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Raubserie in Salzburg

"Seelische Verletzungen unterschätzt"

So gehen Opfer mit Überfällen um

Eine Serie von Raubüberfällen erschüttert derzeit Salzburg: In nur sieben Tagen kam es zu sechs Überfällen. Die Täter waren immer bewaffnet, die Angestellten wurden bedroht und teils sogar verletzt. Thomas Lehmert von der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ in Salzburg weiß, wie sich das auf die Opfer auswirkt und welchen Unterschied es macht, wenn eine Waffe involviert ist.

Salzburg, Thalgau

Am Samstag versuchten maskierte Räuber ein Hotel in Salzburg-Maxglan zu überfallen. Dabei bedrohten sie einen Rezeptionisten nicht nur mit einer Pistole, sie schlugen ihn auch nieder. Er musste verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Ebenso verletzt wurde der Geschäftsführer eines Imbiss-Lokals, als jemand versuchte, ihn auszurauben. In einer Tankstelle, ebenfalls in Maxglan, gaben die Unbekannten Schüsse ab.

Lehmert: "Kommt zu einer Traumatisierung"

In jedem Fall wurden die Angestellten bzw. Inhaber der Geschäfte verletzt: Denn nach dem österreichischen Gesetz für Verbrechensopfer gelte das auch für seelische Verletzungen, betont Lehmert im Gespräch mit SALZBURG24 am Montag. „Jeder Betroffene verarbeitet das unterschiedlich, es kommt aber zu einer Traumatisierung“, weiß der ausgebildete Sozialarbeiter. Das könne sich auf verschiedenste Weise äußern: Schlecht schlafen, Panikattacken oder das immer wieder erleben der Situation – sogenannte Flashbacks – seien nur einige Beispiele dafür.

Überfall: Körper schützt Psyche

Beim Überfall selbst würden sich viele hilflos fühlen: „Normal hat der Mensch da zwei Optionen: Entweder kämpfen oder flüchten. Werde ich mit einer Waffe bedroht, geht das aber nicht.“ Doch der Körper trifft Schutzvorkehrungen. Deshalb könnten sich Opfer oft nicht mehr genau daran erinnern, wie die Täter ausgesehen haben. „Das Zeitempfinden und die Wahrnehmung werden getrübt.“ Die direkte Gefahr, die von einer Waffe ausgeht, verstärke das noch. „Eine Pistole oder ein Messer machen die Situation noch ärger“, erläutert Lehmert.

Schwere Auswirkungen

Die Auswirkungen solcher extremen Erlebnisse seien je nach psychischer Stabilität der Opfer anders. Manche spüren kaum eine Belastung, während es andere in die Krise stürzt. Bleibt das Trauma unbehandelt, kann das auch noch Jahre später passieren. „Seelische Verletzungen werden unterschätzt, das kann schwere Auswirkungen haben – bis zur Arbeitsunfähigkeit“, sagt der Experte.

Trauma gilt als Körperverletzung

Traumatisierungen gelten in Österreich zudem als schwere Körperverletzung, auch die Androhung von Gewalt ist strafbar. Opfer haben deshalb ein Recht auf Begleitung vor Gericht sowie in vielen Fällen auch Schmerzensgeld. Die Hilfe durch den „Weißen Ring“, der speziell Opfer von Verbrechen betreut, ist dabei kostenlos. Die Kosten für eine Psychotherapie werden auf Antrag ebenso erstattet. Das falle unter Schmerzensgeld, erklärt Lehmert.

Wichtig sei vor allem die Zusammenarbeit mit der Polizei, sodass Betroffene möglichst schnell Hilfe bekommen. Je früher man beginnt, das Erlebte professionell aufzuarbeiten, desto höher seien die Chancen, wieder ein normales Leben führen zu können.

Kontakt "Weißer Ring" Salzburg:

  • Opfernotruf: 0699 / 134 34 005
  • E-Mail: sbg@weisser-ring.at
(Quelle: SALZBURG24)

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