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"Unzufrieden und grantig"

Salzburger verletzt Ex-Freundin mit Messer

Forstwart dreht durch

Symb_Messer Symb_Messerattacke pixabay
Weil er seine damalige Freundin mit einem Messer am Hals verletzt haben soll, steht ein Salzburger wegen versuchten Mordes vor Gericht. (SYMBOLBILD)

Wegen versuchen Mordes stand ein 52-Jähriger am Donnerstag vor dem Richter. Dem Salzburger Forstwart wird vorgeworfen, seiner damaligen Freundin am 25. März 2020 im Streit ein Militärmesser mit einer 16 Zentimeter langen Klinge an den Hals gesetzt und zugedrückt haben.

Die Frau erlitt eine drei Zentimeter lange Wunde. "Ich wollte ihr nicht wehtun", sagte der Salzburger. Der Staatsanwalt beantragte die Einweisung des Mannes in eine Anstalt für geistig abnorme, zurechnungsfähige Rechtsbrecher.

Forstwart bestreitet Mordversuch an Ex-Freundin

Der Forstwart brach zu Beginn der Einvernahme durch die vorsitzende Richterin am Landesgericht Salzburg in Tränen aus. "Ich bekenne mich auf alle Fälle der Körperverletzung für schuldig", gestand er ein. Eine Tötungsabsicht bestritt er. Seine Freundin sei an diesem Tag unzufrieden und grantig gewesen. Sie habe herumgenörgelt, 1.000 Euro und einen "Status" gefordert. "Ich war in Rage." 

Damit sie Ruhe gibt, habe er sie an den Haaren gerissen und die Faust seiner rechten Hand, in der er den Griff des Messers hielt, entlang ihres Unterkiefers angesetzt und sie an den Kasten gedrückt. Durch eine Kopfbewegung der Frau "habe ich sie mit der Messerspitze irgendwie erwischt", schilderte er.

Krankenhaus über eine Stunde später

Etwa eineinhalb Stunden nach dem Vorfall habe er seine Freundin in ein Spital gebracht. "Da sagte ich zu ihr, ich komme ins Gefängnis." Mit dem Messer, das nicht scharf gewesen sei, habe er zuvor einen Apfel in die Hälfte geschnitten, um das Obst zu essen, schilderte der 52-Jährige vor dem Geschworenengericht.

"Verletzung hätte lebensbedrohlich sein können"

Die Wunde am Hals des Opfers war einen halben Zentimeter tief. Sie musste genäht werden. Verletzt wurde der Hautmuskel des Halses. "Der Angeklagte hat in unmittelbarer Nähe der Halsschlagader zugedrückt", erklärte der Staatsanwalt. "Das Opfer hat geschildert, wie die Klinge tiefer und tiefer in den Hals eindrang." Die Verletzung hätte auch lebensbedrohlich sein können, gab der Staatsanwalt zu bedenken. "Die Frau hat um ihr Leben gefürchtet. Sie war der Meinung, der Angeklagte will sie umbringen." Das 20 Sekunden dauernde Festdrücken sei für die Frau eine Ewigkeit gewesen, hielt die vorsitzende Richterin dem Beschuldigten die Aussage des Opfers vor.

Salzburger soll Freundin auch mit Gewehr bedroht haben

Der Salzburger sah sich noch mit zwei weiteren Vorwürfen konfrontiert. Er habe die Freundin im Februar 2020 während eines Ausfluges im Gebirge gewürgt und ihr dabei Hämatome zugefügt. Zweitens habe er sie zwischen Herbst 2019 und März 2020 mit einem Gewehr gefährlich bedroht, indem er auf sie zielte. Zu diesen beiden Fakten zeigte sich der Mann laut seiner Verteidigerin nicht geständig.

Schwierige Familienverhältnisse

Der Angeklagte stammt aus einer Salzburger Adelsfamilie. Er ist schon mehrmals vor Gericht gestanden, auch wegen Körperverletzung. Ein Gerichtsgutachter stellte eine psychische Störung fest. Ihr Mandant leide an einer Erkrankung im Gehirn, die Auswirkungen auf seine Emotionalität habe, erklärte die Verteidigerin. Wegen dieser Erkrankung sei der als viertes Kind Geborene in der Familie nicht anerkannt worden. "Er wurde nicht wertgeschätzt. Sein Vater bestimmte alles. Konflikte wurden durch Mundhalten gelöst."

Der Beschuldigte habe nie gelernt, wie man eine Beziehung lebt und Streit schlichtet, sagte die Verteidigerin. Er sei gutmütig und von der Familie als "Mädchen für alles" eingesetzt worden. Dass er im Jahr 2015 entmündigt wurde, habe er bis heute nicht verkraftet. Für Lob und Anerkennung sei er empfänglich, und dass hätten auch Frauen ausgenutzt.

Geld als Konfliktthema

Die nunmehrige Ex-Freundin habe sich als Touristin im Land aufgehalten und dabei den Angeklagten kennenlernt. Sie sei dann mit einem Reisekoffer bei ihm eingezogen. "Ich dachte, sie bleibt eine Woche", meinte der Salzburger. Die Frau habe kaum Geld gehabt und gewollt, dass die Sachwalterschaft aufgehoben wird. "Streitthema war Geld", betonte die Anwältin.

Mit dem Messer habe der Angeklagte die Freundin lediglich einschüchtern wollen. "Es ist nicht viel passiert. Sie wurde leicht verletzt." Dazu bekenne sich ihr Mandant, sagte die Verteidigerin. Die Teilschmerzensgeldforderung von zuletzt 7.000 Euro halte sie aber für überzogen. "Wir sind bereit, 550 Euro zu zahlen."

Prozess vermutlich vertagt

Wie die Opferanwältin vor Prozessbeginn zur APA sagte, sei die Frau wegen der Verletzung in Panik geraten. Nach dem Spitalsaufenthalt habe sie zunächst Zuflucht in einem Frauenhaus gefunden und sei dann wieder zu ihrer Familie nach England zurückgekehrt. Der Prozess wird heute vermutlich zur weiteren Beweisaufnahme vertagt.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 17.10.2021 um 03:14 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburger-forstwart-wegen-mordversuchs-an-ex-freundin-vor-gericht-99014230

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