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Salzburger Arzt erklärt

Corona-Krise: „Nächsten 14 Tage sind entscheidend“

Mediziner Christoph Dachs über Covid-19-Situation

Sonntags-Talk Christoph Dachs SALZBURG24/Wurzer
Christoph Dachs (re.) gibt seine Einschätzung zur aktuellen Covid-19-Lage (Archivbild).

Der Salzburger Allgemeinmediziner Christoph Dachs sieht sich wie viele Berufskollegen durch die Corona-Krise derzeit mit einer außergewöhnlichen Situation konfrontiert. Im SALZBURG24-Interview schildert der 60-Jährige seine veränderten Arbeitsbedingungen, erklärt die besondere Gefahr des Covid-19 und gibt seine Einschätzung, wie es im Kampf gegen das Coronavirus weitergehen wird.

SALZBURG24: Wie gut ist das Gesundheitssystem auf die Corona-Krise vorbereitet?

CHRISTOPH DACHS: Es ist ganz wichtig, dass wir im Gesundheitssystem jetzt zusammenstehen und die Bevölkerung gut versorgen. Wir haben ja nicht nur Coronavirus-Patienten zu betreuen. Es ist daher wichtig, dass wir unsere Basisversorgung auf hohem Niveau aufrechterhalten können.

Wir befinden uns derzeit in einer besonderen Situation, in der wir Mediziner uns selbst und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch schützen müssen. Wir sind im Moment besonders vorsichtig, wie wir mit unseren Patienten umgehen. Hinter jedem infektiösen Patienten kann theoretisch ein Coronavirus-Erkrankter stecken.

Von der Sozialversicherung wurden uns einige bürokratische Dinge erleichtert: Wir können Rezepte ohne Patientenkontakt ausstellen, können Krankschreibungen telefonisch veranlassen. So können wir den Patientenkontakt auf ein Minimum reduzieren.

Wie hat sich Ihr Alltag als Hausarzt in der aktuellen Situation verändert?

Wir haben die Patienten dazu aufgerufen, uns primär telefonisch zu kontaktieren. Ich bin derzeit also viel am Telefonieren. Es kommen nur Patienten zu uns, die eine ärztliche Betreuung wirklich dringend brauchen.

Für uns wird es schwierig werden, wenn wir Patienten mit Coronavirus-Verdacht haben, denen es zuhause schlecht geht. Derzeit kümmern sich Rot-Kreuz-Teams um solche Fälle, wird die Zahl dieser Patienten aber mehr werden, werden auch wir Hausärzte solche Visiten machen. Dafür benötigten wir aber eine ordentliche Schutzausrüstung, die wir im großen Stil noch nicht haben. Diese Schutzausrüstung ist derzeit aber sehr schwierig zu bekommen.

Welchem Zweck dienen die Ausgangsbeschränkungen genau?

Wir versuchen dadurch die Ausbreitung des Virus in Österreich zu verlangsamen, denn verhindern können wir sie wahrscheinlich nicht. Wir müssen die Ausbreitung deshalb verzögern, damit wir so wenig wie möglich Erkrankungen auf einen Schlag haben. Erkranken viele Menschen auf einmal, benötigen sie sehr schnell sehr viel ärztliche Versorgung. Das würde unser Gesundheitssystem über den Rand unserer Kapazitäten bringen.

Eine solche Situation erleben wir gerade in Italien. Dort müssen die Mediziner entscheiden, wen sie behandeln und wen sie sterben lassen müssen. Das ist auch für uns Ärzte aus ethischer Sicht eine sehr, sehr schwere Situation. In Österreich wollen wir das verhindern.

Sind aus medizinischer Sicht die richtigen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus eingeleitet worden?

Ich denke, wir dürfen ein bisschen stolz sein, wie das Ganze bisher gemanagt wurde. Vor zwei Wochen haben wir die Situation vielleicht noch ein bisschen unterschätzt und die Ausmaße nicht kommen sehen. Wir haben dann aber relativ rasch Maßnahmen gesetzt und umgesetzt.

Was unterscheidet das Covid-19 von anderen Erkrankungen?

Das Covid-19 ist eine Mutation eines von vielen bekannten Coronaviren, die auch im Tierreich sehr verbreitet sind. Deshalb nimmt man auch an, dass es von Tieren übertragen wurde. Es breitet sich sehr rasch aus und wird weltweit zu Infektionen führen.

Es handelt sich hier um ein neues Virus, mit dem das menschliche Immunsystem noch nie konfrontiert wurde. Das bedeutet, dass sich erst langsam Antikörper bilden werden. Erst wenn es genügend Menschen gibt, bei denen sich solche Antikörper gebildet haben, wird sich das Virus nicht mehr ausbreiten.

