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Salzburger "Geistesblitz" könnte zu neuer Therapie bei Krebs führen

Ein Forschungsteam in Salzburg, das sich auf die Grundlagenarbeit für die Bekämpfung der seltenen Epidermolysis bullosa (eb) spezialisiert hat, stellte am Mittwoch einen vielversprechenden neuen Ansatz zur Behandlung einer besonders aggressivem Form von Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) von eb-Patienten vor.

Dabei wird die Methode der Genschere mit der sogenannten Selbstmordtherapie kombiniert, bei der die erkrankte Zelle angeregt wird, ein bestimmtes Eiweiß zu bilden, um sich selbst zu zerstören.

"Im Zellversuch funktioniert dieser neue Ansatz sehr gut", berichtete Johann Bauer, Forschungsleiter am eb-Haus in Salzburg, bei einem Pressegespräch. Geht alles nach Wunsch, dann könnte künftig eine Spritze oder eine Tablette den chirurgischen Eingriff ersetzen. "Der neue Ansatz ist voraussichtlich nicht nur für die Behandlung des Plattenepithelkarzinoms geeignet, sondern könnte auch bei anderen Krebsarten verwendet werden", ist Helmut Hintner, Vorstand der Salzburger Universitätsklinik für Dermatologie, zuversichtlich. Tumore bilden ein bestimmtes Gen, das durch den Selbstmordansatz gezielt erreicht werden kann.

Gerade bei eb-Patienten, die unter einer extrem empfindlichen Haut leiden, die schon bei geringsten Berührungen Blasen bildet und sich ablöst, gibt es ein starkes Risiko, an sehr aggressivem Hautkrebs zu erkranken, schilderte Bauer den Hintergrund für die Forschungsarbeit. Bei den schwersten eb-Formen leiden nahezu 100 Prozent aller Betroffenen ab dem 25. bis 30. Lebensjahr an Hautkrebs. Da bei der Grunderkrankung aber Operationen sehr problematisch seien, weil Wunden kaum verheilen, habe man nach neuen Therapieansätzen gesucht.

Das Forschungsteam in Salzburg gilt als weltweit führend beim Einsatz der Genschere, einer Methode, bei der gezielt Teile eines defekten Gens herausgeschnitten und durch gesunde genetische Information ersetzt werden. "Da ist es vielleicht naheliegend für mein Team gewesen, den "Geistesblitz" zu haben, die Genschere mit der Selbstmordtherapie zu verbinden", sagte Bauer. Beim Selbstmordansatz wird ein Gift in die Zelle geschleust, das sich an einen Tumormarker, der in allen Krebszellen vorhanden ist, anhängt. "Dadurch wird die Zelle verführt, das Gift zu bilden und sich letztlich selbst umzubringen", erläuterte Christina Gruber, die am Labor für Molekulare Therapie die Forschungsarbeit durchgeführt hat. Die Tumorzellen würden dadurch absterben, gesunde Zellen aber nicht angegriffen, weil sie das Markergen nicht enthalten.

"Wir könnten dadurch den Tumor mit einer Spritze behandeln. Diese Behandlung würde die weitere Ausbreitung des Karzinoms verhindern und vielleicht sogar zur Rückbildung führen", hofft Bauer. Im Zellversuch hat der neue Ansatz sehr vielversprechend funktioniert, derzeit wird an Tierversuchen gearbeitet. "Ergebnisse stehen noch aus", sagte der Mediziner. Geht alles nach Plan, dann könnte die neue Therapie im nächsten Jahr schon bei Patienten eingesetzt werden, weil bei seltenen Erkrankungen wie eb schnellere Medikamentenzulassungen möglich sind. (APA)
(Quelle: S24)

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