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Salzburg einziges Bundesland ohne Notwohnprogramm für Frauen

Salzburg hat als einziges Bundesland kein Notwohnprogramm für Frauen dpa
Salzburg hat als einziges Bundesland kein Notwohnprogramm für Frauen

Wien hat eines, St. Pölten hat eines, Innsbruck auch, in Oberwart im Burgenland gibt es eines, ebenso in Klagenfurt, Bregenz und Linz. Graz hat sogar gleich drei. Die Rede ist von Notwohnprogrammen für Frauen. In Salzburg fehlt eine solche Einrichtung. Der Salzburger Frauentreffpunkt hält das für eine "Schande" und fordert eine Notwohneinrichtung. Soziallandesrat Schellhorn stellt sich eine andere Lösung vor.

Gudrun Hagen hat die Nase voll. „Ich kann es schon nicht mehr hören. Wir setzen uns schon so lange für ein Notwohnprogramm für Frauen in Salzburg ein und bis jetzt ist nichts passiert. Eigentlich ist es eine Schande", sagt sie, als SALZBURG24 sie zum Gespräch in ihrem Büro in der Paris-Lodron-Straße trifft. Hagen arbeitet beim Frauentreffpunkt Salzburg.

Notwohnprogramm als Anlaufstelle fehlt

Das Problem: Frauen, die ihr Dach über dem Kopf verlieren - sei der Grund Scheidung, oder nicht mehr bewältigbare Mietkosten - hätten in Salzburg keine Anlaufstelle. Frauenhäuser richten sich an die Opfer von Gewalt. Die fünf Notwohnungen des Magistrats sind mit sehr strengen Auflagen verbunden und bieten keine schnelle Lösung und in Notschlafstellen fühlen sich Frauen oft unwohl. Dazu kommt, dass Frauen mit Kindern von diesen Einrichtungen gar nicht erst aufgenommen werden, erzählt Gudrun Hagen.

Verdeckte Wohnungslosigkeit großes Problem

„Frauen rutschen dann schnell in die verdeckte Wohnungslosigkeit. Bestenfalls schlafen sie auf der Couch einer Freundin, aber oft bleiben sie in Beziehungen, in denen sie ausgenutzt und schlecht behandelt werden", sagt die Psychologin. Der Frauentreffpunkt Salzburg fordert daher ein Programm ähnlich „Dowas für Frauen" in Innsbruck. Hier werden betreute WGs angeboten und auch Hilfe außerhalb der Einrichtung. Am 22. April wird Soziallandesrat Heinrich Schellhorn die Tiroler Landeshauptstadt besuchen um sich ein Bild von dem dortigen Programm zu machen.

„Nicht für jedes Problem eine Einrichtung"

Schellhorn sieht aber nicht unbedingt die Notwendigkeit einer speziellen Einrichtung, die sich um wohnungslose Frauen kümmert. Man solle mit Prävention und dem bestehenden sozialen Netz arbeiten. „Man kann nicht für jedes Problem eine Einrichtung schaffen, das hat man vielleicht früher gemacht, das ist aber nicht die Zukunft der Sozialpolitik", so Schellhorn. Das Problem solcher Notwohnhäuser sei, dass man die Frauen damit stigmatisieren würde, außerdem sei es schwer, die Menschen anschließend wieder in das normale Wohnsystem einzugliedern. „Leistbarer Wohnraum ist ein Problem in Salzburg und daran arbeiten wir, aber wir haben ein sehr gutes Sozialnetz für Frauen, die Gefahr laufen ihre Wohnung zu verlieren. Wichtig ist, dass sie sich rechtzeitig melden", erklärt Heinrich Schellhorn. Es gäbe etwa die Gefährdetenhilfe oder „MuK:Ki" (Mutter-Kind Krisen und Interventionsinstitut). Hier könnten Mütter mit Kindern im Notfall unterkommen. Statt einer zentralen Einrichtung forciert Schellhorn kleinere und günstigere Wohneinheiten, die dann an Frauen in Not vergeben werden sollen.

Leistbares Wohnen ist die Basis

Die Wurzel des ganzen Problems seien die hohen Wohnungspreise in Salzburg. Da sind sich Gudrun Hagen und Heinrich Schellhorn einig. Auch die Überfüllung der Frauenhäuser hänge damit zusammen, hieß es kürzlich in einer Aussendung des Landes Salzburg. Der höchste zulässige Aufwand für eine Person für eine Wohnung liege bei 380 Euro. Das schreibe die Mindestsicherungsverordnung vor, erklärt Gudrun Hagen.  „Wohnen sollte eigentlich ein Grundrecht sein", meint sie.

Mehr als 330 Frauen wohnungslos

Die Wohnungslosenerhebung 2013 ergab, dass in der Stadt Salzburg 31 Prozent der Wohnungslosen Frauen sind. Das sind in Zahlen 332 Betroffene. Hier wurden nur Frauen einbezogen, die bei Sozialen Einrichtungen vorstellig wurden. Wie viele Frauen in verdeckter Wohnungslosigkeit leben, konnte durch die Studie nicht erhoben werden.

(Quelle: S24)

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