Jetzt Live
Startseite Salzburg
Gewalt an Schulen

Salzburg "keine Insel der Seligen"

SB, Gewalt, Schlägerei, Faust Bilderbox/SYMBOLBILD
Die Gewalt an Schulen steigt auch in Salzburg.

Nachdem eine Auseinandersetzung zwischen einem Schüler und einem Lehrer letzte Woche in einer Wiener HTL eskalierte, will das Bildungsministerium Time-out-Klassen für verhaltensauffällige Jugendliche einrichten. Wir haben nachgefragt, wie in Salzburg mit solchen Schülerinnen und Schülern umgegangen wird.

Der Vorfall – bei dem ein Lehrer nach Handgreiflichkeiten einen Schüler bespuckt haben soll – sorgte in Österreich für Aufsehen. Er regte eine Diskussion darüber an, wie man mit dem steigenden Aggressionspotential und der Gewalt an Schulen am besten umgehen sollte.

Time-out-Klassen gegen Gewalt

Der Vorschlag des Bildungsministeriums sieht vor, verhaltensauffällige Schülerinnen und Schüler aus ihrer Regelklasse herauszunehmen und in einer separaten Klasse unterzubringen. In der Time-out-Klasse sollen speziell ausgebildete Lehrer neben den regulären Fächern auch das Verhalten in Gruppen und gewaltfreie Konfliktlösung unterrichten. Ziel sei, dass die Schüler so schnell wie möglich in die Regelklasse zurückkehren, betonte Generalsekretär Martin Netzer am Mittwoch im Gespräch mit „Ö1“. Am Freitag präsentierte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) einen "Neun Punkte Plan gegen Gewalt."

Mair: "Kein Zauberstab, der alles löst"

Salzburgs Bildungsdirektor Rudolf Mair erklärt gegenüber SALZBURG24, dass er die Time-out-Klasse lieber Time-intensive-Klasse nennen würde. „Dann würde das Konzept für mich Sinn machen“, sagt Mair. Dann nämlich sei es eine von mehreren Möglichkeiten, dem Gewaltpotential an Schulen zu begegnen. „Man soll nicht so tun, als hätte es bisher keine präventiven Ansätze gegeben“, betont der Bildungsdirektor. Für ihn ist der Vorschlag ein Mosaikstein von vielen, aber nicht „der Zauberstab, der jetzt alles löst.“

Für die Prävention sind im Bundesland unter anderem 19 Schulpsychologinnen und -psychologen zuständig. Viele davon decken mehrere Standorte ab, schildert Psychologin Helene Mainoni-Humer. Sie leitet in der Bildungsdirektion die Abteilung Beratung und ist selbst als Schulpsychologin tätig gewesen.

Massiver Anstieg bei Mobbing

Die Psychologinnen und Psychologen sind an den Schulen Ansprechpartner sowohl für Schülerinnen und Schüler, als auch Erziehungsberechtigte und Lehrerinnen und Lehrer. Sie beraten bei persönlichen Krisen, Lernschwierigkeiten aber auch Ausgrenzung und Mobbing.

Vor allem bei Letzterem hätte es in den letzten Jahren – bei psychischer als auch tätlicher Gewalt – einen massiven Anstieg gegeben. „Im Verlauf der Jahrzehnte, in denen wir das erheben, hat sich die Anzahl und auch der Schweregrad erhöht. Wir haben mehr intensive Fälle“, weiß sie zu berichten. In Salzburg habe man darauf vor sechs Jahren reagiert und drei neue Stellen für speziell auf diese Problematik geschulte Psychologinnen und Psychologen geschaffen.

73 Gewalt-Anzeigen an Schulen

Ein solch heftiger Fall, wie er sich in Wien zugetragen hat, ist Mainoni-Humer aus Salzburg nicht bekannt: „Trotzdem sind wir keine Insel der Seligen.“ Immerhin gab es 2017 auch an den hiesigen Schulen 73 Anzeigen etwa wegen Körperverletzung, Drohung oder Nötigung, zeigen Zahlen des Innenministeriums . Für die Expertin liegen die Gründe dafür einerseits in einer generellen gesellschaftlichen Veränderung, aber auch an einem Mehr an Aufmerksamkeit für das Thema. Dass sich ein heftiger Vorfall wie in Ottakring bisher vermeiden ließ, führt sie auf die langjährige Präventionsarbeit in Salzburg zurück.

Salzburg setzt auf Prävention

Überhaupt habe man in Salzburg die Schul-Sozialarbeit massiv ausgebaut, sagt Mair: „Die Erfahrungen zeigen, dass dieses Modell auch hinsichtlich der Eskalation von gewalttätigen Jugendlichen sehr hilfreich ist. Nicht zuletzt, weil wir damit schon in den Volksschulen beginnen.“ Mit Workshops, Sozialarbeit, Schulpsychologie und speziell ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern sollen gewalttätige Eskalationen in Salzburg verhindert bzw. bewältigt werden. Schon jetzt werden Schüler isoliert, damit sorge man für eine Entspannung der Situation, beschreibt Mair das Vorgehen. Als zusätzliches Angebot befürwortet er die Time-out-Klassen jedoch.

(SALZBURG24/APA)

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Whatsapp

Aufgerufen am 27.05.2019 um 10:51 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburg-bei-gewalt-an-schulen-keine-insel-der-seligen-70041694

Kommentare

Mehr zum Thema