnen in sieben Jahren mit 100.000. Ich mag mir nicht ausmalen, wie schwierig unsere Land- und Almwirtschaft wird. Da brauchen wir eine praktikable Lösung“, so Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP).

„Wolf hat großen Schaden angerichtet“

„Die Voraussetzungen, einen Problemwolf zu entnehmen sind so umfangreich, dass es in der Praxis in Wahrheit gar nicht umsetzbar ist“, sagt Schwaiger, der sich von der Europäischen Union einen angemessenen Rahmen wünscht. „Damit wir auf nationaler Ebene Spielraum für individuelle Regelungen haben.

„Dieser Wolf hat im Großarltal großen Schaden angerichtet, so wird es für die Almbauern fast unmöglich zu wirtschaften. Durch Druck in Brüssel beziehungsweise auf die Kommission soll ein Umdenken erwirkt werden. Das kann dadurch geschehen, dass wir gemeinsam mit der ARGE Alp beziehungsweise den Mitgliedstaaten des Ostalpenraumes noch stärker gemeinsam auftreten“, so Schwaiger, der hinzufügt: „Persönlich bin ich insofern enttäuscht, da wir von Landesseite den betroffenen Bergbauern in dieser so schwierigen Situation nicht besser helfen können.“

Bescheid wäre am 31. Dezember ausgelaufen

„Ich bin von der Aufhebung ehrlich gesagt wenig überrascht. Das Landesverwaltungsgericht hat nun festgestellt, dass den Antrag auf Entnahme der Jagdinhaber, nicht die Agrargemeinschaft stellen hätte sollen. Die Behörde hätte dann einen jagdbehördlichen Auftrag erteilen müssen. Theorie, denn der Bescheid wäre ohnehin nur bis 31. Dezember gültig gewesen und der Wolf ist vermutlich schon über alle Berge“, so der Wolfsbeauftragte des Landes, Hubert Stock. Sechs Wochen beträgt nun die Frist, Beschwerde gegen die Aufhebung des Bescheides einzubringen. Die DNA des Problemwolfes vom Großarltal ist im Frühling 2020 zuletzt am Gerlos festgestellt worden, mehr als 100 Kilometer entfernt.

Managementplan „Wolf“ in Salzburg

In Salzburg gibt es ein 5-Punkte-Aktionsprogramm sowie einen Managementplan, um die traditionelle alpenländische Landwirtschaft zu schützen und auf europäischer Ebene Änderungen durchzusetzen. „Wir setzen das Aktionsprogramm konsequent um. Grundlage dafür ist der mit den NGOs abgestimmte Managementplan Wolf. Dieser dient den Behörden als Leitfaden, wie in solchen Fällen vorgegangen wird“, so Landesrat Josef Schwaiger.

Der Rückblick auf das Jahr 2019 zeigt, dass am 15. Juli der Antrag auf die Entnahme durch die Agrargemeinschaft gestellt wurde, der Bescheid war am 17. Juni 2020 fertig. „Für uns ein bisher einzigartiges und komplexes Verfahren. Es waren viele Gutachten nötig, die Experten dafür schwer zu finden“, erinnert sich Bezirkshauptmann Harald Wimmer. 

(Quelle: SALZBURG24)

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