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Branche schreit auf

Gastro-Lockdown trifft Salzburgs Brauereien schwer

Warum Bier nicht verderben kann

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Wann wird in der Gastronomie wieder Bier gezapft? (SYMBOLBILD)

Viele Salzburger Brauereien sind extrem abhängig von der Gastronomie. Da nun bekannt wurde, dass diese frühestens zu Ostern aufmachen darf, geht das Bangen weiter. Wir haben uns unter Salzburgs Brauereien aller Größen umgehört, wie es ihnen in diesen herausfordernden Zeiten ergeht.

Die Brauerei-Branche leidet als einer der größten Zulieferer extrem unter der Verlängerung des Gastro-Lockdowns bis Ostern. Für einige Salzburger Brauer sind Restaurants, Skihütten und andere Tourismus-Betriebe schließlich die Hauptabnehmer. Viel bereits im Herbst ausgeliefertes Bier wurde von den Lokalen sogar wieder an die Hersteller zurückgeschickt. Wir haben bei vier unterschiedlich großen Salzburger Brauereien nachgefragt, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben.

Größte Privatbrauerei schwer getroffen

„Die Gastro-Kunden sind für uns ein enorm wichtiges Standbein. Der verlängerte Lockdown in der Gastronomie trifft unsere Kunden hart und damit natürlich auch uns“, lässt Stiegl-Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb, Thomas Gerbl, in einem Statement wissen. Die größte Privatbrauerei Österreichs ist landesweit im Einzelhandel gelistet. „Wir können jedoch das Minus aus der Gastronomie im Handel bei weitem nicht wettmachen“, stellt Gerbl klar.

Stiegl unterstützt Gastronomen

Da Stiegl als Zulieferer von seinen Kunden abhängig ist, versuche man diese am Leben zu halten und so gut wie möglich zu unterstützen. „Bedenkt man, dass viele unserer Kunden vom (Winter-) Tourismus leben, dann tut dieser Komplettausfall natürlich besonders weh“, so Gerbl. Besonders wichtig sei daher Verständnis und die Kommunikation mit den Gastronomen.

 

Bier nachhaltig entsorgen

Da Stiegl, wie viele andere Brauereien, bereits im Herbst Hüttenwirte im ganzen Land mit Bier eingedeckt hat, muss dieses nun unglücklicherweise wieder retour. Diese Rückholaktion gestalte sich extrem aufwendig. „In Situationen wie diesen braucht es Innovation und Kreativität und man muss aus der Not eine Tugend machen. Wir haben uns einiges einfallen lassen", verrät Gerbl. "Unter anderem arbeiten wir in Salzburg mit ‚Frauen anders kompetent‘ an einem gemeinsamen Kreislaufwirtschaftsprojekt. Der Verein verwertet einen Teil des zurückgenommenen Bieres und macht daraus Take-Away-Artikel wie Bier-Chutney oder Brot-Bier-Suppen."

"Schlag ins Gesicht"

Auch in Obertrum (Flachgau) kam die Verlängerung des Gastro-Lockdowns nicht gut an. „Es ist ein Schlag ins Gesicht und sehr frustrierend“, sagt Eigentümer der Trumer Privatbrauerei Seppi Sigl im Gespräch mit SALZBURG24. Kein Wunder, immerhin nimmt die Gastronomie einen Anteil von über 80 Prozent vom Trumer-Gesamtausstoß ein. Als Gegenmaßnahme erhöhte die Flachgauer Brauerei geringfügig ihren Anteil im Einzelhandel.

20120312_PD0893.HR.jpg APA/HERBERT PFARRHOFER
Der Brauereiverband fordert, die Gastronomie ehestmöglich wieder zu öffnen. (SYMBOLBILD)

Brauer hoffen auf baldige Gastro-Öffnung

Im monatelangen Lockdown leiden die Wirte besonders, und mit ihnen die wichtigsten Zulieferer, die Bierbrauer. Weil während der Schließzeit kein Bier gezapft werden kann, kommt vor allem aus …

Kreative Lösungen für Gastro-Öffnung

Das sei allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Weshalb Sigl eine Öffnung der Gastronomie fordert: „Es braucht jetzt mutige und kreative Lösungen für eine sichere Öffnung. Natürlich mit hohen Sicherheits-Schritten.“ Geschlossen halten sei keine Lösung. Besonders die Perspektivlosigkeit ist für Sigl ein absolutes „No go“. Generell fühlt er sich bzw. die gesamte Branche zu wenig gehört. Bei einem so hohen Gastro-Anteil zählt Trumer eigentlich als Gastro-Zulieferer und würde einen Zuschuss bekommen. „Aber das ist alles etwas undurchsichtig, weil wir auch einen geringen Teil über Händler vertreiben“, seufzt Sigl.

Trumer hält Gastronomie die Treue

Trotz all der Widrigkeiten, wie etwa einem Absatz-Minus von 80 Prozent durch die Corona-Pandemie, weicht die familiengeführte Privatbrauerei nicht vom Weg ab. „Wir stehen zur Strategie und halten an der Gastronomie fest“, stellt Sigl klar. „Ich spüre, dass es der richtige Weg ist“, meint der Familienvater. Damit spricht er auch das nachhaltige Generationendenken seines Betriebes an, das weit über das Thema Bier hinausgeht. Für die Familie Sigl eine Grundsatzentscheidung, von der man auch in der Pandemie nicht abgehen will.

