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AMS-Chefin im Gespräch

Salzburger Firmen finden keine Mitarbeiter

Fachkräftemangel, Langzeitarbeitslose und offene Lehrstellen

AMS, Arbeitslosigkeit, Arbeitssuche, SB NEUMAYR/MMV/Archiv
Es sei derzeit in gewissen Branchen schwierig für die Unternehmen, Arbeitskräfte zu finden, da es fast keine Arbeitskräfte gebe. (SYMBOLBILD)

Auch wenn Salzburg aktuell das Bundesland mit der niedrigsten Arbeitslosenquote ist, sei das kein Zeichen einer Entspannung: "Das Niveau am Arbeitsmarkt ist wieder wie vor Corona", sagt Salzburgs AMS-Chefin Jacqueline Beyer zu SALZBURG24. Schärfere Sanktionen, um "Arbeitslose zu motivieren", hält sie nicht für nötig.

Die am Sonntag von Arbeitsminister Martin Kocher angekündigten Sanktionen im Zusammenhang mit Langzeitarbeitslosen seien nichts Neues, genauso wenig wie die Zumutbarkeit von Jobs: "Das ist in Ordnung so wie es ist und sollte auch nicht verschärft werden", sagt Salzburgs AMS-Chefin am Montag im Telefon-Interview mit S24 dazu. Man müsse künftig jedoch "konsequenter durchgreifen, weil es unfair gegenüber Menschen ist, die sich aktiv um Arbeit bemühen." Mögliche Hebel seien Sanktionen beim Arbeitslosengeld oder der Notstandshilfe: "Das Arbeitslosengeld oder die Notstandshilfe können bei der Verweigerung einer zumutbaren Arbeit sechs Wochen, im Wiederholungsfall acht Wochen gestrichen werden", heißt es dazu seitens des Arbeitsministeriums. Dadurch sollen wieder mehr Arbeitskräfte vermittelt werden können.

Kocher: "Waren in der Krise etwas nachsichtiger"
Arbeitsminister Martin Kocher anl. eines Arbeitsmarktgipfel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) am Montag 31. Mai 2021 in Wien.

Sanktionen sollen Arbeitslose "motivieren"

Arbeitsminister Martin Kocher will die Arbeitslosigkeit bekämpfen, indem vor allem in Bereichen mit hohem Arbeitskräftemangel wie dem Tourismus konsequenter vermittelt wird.

Lage am Salzburger Arbeitsmarkt

Im Land Salzburg ist die Arbeitslosigkeit mit 3,9 Prozent niedriger als noch vor der Corona-Pandemie, "wobei die Kurzarbeit hierbei noch reinspielt", so Beyer. Zwar ist die Arbeitslosigkeit im wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus am stärksten gesunken, dennoch gibt es viele offene Stellen. Es sei derzeit in gewissen Branchen schwierig für die Unternehmen, Arbeitskräfte zu finden, da es fast keine Arbeitskräfte gebe. "Der Tourismus in Salzburg hat 15 Prozent der Mitarbeitenden verloren, die jetzt woanders sind", rechnet Beyer vor.

Zudem macht sich das Fehlen der ausländischen Arbeitskräfte bemerkbar: "Normalerweise akquirieren wir in 19 verschiedenen Ländern Saisonarbeitskräfte, doch wegen Corona und den unterschiedlichen Reisebeschränkungen ist auch hier ein großes Loch entstanden."

Arbeitslosigkeit APA/GEORG HOCHMUTH
(SYMBOLBILD)

Arbeitslosigkeit in Salzburg fast halbiert

Die Sommersaison und der weitgehende Wegfall der Corona-Einschränkungen machen sich auf dem Salzburger Arbeitsmarkt mit der bundesweit niedrigsten Arbeitslosenquote bemerkbar.

