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Wolfgang Fankhauser

Salzburger Extrem-Ruderer durchquert Atlantik

"Es ist härter als erwartet"

4.800 Kilometer über den Atlantik rudern? Nur mit Muskelkraft und alleine an einem Stück? Wolfgang Fankhauser will das schaffen und ist seit knapp einem Monat auf See und spricht mit uns per Satelitentelefon über die Höllen-Tour, den Gedanken über einen Abbruch und warum er sich nach einer Leberkässemmel sehnt.

Salzburg

Die Atlantic Challenge, bei der Ruderer seit 2011 jedes Jahr im Dezember 4.800 Kilometer von Gomera über den Atlantik nach Antigua rudern, zählt zu den härtesten Ruderrennen der Welt. Wolfgang Fankhauser – genannt Dewey – will als erster Salzburger den Atlantischen Ozean nur mithilfe eines Ruderbootes überqueren. Von insgesamt 4.800 Kilometern hat der 38-Jährige bereits 2.130 Kilometer hinter sich gebracht und ist bei dem Solo-Rennen auf Rang drei. Mit uns hat er per Satellitentelefon über die Mega-Challenge gesprochen.

Salzburger Extrem-Ruderer im Interview

SALZBURG24: Dewey, wie geht es dir nach knapp einem Monat rudern am Stück?

WOLFGANG FANKHAUSER: Danke, körperlich sowie psychisch geht es mir eigentlich ganz gut – und sogar besser als erwartet. Ich habe auf den Händen zum Glück kaum Wunden und fühle mich im Großen und Ganzen fit. Auch wenn ich in den letzten 30 Stunden rund 20 bis 25 Minuten geschlafen habe. Derzeit ist es hier echt stürmisch und ich komme kaum zur Ruhe.

Wie kann man sich das vorstellen?

Ich rudere pro Tag rund 18 Stunden durch und plane sechs Stunden Schlaf am Stück ein. Wenn aber dann der Sturm so heftig ist und die Wellen auf das Ruderboot treffen, glaubt man, dass es nun vorbei ist. Es fühlt sich wie in einem Joghurtbecher an – einfach richtig laut. Da kann man beim besten Willen nicht schlafen und regenerieren.

Sind das die größten Herausforderungen bisher?

Auf jeden Fall ist die Müdigkeit ein Hauptthema. Aber auch das einseitige Fertig-Essen aus Beuteln sowie das Trinken macht mir zu schaffen. Rund sechs Liter Wasser sollte ich pro Tag zu mir nehmen, derzeit schaffe ich knapp drei Liter. Das wirkt sich dann natürlich auf die körperliche Verfassung aus.

Und wie sieht es mental aus? Hast du schon über das Aufgeben nachgedacht?

Ich habe mir das alles echt nicht so schwierig vorgestellt. Jeden Tag aufs Neue muss ich mich neu motivieren um aufzustehen. Aber mir geht es mental ganz gut, auch wenn mir die Nässe und die genannten Herausforderungen kleine Probleme bereiten. Mit den Gedanken nach einem Abbruch habe ich nur zu Beginn des Rennens gespielt. Da ist ein Kabel beim Solarpanel defekt gewesen und ich hatte für die elektrischen Systeme wie GPS und Wasseraufbereitung keine Stromzufuhr. Das Wort Aufgeben ist allerdings nicht in meinem Wortschatz vorhanden, auch wenn ich mich die ersten zehn Tage gefragt habe, was ich hier eigentlich mache.

Achtung. Nichts für schwache Nerven und nichts für die, die gerade gegessen haben! #Reality Ein Video von einem 3er Team @broaratlantic. Ich würde sagen, so sieht der „real shit“ da draußen aus! Einer isst, einer filmt, einer kotzt. #mentalstrenght #godewey #wecantimagine www.d73000miles.com/spenden

Gepostet von D7 3000 Miles across the Atlantic am Sonntag, 5. Januar 2020

Warum nimmst du diese enorme Qual auf dich?

Zunächst weil ich damit die Salzburger Kinderkrebshilfe unterstützen möchte, Leute motivieren und zeigen will, dass man all seine Ziele erreichen kann. Der Erlös sowie alle Gelder, die mich erreichen und über meinen Kosten liegen, spende ich an die Salzburger Kinderkrebshilfe. Mein Ziel sind mindestens 50.000 Euro.

Wonach sehnst du dich auf hoher See am meisten?

Nach richtigem Essen. Ein geiles Leberkässemmel, Schnitzel oder einfach nur Würstel wären richtig fein. Zudem fehlt mir hier der direkte Kontakt zu Menschen. Ganz alleine auf Tour zu sein, ist schon richtig hart. 

Wie schaut deine Kommunikation mit Zuhause aus?

Meine Nummer vom Satellitentelefon haben nur ganz wenige Leute. Ich spreche eigentlich nur mit meiner Freundin Julia und meinem Segler-Freund Manfred Tennsdedt. Julia liest mir immer wieder die aufmunternden Worte auf Facebook vor und spricht mir gut zu. Das tut richtig gut. Manfred spielt auch eine wichtige Rolle, er versorgt mich regelmäßig mit Tipps und den aktuellen Wetterdaten. Ich will nicht, dass mich hier irgendwelche traurige Nachrichten erreichen – so etwas brauche ich hier gar nicht.

Geht sich dein Zeitplan, den Atlantik in 40 Tagen zu durchqueren, noch aus?

Leider nein. Ich rechne, dass ich insgesamt 50 bis 55 Tage brauchen werde. Also Anfang bis Mitte Februar sollte ich in Antigua ankommen. 

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die restlichen Kilometer, Dewey.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 17.05.2021 um 10:15 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburger-extrem-ruderer-durchquert-atlantik-81757882

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