Jetzt Live
Startseite Salzburg
Weidesaison beginnt

"Die Wölfe werden auch heuer kommen"

Salzburg ist vorbereitet

Der Wolf hat im vergangenen Jahr zahlreiche Schafe und auch Rinder auf Salzburgs Almen gerissen. Jetzt werden wieder nach und nach die Tiere auf die Almen aufgetrieben, damit beginnt auch die ‚Saison‘ für die Beutegreifer.

„Das Land Salzburg ist gut vorbereitet und mit dem Managementplan haben die Behörden einen Leitfaden, wie bei Rissen vorzugehen ist. Damit sind wir österreichweit Vorreiter“, betont Landesrat Josef Schwaiger und ergänzt: „Wir unterstützen die Landwirte bestmöglich, um ihre Tiere zu schützen.“

Wolf, schwaiger, Wolfsbeauftragter Land Salzburg/Martin Wautischer
 „Wir unterstützten die Landwirte bestmöglich, um ihre Tiere zu schützen“, betont LR Josef Schwaiger. Hier im Bild mit dem Wolfsbeauftragten des Landes, Hubert Stock (links).

Zäune und GPS-Halsbänder für Schafe

Die österreichweit wegweisende Strategie umfasst das 5-Punkte-Aktionsprogramm sowie den Managementplan Wolf, um die traditionelle alpenländische Landwirtschaft zu schützen. „Die Bäuerinnen und Bauern werden bei Herdenschutzmaßnahmen mit Hilfe von Zäunen und GPS-Halsbändern für Schafe unterstützt. Dazu kommt noch die Entschädigung bei Rissen und ein Warnsystem, das in Kooperation mit dem Salzburger Landesverbandes für Schafe und Ziegen auf die Beine gestellt wurde“, fasst Landesrat Josef Schwaiger die Vorbereitungen zusammen.

Große Nachfrage nach Förderungen

Umfassende Information und die Beratung vor Ort sind ebenso Teil des 5-Punkte-Aktionsprogramms des Landes wie die Bestellung des Wolfsbeauftragten, die Intensivierung der Herdenschutzmaßnahmen, die effiziente Abwicklung von Entschädigungen, die Definition, was ein „Problemwolf“ ist, oder Verhandlungen über den Schutzstatus auf EU-Ebene. „Die Förderung für Herdenschutzmaßnahmen wurden auf 80 Prozent erhöht, dementsprechend ist die Nachfrage groß, ebenso bei den GPS-Halsbandsendern für Schafe, um eine rasche Warnung und Reaktion bei Wolfsangriffen zu ermöglichen“, sagt Landesrat Schwaiger und Wolfsbeauftragter Hubert Stock ergänzt: „Die Nachfrage nach Schutzzäunen ist heuer deutlich gestiegen, bereits 30.000 Euro hat das Land als Unterstützung zugesagt.“

Wolfsangriffe auf heimischen Almen

Hubert Stock rechnet auf die kommende Weidesaison mit Wolfsangriffen auf den heimischen Almen: „Vor allem in Tirol und Osttirol sind heuer bereits einige Wolfrisse passiert. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Tiere auch heuer wieder nach Salzburg kommen. Jetzt ist die Zeit, in der sie zu wandern beginnen und Herdenschutzmaßnahmen, die vor allem im Hofbereich Sinn machen, sollten jetzt umgesetzt werden“, so der Wolfsbeauftragte, der den Bäuerinnen und Bauern weiterhin für Beratung zum Thema Wolf zur Verfügung steht.

(Quelle: SALZBURG24)

Drei Wolfsrudel leben in Österreich

Wolf, SB APA/AFP/Aris MESSINIS
(SYMBOLBILD)

Die Zahl der Wolfsrudel in Österreich hat sich im Vorjahr von einem auf drei erhöht. Alle hielten sich in Niederösterreich auf, berichtete der WWF am Mittwoch bei einem Online-Pressegespräch. Österreichweit gab es zudem Sichtungen von 14 Einzelwölfen, womit insgesamt 30 bis 35 der Tiere hierzulande leben. Diese rissen im Vorjahr 103 Schafe, weswegen der WWF mehr Herdenschutzmaßnahmen fordert.