Kaum Tourismus im Pinzgau

Eine Nummer kleiner, dadurch auch wendiger und flexibler ist das Pinzgau Bräu in Bruck an der Glocknerstraße. Trotzdem schmerzt Eigentümer Hans Peter Hochstaffl der Gastro-Lockdown. „Wir verkaufen im Normalfall 70 Prozent an regionale Hotels, Skihütten oder Lokale“, schildert „Staff“ gegenüber S24. Besonders der Totalausfall des Wintertourismus im Pinzgau hat den Ausstoß im Jänner 2021 um die Hälfte verringert. „Touristen sind sonst auf unsere Biere in Hütten und in Hotels aufmerksam geworden und kamen dann auch direkt bei uns vorbei zum Einkaufen“, erzählt Hochstaffl. Scheinbar muss es ihnen das Pinzgauer Bier besonders angetan haben, denn viele Wiener, Deutsche oder Holländer haben im Lockdown online bestellt.

 

Glückliches Händchen bewiesen

Da war es von Vorteil, dass sich Hochstaffl mit dem Salzburger Bierhändler Kalea schon früh einen Partner für den Onlineversand geholt hat. Zusätzlich hat der 51-Jährige im Herbst ein glückliches Händchen bewiesen, in dem er sich bei regionalen Filialen der Supermarktkette Spar listen ließ. „Das war absolut die richtige Entscheidung. Auch weil man als Regionalprodukt viel bessere Konditionen bekommt“, weiß der Brauer. Zusätzlich erfreue sich sein Shop bei den Einheimischen größter Beliebtheit.

Zuversichtlich in den Sommer

„Jetzt darf ich mich nur nicht verzetteln. Denn wenn die Gastro wieder aufsperrt, könnte es sein, dass ich dann mit dem Liefern nicht mehr nachkomme“, geht Hochstaffl von einem „normalen“ Sommergeschäft aus. Von seinen alpinen Gastro-Partnern hat er teilweise ganze Hänger-Ladungen seines Bieres zurückbekommen, da die Gäste ausblieben. „Da werden wir uns sicher einig, wie wir das mit dem Umsatzersatz gemeinsam lösen. Happy war ich, wie gut das gereifte Bier noch war.“

Gastronomen springen ab

Die Bierqualität passt auch bei „Woif Biersieder“ alias Wolfgang Hartl aus Seekirchen (Flachgau). Er ist ein sogenannter Wanderbrauer, der sich bei anderen Brauereien einmietet, um dort seine Craftbiere brauen zu lassen. In seinem Fall bei Loncium in Kärnten. Er verkauft normalerweise die Hälfte seines Bieres an die Gastronomie. Der Controller, der sein Brauereiprojekt nebenberuflich führt, befürchtet sogar, dass ihm nach dem Lockdown Kunden abspringen könnten. „Es kommt auf die Größe der Lokale an. Ich glaube, dass sich einige anpassen und ihr Profil schärfen werden. Gerade die kleineren werden sich nicht mit Craftbieren auseinandersetzten, sondern auf bekannte größere Marken setzen.“ Das täte doppelt weh, weil er sich seinen Kundenstamm in den letzten Jahren mühevoll aufgebaut hat.

Der private Konsum geht zurück

Generell beobachtet „Woif“ seit Weihnachten einen Einbruch im privaten Bierkonsum, weil auch private Feiern und das Genuss-Thema in der Fastenzeit wegfallen. „Glücklicherweise habe ich vor Weihnachten noch Großaufträge reinbekommen. So konnte ich mein Lager leeren und wieder neues Bier in Produktion geben. Dafür muss ich immerhin zwei Monate Vorlaufzeit einplanen“, erklärt der Seekirchner. Seine „Kleinheit“ käme ihm da aber zugute.

Der "Woif" plant schon für Weihnachten

Mit dem Bier, das noch übrig blieb und am Rande des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) ist, plant Hartl bereits für Weihnachten. „Es wird veredelt.“ In dem er es ausfriert, kreiert er einen sogenannten Eisbock, der um ein vielfaches stärker und aromatischer wird als das Ausgangsbier. Eine deutlich elegantere Lösung als das Bier zu entsorgen.

Wenn -5 Grad Außentemperatur noch nicht genug sind! ????❄️???? . #kreativbier #eis #überraschung #surprise #craftbier...

Gepostet von WOIF am Samstag, 13. Februar 2021

Bier kann nicht verderben

In den letzten Wochen wurde immer wieder berichtet, dass unzählige Hektoliter Bier vernichtet wurden, weil es sonst verderben würde. Das ist nicht nur sehr schade, sondern auch falsch. Denn Bier kann streng genommen gar nicht verderben. Da es im Brauprozess gekocht wird, Alkohol und Hopfen (wirkt antibakteriell) enthält, können keine pathogenen Keime darin wachsen. Es kann also gesundheitlich nicht schaden. Da Bier ein Naturprodukt ist, verändert es sich allerdings stetig und verändert mit der Alterung den Geschmack. Was bei Bieren über 6,5 Prozent Alkohol durchaus zu wünschenswerten angenehmen Effekten führen kann, aber bei leichteren Bieren eher unerwünscht ist.

Bierqualität bleibt erhalten

Der Hauptgrund für die Vernichtung oder Umwandlung von Bier in Brand oder Essig ist das überschrittene MHD, das bei filtrierten Bieren meist sechs bis zehn Monate lang gültig ist. Bei Unfiltrierten deutlich kürzer. Biere über dem MHD sind qualitativ nicht zwangsweise schlechter, dürfen aber nicht mehr ohne Kennzeichnung in den Verkehr gebracht werden. Laut S24-Informationen haben Brauereien sogar eine gesetzliche MHD-Verlängerung für filtrierte Biere zugesagt bekommen. Diese halten, besonders im Fass, sehr lange ihre Qualität. Biertrinker können sich somit bedenkenlos auf ein gezapftes Bier freuen, sobald dies wieder möglich ist.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 09.05.2021 um 01:02 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburger-brauereien-schwer-von-gastro-lockdown-betroffen-99961675

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