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Neuer Exoplanet TOI 700 d

"Ohne Enterprise wird das wohl nichts"

Salzburger Astronom über "zweite Erde"

Galaxie, Sterne, Milchstraße, SB APA/AFP/NASA/HO
Außerhalb unseres Sonnensystems wurde der erste erdähnliche Planet gefunden. (SYMBOLBILD)

Der Satellit TESS hat seinen ersten Erfolg gelandet und einen Exoplaneten gefunden. Für den Salzburger Astronomen Helmut Windhager ist die Entdeckung eine Sensation. Warum man den Fund trotzdem nicht überbewerten sollte, erklärt er im Gespräch mit SALZBURG24.

Exoplaneten wurden in den letzten Jahrzehnten schon viele gefunden. Die ersten bereits in den 1990er-Jahren, bevor 1995 der erste Himmelskörper außerhalb unserers Sonnensystems bestätigt wurde, der ebenfalls um eine Sonne kreist.

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Gepostet von SALZBURG24 am Dienstag, 7. Januar 2020

Niemand hat neuen Planeten wirklich gesehen

„Früher hat man vor allem sehr große Exoplaneten gefunden. Man hat dabei auf Helligkeitsschwankungen geschaut. Diese war immer dann da, wenn der Planet vor der Sonne vorbeigegangen ist und sie ein klein wenig abgedunkelt hat“, erläutert Helmut Windhager. Mittlerweile arbeiten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter mit der Spektralverschiebung oder auch Rotverschiebung. „Wenn ein Planet um die Sonne kreist, dann ist der Schwerpunkt nicht genau in der Sonne drinnen, sondern etwas verschoben. Dadurch eiert die Sonne und das Farbspektrum des Lichts ändert sich.“ Wenn sie sich in unsere Richtung bewegt, verschiebt sich das ins Blaue, wenn sie sich wegbewegt ins Rote.

Diese Spektralanalysen könne man auch in der Sternwarte in Salzburg durchführen. Windhager betont jedoch, dass man den Planeten zwar entdeckt, aber noch niemand ihn gesehen hätte. „Man hat ihn nur nachgewiesen, weil seine Sonne auf ihn reagiert“, führt der Astronom aus.

hdn_sternwarte_4.jpg Neumayr/Archiv
Der Salzburger Astronom Helmut Windhager ist Leiter der ehrenamtlichen Arbeitsgruppe Astronomie des Hauses der Natur und war maßgeblich an der Umsetzung der neuen VEGA-Sternwarte am Haunsberg beteiligt. 

Reise zu TOI 700 d würde 1 Million Jahre dauern

Für ihn war klar, dass TESS früher oder später auf einen solchen Planeten stoßen würde. Allerdings laufe uns die Zeit davon, um dort auch hinzureisen. „Wir sind einfach zu langsam, ohne Enterprise wird das wohl nichts.“

100 Lichtjahre ist der Exoplanet von uns entfernt. Selbst mit den schnellsten Raumschiffen, die es derzeit gebe, würde eine Reise dorthin eine Million Jahre dauern. „Die Raumschiffe schaffen 30 Kilometer pro Sekunde, das sind etwa 100.000 km/h. Das Licht schafft 300.000 Kilometer in der Sekunde.“

"Höheres Leben nicht auszuschließen"

Die eigentliche Sensation sei jedoch, dass der Planet der Erde so ähnlich ist. Zumindest rechnerisch kann es flüssiges Wasser geben, von der Anziehungskraft und den Magnetfeldern her könnte es auch passen. Zudem befindet er sich in der bewohnbaren Zone. In unserem Sonnensystem trifft das nur auf die Erde zu, der Bereich ist also sehr klein.

Theoretisch sei deshalb möglich, dass es auf TOI 700 d bereits Leben gibt. Wobei das wohl Viren, Mikroben oder Bakterien sind. „Es ist nicht auszuschließen, dass es höheres Leben gibt. Das können wir aber auf die Distanz nicht auf die Schnelle überprüfen.“

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Immer gleicher Teil sonnig

Ein gewisser Nachteil sei die gebundene Rotation: Er zeigt der Sonne immer die gleiche Seite. Ein Tag ist genauso lange wie ein Jahr. Er braucht für einen Umlauf 37 Tage, für die Rotation um die eigene Achse aber auch. „Da altert man schnell, wenn ein Jahr nur 37 Tage hat“, meint Windhager schmunzelnd.

Damit ist es auf einer Seite immer warm, auf der anderen immer kalt. Am ehesten bewohnbar sei der Planet deshalb wohl an den Übergängen zwischen Licht und Schatten, sagt der Experte.

 

Exoplanet-Entdeckung nicht überbewerten

Trotz allem dürfe man diese Entdeckung nicht überbewerten. 100 Lichtjahre seien immer noch ein „völlig unüberwindbares Hindernis“, bekräftigt Windhager. „Aber es zeigt uns, dass wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht alleine sind im Universum. Das wäre auch eine Verschwendung, das ganze Theater nur für uns.“

(Quelle: SALZBURG24)

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