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Ein Land unter der Lupe

Salzburg sucht nach neuen Virusmutationen

Rätselraten um hohe Sieben-Tage-Inzidenz

SB: Coronavirus pixabay
Das Coronavirus beherrscht weiter unser Leben. (SYMBOLBILD)

Die hohe Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in Salzburg sorgt weiter für Rätselraten. Nun will das Land prüfen, ob die neue Virus-Mutation aus Großbritannien (B.1.1.7) und die vermutlich in Südafrika entstandene SARS-CoV-2-Variante dafür mitverantwortlich sein könnten.

"Wir lassen dazu derzeit Proben aus Salzburg sequenzieren", sagte Landessanitätsdirektorin Petra Juhasz am Donnerstag zur APA.

Keine schlimmeren Krankheitsverläufe

Nach Einschätzung von Experten bewirkt die britische Virusmutation zwar keine schlimmeren Krankheitsverläufe (darüber haben wir mit Mediziner Richard Greil von den Salzburger Landeskliniken ein ausführliches Interview geführt), sie breitet sich aber sehr viel rascher aus als die bisherige Version des Coronavirus - und dürfte vor allem auch Kinder und Jugendliche betreffen - ein angesichts der Diskussionen um die Öffnung der Schulen nicht zu vernachlässigender Aspekt.

Salzburg seit Wochen Corona-Hotspot

Das Bundesland Salzburg ist seit Wochen der Corona-Hotspot in Österreich: Am Donnerstag wurden 379 Neuinfektionen gemeldet, damit stieg die Zahl der laut EMS aktiv erkrankten Menschen auf 2.557 - um 125 mehr als am Mittwoch. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 335 (AGES-Daten) pro 100.000 Einwohner lag das Bundesland weiter beim Doppelten des Österreichschnitts. Zum Vergleich: In der Bundeshauptstadt lag der Wert zuletzt bei knapp über 116.

Viele Familien-Cluster in Salzburg

Wo sich die Menschen infiziert haben, ist laut Juhasz derzeit kaum nachvollziehbar. "Wir haben im Moment viele Familien- und Haushaltscluster, wo nicht wirklich klar ist, wo sich die sogenannte Indexperson in der Familie erstmalig angesteckt hat." Eine Erklärung für die hohe Sieben-Tage-Inzidenz hat sie nicht. "Ich weiß nicht, ob sich die Salzburgerinnen und Salzburger so anders verhalten als die anderen Menschen in Österreich, ehrlich gesagt sind wir ziemlich ratlos", sagte Juhasz bereits am vergangenen Sonntag im APA-Gespräch.

Sie vermutet aber, dass auch die kostenlosen Massentests um Weihnachten mit einem sehr niederschwelligen Zugang (keine Voranmeldung) oder die sehr gründlichen Umfelduntersuchungen nach positiven Tests eine Rolle spielen. Zugleich habe man immer gewarnt, dass Massentests nur Momentaufnahmen seien. Ein Antigentest könne falsch negativ sein oder in der Frühphase einer Infektion nicht anschlagen. "Ein negatives Ergebnis befreit einen nicht davor, sich an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen."

Zuletzt vor allem junge Erwachsene infiziert

Beruhigend sei allerdings, dass zuletzt vor allem junge Erwachsene infiziert worden seien, also Menschen, die nicht unbedingt zur Hochrisikogruppe zählen. Und fest stehe auch, dass die hohe Sieben-Tage-Inzidenz in Salzburg keinen abrupten Anstieg darstellt. Seit der ersten Oktoberwoche liegt das Bundesland stets über dem Österreich-Schnitt.

Lage in Salzburg unter der Lupe

Wie ein Sprecher von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) zur APA sagte, werde die Lage im Bundesland genau beobachtet. "Wir schauen uns jeden Tag die Zahlen in den einzelnen Gemeinden an. Weitere Schritte hängen aber von den fachlich-medizinischen Empfehlungen der Gesundheitsbehörden ab. Das sind keine politischen Entscheidungen." Zudem befinde sich Salzburg nach wie vor in einem aufrechten Lockdown.

Hallein gilt als Salzburgs Problembezirk

Als der Problembezirk im Bundesland gilt aktuell der Bezirk Hallein (Tennengau), die höchste Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner unter den Kommunen weist weiterhin die Kleinstgemeinde Hintersee im Flachgau aus. In den Krankenhäusern ist die Lage unterdessen stabil. In Spitalbehandlung befanden sich am Donnerstag 140 Corona-Patienten, davon 16 auf Intensivstationen, diese Zahlen sind im Vergleich zu Ende Dezember gesunken. Bisher sind in Salzburg 349 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben.

Je nach Zählweise sind in Salzburg bisher rund 30.000 Personen mit dem Coronavirus infiziert gewesen oder aktuell infiziert. Damit war seit Ausbruch der Epidemie jeder zwanzigste Bürger im Bundesland betroffen.

