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Salzburger Forschungsteam setzt Meilenstein bei Behandlung von Multipler Sklerose

Johann Sellner von der Neurologie am Uniklinikum Salzburg-CDK hat bei der wissenschaftlichen Untersuchung gegen Multiple Sklerose einen großen Anteil. SALK
Johann Sellner von der Neurologie am Uniklinikum Salzburg-CDK hat bei der wissenschaftlichen Untersuchung gegen Multiple Sklerose einen großen Anteil.

Im Kampf gegen primär progrediente (fortschreitende) Multiple Sklerose (MS) macht ein von der EU zugelassenes Medikament Hoffnung. Die Neurologie am Uniklinikum Salzburg-CDK hat als eines der größten Zentren Österreichs maßgeblichen Anteil daran. Der Leiter des Salzburger Forschungsteams, Johann Sellner, spricht im SALZBURG24-Gespräch über den Durchbruch.

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündende Erkrankungen des zentralen Nervensystems, zu dem Gehirn und Rückenmark gehören. Bislang gab es zu der primär progredienten Verlaufsform, welche als schwerste gilt, kein Medikament zur Behandlung. Johann Sellner beteiligte sich als leitender Oberarzt mit einem siebenköpfigen Ärzteteam inklusive vier Forschern von der Salzburger Neurologie an der Entwicklung des Medikaments. Vorstand der Universitätsklinik für Neurologie ist Eugen Trinka. "Bevor das Medikament genehmigt wurde, mussten wir eine zweijährige, internationale medizinische Zulassungsstudie absolvieren", erklärte Sellner im SALZBURG24-Gespräch.

Neues Medikament erweckt Hoffnung bei Multiple Sklerose

Zehn bis 15 Prozent aller erkrankten Personen leiden an der primär progredienten Verlaufsform, welche doppelt so schnell als die schubförmige voranschreitet, und bei der das Ausmaß der Behinderung wesentlich schlimmer ausfällt. Als pathogenetischer Mechanismus wird eine autoimmune Reaktion gegen die Isolierschicht der Nervenzellen angenommen. Eine geeignete Therapie gab es dafür bis dato nicht. "Viele Patienten mit dieser Verlaufsform können wenige Jahre nach Diagnosestellung keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen und benötigen zum Gehen Stöcke, einen Rollator oder sitzen im Rollstuhl", so Sellner, der sich mit dem neue Medikament namens Ocrelizumab eine Abschwächung des klinischen Verlaufs erhofft. Bei dem Arzneimittel handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper die sich an B-Immunzellen binden und zu deren Beseitigung führen. Es wird ein immunologischer Reset und in der Folge eine verminderte Aggressivität des Immunsystems gegen körpereigene Proteine angenommen.

1.000 Personen im Raum Salzburg betroffen

Das Salzburger Zentrum für Multiple Sklerose gilt in Österreich als eines der größten und betreut um die 1.000 Personen aus der Salzburger Umgebung. "Wir sind überregional und länderübergreifend für Patienten im Einsatz. Durch unsere gleichzeitig laufenden Forschungsarbeiten haben wir in diesem Gebiet eine Vorreiterrolle eingenommen". Mit dem Ocrelizumab soll die Selbstständigkeit, Mobilität und Arbeitsfähigkeit länger gewährleistet werden.

Mit seinem Team am Universitätsklinikum für Neurologie nimmt Johann Sellner eine Vorreiterrolle ein. /SALK Salzburg24
Mit seinem Team am Universitätsklinikum für Neurologie nimmt Johann Sellner eine Vorreiterrolle ein. /SALK

Verbesserungsrate liegt bei 24 Prozent - fünf bereits behandelt

Aufgrund ihres Stellenwerts hat die Salzburger Neurologie das Medikament schon vor der Genehmigung erhalten und bei fünf Patienten angewendet. "Es ist sehr gut verträglich, wir hoffen dass sich die realtive Risikoreduktion für das Fortschreiten der Behinderung für mindestens zwölf Wochen von 24 Prozent auch in der klinischen Praxis bestätigen lässt", gab Sellner bekannt. Auch eine erhebliche Reduktion einer Hirnatrophie soll die Folge der Therapie sein.

Salzburger Selbshilfegruppe zeigt sich erfreut

Auch die Salzburger Selbshilfegruppe freut sich auf eine Verbesserung der nicht heilbaren Krankheit. "Das Medikament verspricht mit ihrer Grundlage eine Verzögerung und Minderung des Schweregrades", sagt Astrid Reiser, Gruppenleiterin der Salzburger Jugend-Selbshilfegruppe. Alle zwei Monate organisiert die Selbshilfegruppe einen Stammtisch zum Erfahrungsaustausch und rückt das gesellschaftliche Miteinander in den Vordergrund. "Die Patienten können sich hier bedenklos untereinander austauschen und Kontakte knüpfen", sagte Reiser.

(Quelle: S24)

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