Eines ist jetzt aber wichtig: Wir müssen die Panik aus dieser ganzen Geschichte herausnehmen! Gefährlich ist das Coronavirus für ältere Menschen ab 65 oder 70 Jahren und für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz- und Lungenerkrankungen oder einer Immunschwäche. Diese können durch die Krankheit sehr rasch an den Rand kommen und sterben.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich befürchte, dass jemand in meinem Haus mit dem Coronavirus infiziert ist?

Wenn nur irgendwo der Verdacht besteht, dass eine Coronavirus-Erkrankung vorliegt, ist es ganz wichtig zuhause zu bleiben und die Gesundheitsnummer 1450 zu rufen. Erhärtet sich der Verdacht, wird ein Team kommen, das einen Abstrich macht. Alternativ gibt es die Möglichkeit, zu einem "Corona-Drive-In" zu fahren. Aber auch das muss angemeldet werden.

Welche Symptome treten konkret beim Coronavirus auf?

In der Regel treten bei jedem Patienten ähnliche Symptome auf: Fieber, Husten und Atemnot. Das geht oft relativ rasch binnen weniger Stunden. Ein Schnupfen ist kein typisches Anzeichen für eine Coronavirus-Erkrankung, sondern deutet eher auf ein normales Virus hin.

Das Coronavirus schädigt die Lunge. Es nimmt in den Lungenbläschen eine Barriere weg, was wiederum zu einem verminderten Sauerstoffaustausch führt. Das führt dazu, dass Menschen Atemnot entwickeln, in wenigen Fällen beatmet werden müssen und im Schlimmsten Fall sterben. Nur sechs Prozent der Erkrankten sind intensivmedizinisch zu betreuen. Bei den meisten Menschen, vor allem im jüngeren und mittleren Alter, verläuft die Erkrankung allerdings sehr mild.

Wie funktioniert das Zusammenleben mit einer Person in Quarantäne, die positiv auf Covid-19 getestet wurde?

Lebt man mit jemandem zusammen, bei dem die Krankheit ausgebrochen ist, muss davon ausgehen, dass man selbst ebenso infiziert ist. In diesem Fall würden beide in Quarantäne kommen. Ist es nicht klar, ob man angesteckt wurde, sollte man sich vom anderen separieren, auf die Hygiene achten. Ob man eine Ansteckung dadurch vermeiden kann, ist eine andere Geschichte.

Wenn ich das Coronavirus überstanden habe, bin ich dann dagegen immun und kann ich nach zweiwöchiger Quarantäne wieder vor die Türe gehen?

Wenn die Erkrankung überstanden ist, ist man kein Virusträger mehr und kann vor die Türe gehen. Man ist auch wahrscheinlich – das muss man so vorsichtig sagen – dagegen immun. Angeblich gab es aber auch Fälle, wo Menschen abermals infiziert wurden. Wir gehen aber davon aus, dass die meisten Menschen nach einer Erkrankung immun sind.

 

Derzeit wird an einer Impfung gegen das Coronavirus gearbeitet.

Eines kann man sagen: Für die aktuelle Pandemie wird es keinen Impfstoff mehr geben. Selbst wenn ein Impfstoff demnächst auf den Markt kommen würde, müsste dieser erst klinische Studien durchlaufen und getestet werden, ob er wirklich sicher ist. Es wäre eine Katastrophe, wäre es kein sicherer Impfstoff und wir damit mehr Schaden anrichten als Nutzen. Auch Medikamente müssten erst getestet werden. Das dauert Monate.

Diese Pandemie müssen wir aussitzen. Es kann durchaus sein, dass das Coronavirus auch nächstes Jahr, ähnlich wie die Grippe, wieder auftauchen wird. Da wird dann entscheidend sein, ob wir einen Impfstoff dagegen haben werden oder nicht.

Können Sie uns einen Ausblick auf die kommenden Tage und Wochen geben? Worauf stellen Sie sich ein?

Es ist ganz schwierig abzuschätzen. Meine persönliche Einschätzung ist, dass die nächsten 14 Tage entscheidend sein werden. Dann werden wir sehen, ob die aktuellen Maßnahmen greifen oder eben nicht. Wir werden auch sehen, wie die Entwicklungskurve der Coronavirus-Erkrankten abflacht. Covid-19 wird uns sicherlich die nächsten Wochen bis Monate beschäftigen.

Vielen Dank für das Gespräch.

(Quelle: SALZBURG24)

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