(Quelle: APA)

Was wir bislang über die Corona-Mutation wissen

Richard Greil APA/VERA REITER
Richard Greil, Leiter der 3. Medizin des Uniklinikums Salzburg, ist im Bundesland der Experte für das neuartige Coronavirus.

Wissenschaft und Politik zeigen sich angesichts der britischen Corona-Mutation "B.1.1.7" besorgt. Die Hinweise darauf, dass die Variante mit ihren zahlreichen Mutationen deutlich infektiöser ist, werden immer zahlreicher. Wir haben mit Mediziner Richard Greil von den Salzburger Landeskliniken darüber gesprochen.

Mutationen sind bei Viren keine Besonderheit, denn sie finden ständig statt. Dabei verändert sich das Erbgut des Erregers, um sich an seine Umwelt anpassen zu können. Im Fall des neuartigen Coronavirus wurden inzwischen mehr als 300.000 unterschiedliche Mutationen nachgewiesen.

SALZBURG24: Herr Prof. Dr. Greil, was können Sie bislang zur Mutation "B.1.1.7" sagen?

Richard Greil: In Großbritannien dürfte die Mutation bereits bei mehr als 50 Prozent aller aktuellen Neuinfektionen aufgetreten sein. Mittlerweile ist "B.1.1.7" in fast ganz Europa nachgewiesen worden. Diese Mutation ist deutlich infektiöser – nämlich um bis zu 70 Prozent. Die Mutation scheint aber keinen schwereren Verlauf mit sich zu bringen. Zumindest geht das aus den bisherigen Daten hervor. Dennoch bedeutet dies eine höhere Ansteckungsrate, was zu einer höheren Belastung in Spitälern führen wird.

Wir müssen mit einem massiven Anstieg rechnen, zumal die Mutation nach derzeitigem Kenntnisstand auch häufiger bei Kindern beobachtet worden ist. Jedoch kann ein PCR-Test nicht zwischen einer herkömmlichen Corona-Infektion und einer Mutation unterscheiden.

Und wie kann man das unterscheiden?

Um eine Mutation festzustellen, müssen die RNA-Sequenzen eigens im Labor untersucht werden. Anschließend kann sie mit dem ursprünglichen Coronavirus-Genom oder seinen Mutationen verglichen werden. Dass ein Virus sich verändert und mutiert, ist normal.

SB: Richard Greil, Landesklinik Uniklinikum Salzburg | SALK
Richard Greil ist im Land Salzburg der Experte für das neuartige Coronavirus.

Könnten die aktuell hohen Infektionszahlen in Salzburg auf das mutierte Virus zurückzuführen sein?

Das wird sich erst zeigen. In Österreich war es bis dato nicht üblich, dass positive Corona-Proben systematisch sequenziert und auf Mutationen hin untersucht werden. Die AGES hat bereits angekündigt, das nun zu ändern und die Sequenzierungsrate zu erhöhen. Aus Salzburg werden wir zudem diese Woche noch Material für eine Sequenzierung einschicken, um mehr Klarheit über das Infektionsgeschehen im Bundesland zu erhalten.

Ist die Impfung gegen das Coronavirus trotz Mutation wirksam?

Das ist sehr wahrscheinlich. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Impfung nicht wirksam bei der Mutation ist. Dennoch wird das Ausrollen der Impfkampagne in Österreich sehr zeitintensiv sein. Um vulnerable Gruppen zu schützen, sind 30.000 bis 40.000 Impfungen pro Tag nötig und davon sind wir sehr weit entfernt. Mund-Nasen-Schutz, Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln werden uns trotz des Impfstarts vorerst weiter im Alltag begleiten.

Coronavirus Pixabay
(SYMBOLBILD)

Fast 400 Corona-Neuinfektionen in Salzburg

In Österreich wurden am Montag laut Innen- und Gesundheitsministerium 2.540 Coronavirus-Neuinfektionen verzeichnet. 378 neue Fälle kamen in Salzburg dazu.

Ist die Sorge vor einer dritten Welle berechtigt?

Es ist noch zu früh, um darüber eine seriöse Aussage zu treffen. Man sollte sich in der letzten Woche des aktuellen Lockdowns die Entwicklung der Fallzahlen und die Situation in den Spitälern anschauen. Erst dann kann abgeschätzt werden, wie sich das Infektionsgeschehen möglicherweise entwickelt. Dennoch ist die Infektionsrate derzeit sehr hoch – und das trotz eines Lockdowns. Wir müssen in Österreich unter die Marke von 1.000 Neuinfektionen (2.540 neue Fälle am 7. Jänner, Anm.) pro Tag kommen, das ist das Ziel.

Vielen Dank für das Gespräch.

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