Zu dem schon länger bestätigten Wolfsrudel beim Truppenübungsplatz Allentsteig kamen ebenfalls im Waldviertel welche in Harmanschlag und Gutenbrunn hinzu. Außerdem wird in Vorderweißenbach in Oberösterreich ein weiteres Rudel vermutet. Die Zahl von derzeit 30 bis 35 Wölfen "wird natürlich in Zukunft steigen", sagte WWF-Wolfsexperte Christian Pichler. Wir seien von Wölfen "umzingelt", in Deutschland gebe es beispielsweise 400 bis 500 Individuen und in Italien 1.000 bis 2.000.

Wolf gilt als "Gesundheitspolizei des Waldes"

Wölfe könnten bis zu 1.000 Kilometer weit wandern und werden immer wieder nach Österreich hereinstreifen, führte Pichler aus. "Das ist aus ökologischer Sicht super", dass der Wolf zurückkehrt. Der Wolf sei die "Gesundheitspolizei des Waldes", er hält den Wildbestand und damit den Wald gesund, indem er vor allem kranke und schwache Tiere anfällt. Zudem hinterlässt er wichtige Nahrungsreste für andere Tierarten, wie Adler.

103 Schafe im Vorjahr durch Wölfe gerissen

Im Vorjahr gab es in Österreich circa 400.000 gehaltene Schafe, davon 115.000 auf Almen, berichtete Pichler. 103 durch Wölfe getötete Tiere seien nur 0,025 Prozent aller Schafe, betonte der WWF-Experte. Im Jahr 2018 kamen dagegen rund 10.000 Schafe durch Unwetter, Steinschlag und Krankheiten ums Leben, was rund 2,5 Prozent der Schafe in Österreich ausmacht. Dies sei eine "größere Belastung" als durch den Wolf, sagte Pichler.

Almwirtschaft leidet

Die Almwirtschaft leide seit vielen Jahren an schlechten finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen. Viele Bauern würden aufgeben, "aber nicht wegen des Wolfes", berichtete Pichler. "Jedes gerissene Tier ist ein schmerzhafter Verlust", betonte er. Der Wolf genieße jedoch einen hohen Schutzstatus in der EU. Politische Forderungen nach Abschüssen von Wölfen seien "aus meiner Sicht nur populistisch", sagte Pichler. Der Herdenschutz sei "alternativlos". Dies bedeute jedoch nicht nur das Aufstellen von Zäunen, gab der Experte zu bedenken.

WWF fordert Herdenschutzmaßnahmen 

Der WWF fordert daher fünf Maßnahmen, um den Herdenschutz in der Viehwirtschaft zu stärken. Dieser sollte bundesweit einheitlich gehalten und stärker gefördert werden. Pichler sprach von einer Summe von einer Million Euro österreichweit. Zweitens bräuchte es eine Wiederbelebung des traditionellen Hirtenwesen. Dadurch könnten die Nutztiere gezielter zu Weideflächen geführt und Erosionen und Erdrutsche vermieden werden. Das Hirtenwesen sei nicht lukrativ, ein harter Job, und die Unterkunftsmöglichkeiten oft schlecht. "Die österreichischen Hirten arbeiten derzeit fast alle in der Schweiz, weil es sich dort besser rentiert", erläuterte Pichler.

Ein weiterer Wunsch der Naturschützer betrifft die Zucht und Ausbildung von Herdenschutzhunden. "Dieses Programm müsste schon spätestens jetzt begonnen werden", damit die Hunde in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen, betonte Pichler. Außerdem fordert der WWF, die Nutztierhalter bei Wolfsrissen besser zu entschädigen. Außerdem soll das Österreich-Zentrum Bär-Luchs-Wolf gestärkt werden und mehr finanzielle Mittel bekommen.

Aufgerufen am 24.02.2021 um 10:13 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburg-ist-auf-den-wolf-vorbereitet-88469329

Kommentare

Mehr zum Thema