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Urteil im Mordprozess gegen 17-jährigen Messerstecher

Der Mordprozess gegen einen damals 17-jährigen, türkischstämmigen Lehrling, der im Vorjahr in Bischofshofen seinen Großonkel getötet und seinen Onkel schwer verletzt hat, ist am späten Freitagabend am Landesgericht Salzburg mit Schuldsprüchen zu Ende gegangen.

Der Haupttäter wurde wegen Mordes und versuchten Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt, seine drei Komplizen müssen für vier bis acht Jahre ins Gefängnis.

Urteil im Mordprozess nicht rechtskräftig

Im Sinne der Anklage verurteilt wurden nicht nur der Haupttäter, sondern auch dessen viertangeklagte Cousin: Dieser muss wegen Beitrag zum vollendeten Mord und Beitrag zum versuchten Mord für acht Jahre ins Gefängnis. Bei zwei weiteren Komplizen sahen die Geschworenen die Beitragstäterschaft nicht erfüllt, wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung mit Todesfolge wurden der Zweitangeklagte allerdings zu sechs Jahren Haft, der Drittangeklagte zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Staatsanwalt erbat sich Bedenkzeit, die Urteile sind damit nicht rechtskräftig. Der damals 17-jährige Lehrling soll am 12. September 2011 seinen Onkel, 40, und dessen Vater, 58, mit einem Küchenmesser attackiert haben. Der Großonkel starb, der Onkel wurde schwer verletzt. Drei ebenfalls türkischstämmige Komplizen im Alter von 18 bis 19 Jahren wurden wegen Beitragstäterschaft angeklagt, gegen einen vierten Verdächtigen wird noch wegen versuchter Körperverletzung ermittelt.

Ehrenrettung als Mordmtotiv

Das Motiv für die Tat bleibt befremdend: Der Onkel hatte Ende der 1980er die Tante des Burschen geheiratet, obwohl er offenbar dessen Mutter liebte. Als die Ehe 2008 zerbrach, warb der Mann wieder vehement um die Frau und ließ sie - entgegen ihren Willen - nicht in Ruhe. Als die Mutter des Lehrlings im vergangenen Sommer sogar eine Scheinverlobung einging, nur um dem 40-Jährigen zu zeigen, dass er keine Chance hat, soll sie der Mann am Telefon mit dem Umbringen bedroht haben. Während eines Türkeibesuchs im September 2011 erfuhr die Schwester des Hauptangeklagten von der Geschichte. Als sie der Bruder am 11. September gemeinsam mit seinem Cousin vom Flughafen in Schwechat abholte, erzählte sie ihm sofort vom Drängen des Onkels. Am Folgetag kam es per Telefon zunächst zu einem heftigen Streit mit dem 40-Jährigen. Laut Staatsanwalt Robert Holzleitner soll der Lehrling dann im Laufe des Tages den Beschluss gefasst haben, den Onkel zu töten. Weil aber sein Cousin nicht wie ausgemacht Helfer organisiert hatte, sprachen die beiden am Bahnhof Hallein einen zufällig daherkommenden Bekannten an. Es gehe um eine Familienangelegenheit. Der Bekannte erklärte sich sofort bereit, Unterstützung zu holen und heuerte in einem Internet-Cafe spontan zwei Komplizen an, die wie er die späteren Opfer nicht einmal kannten.

Großonkel verstarb noch am Tatort

Gemeinsam fuhren der Hauptangeklagte, seine Schwester, der Cousin und die drei Helfer dann nach Mitterberghütten bei Bischofshofen, wo der Onkel einen Verkaufsplatz für Gebrauchtwagen betrieb. Während der Fahrt wurde das Messer im Auto herumgereicht, der Lehrling soll auch gesagt haben, er werde seinen Onkel auslöschen. Seiner Familie gegenüber habe niemand etwas zu sagen. Die Schwester musste später aussteigen, am Ziel lauerten die Burschen dann ihrem Opfer auf. Der 17-Jährige legte das Messer unter ein abgestelltes Auto, die Komplizen versteckten sich. Als der Onkel in Begleitung seines Vaters am Verkaufsplatz auftauchte, den Burschen zur Rede stellte und ihm zwei Ohrfeigen versetzte, griff dieser nach dem Messer und stach ohne Vorwarnung achtmal wuchtig zu. Dann versetzte er dem Vater seines Onkels sieben weitere Stiche. Beide Männer wurden zudem von drei der mitgefahrenen Komplizen mit Fäusten, Tritten und der Stahlrute attackiert. Während es dem Onkel gelang, schwer verletzt mit dem Auto zu flüchten, starb der 58-jährige Großonkel noch am Tatort.

17-Jähriger im Mordprozess geständig

Der 17-jährige bekannte sich im Prozess grundsätzlich schuldig, bestritt aber die Mordabsicht. "Es ging niemals um die Ehre, ich hatte Angst um meine Mutter. Mir wurde beigebracht, dass ich meine Familie schützen muss", hatte er zum Auftakt der Verhandlung erklärt. Das Küchenmesser habe er nur zum Schutz seiner Schwester mitgenommen, an den Tathergang könne er sich nicht mehr erinnern. "Ich bin hingefallen, ab diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr, was ich tue. Es war, wie wenn ich in Luft stechen würde." Seine ursprüngliche Version, er habe in Notwehr gehandelt, hielt der Staatsanwaltschaft als "eindeutig widerlegt." Es gebe keinen Zweifel an der Mordabsicht. Abgesehen von zwei Ohrfeigen, die der Onkel austeilte, hätten die späteren Opfer keine Gewalt angewendet. Beim ersten Schmerzensschrei des Onkels hätte den Komplizen klar sein müssen, dass der Lehrling eine Waffe einsetzte. "Die drei anderen haben in Kauf genommen, dass sie zum Mordgeschehen beitragen." Die Komplizen hatten im Prozess die Tötungsabsicht bestritten und sich lediglich zur Körperverletzung bekannt. (APA)

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(Quelle: S24)

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