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Snowjazz Gastein: Vielfältiges "Deja vu" mit der Freude an Musik

Snowjazz Gastein: Die Musiker sorgten einmal mehr bei diesem kleinen, exquisiten Jazzfestival mitten im Ski-Zentrum Bad Gastein für einen ernsthaft heißen Jazz-Abend.

Der diensthabende "Einheizer" am Samstag, Jean-Francois Baez, bediente seine chromatische Knopferl-Harmonika mit atemberaubender Leichtigkeit. Mit selten flinken Fingern fegte der Franzose durch seine häufig in ungeraden Rhythmen wie 5/4tel-, 7/4tel- oder 9/8tel-Takten gestalteten Eigenkompositionen. Begleitet vom etwas behäbigeren Etienne Roumanet am Bass und vom quirlig-witzigen Lionel Martin am Sopran- und Bariton-Saxofon pendelte das Trio von arabischen Skalen zu slawisch-fetzigen Grooves, die nicht unbedingt "Jazz" genannt werden müssten. Passender wäre: "Energetisch aufgeladene, raffiniert konstruierte und virtuos in die Welt geschleuderte Musik der Lebenslust und Traurigkeit."

Diese musikalische Typologie passt auf vieles, was Grabmaier und seine Kollegen vom "Geldgeber Fremdenverkehr" in den vergangenen zehn Tagen ihrem Publikum unter dem Jahresmotto "Deja vu" vorgesetzt haben. Von der "Top Dog Brass Marching Band" zum Auftakt über Chris Jarretts "Four Free"-Quartett bis zum Drehleier-Virtuosen Pierre Charial war von Konfektionsware des Jazz weit und breit nichts hören. Charial verwendete eigens gestanzte Drehorgel-Lochkarten für seine Kompositionen sowie für Stücke von Haydn, Ligeti, Strawinsky oder Chick Corea und sorgte zusammen mit dem Bassklarinettisten Michael Riessler für das vielleicht originellste "Jazz"-Konzert dieses Festivals.

Sängerin Xu Fengxia pendelte von folkloristisch-asiatischem Kehlkopfgesang zu Heavy Metal, von Neuer Klassik zu traditioneller chinesischer Oper, nicht ohne kurz auch bei Tom Waits vorbei geschaut zu haben. Berechenbarer, dafür umso hitziger, präsentierte der Grazer Hammond-Virtuose Raphael Wressnig seinen funkigen "Party Factor", während die Berliner Band "Der rote Bereich" humoreske Dekonstruktion von musikalischen Strukturen zu einer Art brachialer Kammermusik formte.

Super elegant, geschmackvoll und exzellent bis in die kleinste Faser präsentierte sich Pianist Antonio Farao mit seinem klassischen Jazz-Trio am Mittwoch. Die Schweizerin Erika Stucky ließ ihre Stimmexperimente zur Tuba und zum Schlagzeug am Donnerstag auf ihr Publikum niederprasseln, bevor die deutsch-österreichisch-schweizerische Formation "a.a.r.a." bis spät in die Nacht durch alle auf Didgeridoos möglichen Grooves surfte. Heute, Sonntag, Abend findet der fast durch die Bank ausverkaufte 10. Bad Gasteiner Snowjazz mit der stilistisch multiplen Performance-Banda "Municipale Balcanica" aus Italien seinen Abschluss. (APA)

(Quelle: S24)

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