"Überproportional viele" Langzeitarbeitslose

Mit einem Rückgang von 45,6 Prozent bzw. minus 9.092 Personen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres hat der Salzburger Arbeitsmarkt Ende Juni jedoch deutliche Erholungstendenzen gezeigt – man könne im Bundesland wieder von Vollbeschäftigung sprechen. Aktuell sind landesweit etwas mehr als 13.000 Menschen arbeitslos.

Rund 4.000 Menschen gelten im Land Salzburg derzeit als langzeitarbeitlos – "das ist überproportional viel", ordnet Beyer ein. Als langzeitbeschäftigungslos gilt jemand, der oder die länger als 365 Tage beim AMS gemeldet ist, wobei Unterbrechungen bis zu zwei Monate (z.B. durch Schulungen oder kurze Beschäftigungsverhältnisse), nicht berücksichtigt werden.

Stigmatisierung von Betroffenen

Wenn jemand länger ohne Arbeit ist, sinkt laut Beyer das Selbstbewusstsein: "Viele trauen sich nicht mehr ihre einmal erlernten Tätigkeiten zu, wenn sie keine Routine mehr darin haben." Die Hälfte aller Langzeitarbeitslosen sei älter als 45 Jahre, viele hätten zudem gesundheitliche Probleme, was zu Stigmatisierung potenzieller Arbeitgeber führe. "Die allermeisten wollen Männer um 30 Jahre mit guter Ausbildung und ohne Migrationshintergrund", weiß Beyer zu berichten. Sie fordert deshalb ein Umdenken, "um das Arbeitskräftepotenzial voll auszuschöpfen."

Ein Problem ortet Beyer beim hohen Anteil von Arbeitslosen, die lediglich eine Pflichtschulausbildung vorweisen können – was die Vermittlung am Arbeitsmarkt schwieriger macht: "Diese Personen machen 41 Prozent aller Arbeitslosen in Salzburg aus und werden oft nur mit einem Hilfsarbeitergeld entlohnt. Die Spanne zu Gehältern mit einem Lehrabschluss ist riesig." Das mache sich nicht nur im täglichen Leben, sondern auch bei der Pension nach dem Arbeitsleben bemerkbar. "Und eine Lehre können Erwachsene immer noch machen“, weiß Beyer, die auf entsprechende AMS-Förderungen verweist, um Betriebe finanziell zu entlasten. "Wir unterstützen Betriebe, die Auszubildende ab 40 Jahren einstellen und wollen mögliche Perspektiven dadurch sichtbar machen."

Zahlreiche offene Lehrstellen in Salzburg

Im Land Salzburg stehen derzeit 258 Lehrstellensuchenden 894 offene Stellen gegenüber – das sei ein krasser Gegensatz zur Situation im Osten Österreichs. "In nahezu allen Branchen gibt es freie Ausbildungsplätze, der Überhang ist sehr groß."

"Corona hat Spuren bei der Jugend hinterlassen", ist sich Salzburgs AMS-Chefin sicher: "Viele junge Menschen sind perspektiv- und orientierungslos und wissen nicht, was sie machen wollen." Abhilfe können entsprechende Kurse beim AMS bieten: "Hier kommt man mit anderen Menschen zusammen, hat Abwechslung, lernt etwas Neues und bekommt eine Routine“, wirbt Beyer, die einräumt, dass es "noch nie so schwierig war wie jetzt." Deshalb müsse man neue Wege finden, wie etwa die bereits erprobte Lehrstellen-Challenge, um junge Leute dazu zu motivieren eine Ausbildung zu beginnen und abzuschließen.

Aber nicht nur in Tourismus, Gastronomie und Co zwickt in Salzburg der Schuh: Die Industrie steht ebenfalls vor einem Problem, weil schon seit drei Jahren etliche Fachkräfte fehlen. "Das ist nichts Neues, nur Corona hat es zwischenzeitlich nicht ganz so sichtbar gemacht."

(Quelle: SALZBURG24)

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