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Zugunglück im Pongau: Prozess in Salzburg gestartet

Der Prozess zum Zugünglück im April 2010, bei dem 19 Menschen verletzt wurden, ist am Freitag am Salzburger Landesgericht gestartet. Die Verhandlung wird vertagt.

Ein ausschwenkender Greifarm eines Schienenbaufahrzeuges hat am 29. April 2010 in St. Johann im Salzburger Pongau die Fensterscheiben einer S-Bahn-Garnitur der ÖBB am benachbarten Gleis regelrecht aufgeschlitzt.

Drei Menschen beim Zugunglück schwer verletzt

Bei dem Unfall wurden drei Fahrgäste schwer und 16 leicht verletzt. Schuld an dem Zugunglück hat laut Staatsanwaltschaft der Kranführer und sein unmittelbarer Vorgesetzter. Die beiden 50-Jährigen bekannten sich am Freitag, bei einem Prozess am Salzburger Landesgericht nicht schuldig. "Fahrlässige Körperverletzung" und "fahrlässige Gemeingefährdung" warf Staatsanwalt Michael Schindlauer den Angeklagten vor: Es fehlte eine mechanische Begrenzung, sodass sich der Schwenkarm nach außen bewegen konnte und mit dem Regionalzug Nummer 5068, der von Freilassing nach Schwarzach fuhr, um 14.44 Uhr kollidierte. Dass die Schwenkarm-Begrenzung nicht montiert, sondern in einer Werkzeugkiste lag, dafür machte Schindlauer den Kranführer verantwortlich. Dessen Vorgesetzer, ein Stützpunktleiter der ÖBB, hätte in Kenntnis, dass ein Ventil nicht funktionierte, das Verwenden des Gerätes untersagen müssen.

Beschuldigten weisen Schuld von sich

Doch die Beschuldigten bestritten jegliche Verantwortung. Der Kranführer, der damals mit dem Aufheben von alten Schienen beschäftigt war, schilderte, er habe den Motor des Baufahrzeuges ausgeschaltet und sei weggegangen, um anderen zu helfen, als der Greifarm ausschwenkte. Eine Schwenkbegrenzung habe er in den vergangenen sechs Jahren, in denen er solche Einsätze bewerkstelligte, nicht verwendet. "Es hat geheißen, wir brauchen keine Schwenkbegrenzung." Er sei für die Bedienung des Gerätes auch nur drei Stunden eingeschult worden, und nicht fünf Tage, weil er "auf Kur und dann auf Urlaub" war. Mit der 100 Seiten starken Bedienungsanleitung habe sich niemand mit ihm auseinandergesetzt. Und dass sich der Greifarm ohne sein Zutun während der Arbeit bewegt habe und ein Ventil ausgetauscht werden sollte, habe er zwei Wochen vor dem Unfall seinem Vorgesetzten gemeldet.

Zugunglück verursachte 1,1 Mio. Euro

Der Verteidiger des Kranführers ortete einen "Systemfehler" bei den ÖBB, es habe keine behördliche Genehmigung für den sogenannten "Silat" und auch keine Typenschulung über die Verwendung des Greifarmes gegeben. "Nach dem Verbandsverantwortlichkeitsgesetz müssten die Chefs dasitzen", sagte der Anwalt. Der Verteidiger des Stützpunktleiters meinte, sein Mandant sei zwar formell der Dienststellenleiter gewesen, "er hatte aber nur mit der Disposition zu tun, nicht aber mit technischen Details". Der Schaden, den die ÖBB Infrastruktur Betriebs AG geltend macht, beträgt 1,1 Mio. Euro. Die Verhandlung zum Zugunglück wird am Freitag vertagt, kündigte Einzelrichterin Gabriele Glatz bereits zu Beginn des Prozesses an. (APA)

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(Quelle: S24)

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