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Überlastung droht

Fünf-Punkte-Plan soll Salzburgs Spitäler entlasten

Landeskliniken bereiten Triage vor

Im Bundesland Salzburg wird es vorerst keinen Lockdown geben. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) will dies „so lange es möglich ist“ vermeiden. Dienstagnachmittag legte er bei einer Pressekonferenz einen fünfstufigen Aktionsplan vor.

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Dieser Plan sieht zuerst eine Steigerung der Impfquote vor. Haslauer hoffe, dass die Pandemie durch die gesetzten Maßnahmen einen "Knick" erfahre und dies zu einer Entlastung der Spitäler führen werde. Derzeit könnten in Salzburg alle Notfallpatienten noch versorgt werden.

Fünf Maßnahmen sollen Spitäler entlasten

Mit fünf Maßnahmen sollen die Spitäler, die durch den sprunghaften Anstieg der Corona-Patienten in den Krankenhäusern überlastet sind, nun entlastet und die Versorgung für alle weiter abgesichert werden:

  • Auffrischungsimpfung ab dem vierten Monat
  • Erhöhung der Impfbereitschaft mit einer neuerlichen Infokampagne zur Impfung
  • In den nächsten Tagen entsteht eine Transferstation für positive stationäre Patienten, die noch Versorgung und Betreuung brauchen.
  • Aufstockung des Contact Tracing
  • Ausbau der Laborkapazitäten

Patienten können weiter versorgt werden

"Wir können nach wie vor alle Notfallpatienten versorgen", erklärte auch Primaria Uta Hoppe von den Salzburger Landeskliniken zur Lage in den Spitälern bei der gemeinsamen Pressekonferenz. "Es werden derzeit auch noch elektive Eingriffe durchgeführt - in unterschiedlichen Bereichen aber in unterschiedlichem Maße." Es wurden und würden zwar Eingriffe zurückgenommen oder verschoben. "Ich bin im Augenblick aber davon überzeugt, dass dadurch Patienten nicht zu Schaden kommen."

„Überlastungsanzeige“ abgegeben

SALK-Geschäftsführer Paul Sungler betonte heute, die "Überlastungsanzeige" an das Land abgeben zu haben, um entsprechende Unterstützung zu bekommen. Derzeit würden 99 Covid-Patienten auf der Normalstation liegen - bei einer Möglichkeit für 164 Covid-Betten in der höchsten Stufe. "Erst dann wissen oder können wir nicht mehr weiter." Im Intensivbereich seien heute 31 von 51 Betten belegt gewesen.

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Ruf nach Lockdown für alle

Während in Salzburg die Lage in den Spitälern immer brenzliger wird, wird wie berichtet, der Ruf nach einem Lockdown für alle immer lauter. Auch Salzburgs Grüne sprechen sich - wie der Gesundheitsminister - dafür aus. ÖVP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer hält bekanntermaßen dagegen. Damit herrscht erstmals auch in der Salzburger Landesregierung öffentliche Uneinigkeit.

Notsituation an Salzburgs Spitälern

Wie die "Salzburger Nachrichten (SN)" am Dienstag berichten, drohe eine Notstandssituation einzutreten, in der intensivmedizinische Triagierungen vorgenommen werden müssen.

Die SALK haben inzwischen ein sechsköpfiges Triagierungsteam nominiert, das aus fünf Medizinern verschiedener Fachbereiche - darunter ein Internist, ein Intensivmediziner und ein Palliativarzt - und einer Juristin besteht, sagte SALK-Sprecher Wolfgang Fürweger am Dienstagvormittag zur APA. Dieses Team müsse dann entscheiden, welche Patienten noch intensivmedizinisch behandelt werden können.

SB, Coronavirus, Krankenhaus, Krankenbett APA/HELMUT FOHRINGER

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Aufgrund der derzeitigen Lage sei zu befürchten, dass die gesetzliche Verpflichtung, "Patienten nur nach den Grundsätzen und anerkannten Methoden der medizinischen Wissenschaft ärztlich zu behandeln, trotz aller gesetzten Maßnahmen nicht mehr durchgängig und vollinhaltlich erfüllt werden kann", schreibt SALK-Geschäftsführer Paul Sungler in der der Zeitung vorliegenden "Überlastungsanzeige".

Betten fehlen, Hilferuf an Politik

In der bereits erreichten Eskalationsstufe 12 würden derzeit 272 Betten im Non-Covid-Bereich fehlen, ab der nächsten Stufe "steht bisher kein ausreichendes ärztliches Personal zur Verfügung". Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen rechnete zuletzt auch das Land Salzburg mit einem weiteren Anstieg der Covid-Patienten. "Wir appellieren daher dringend an die politischen Verantwortlichen, die erforderlichen Maßnahmen zur deutlichen Reduktion des Infektionsgeschehens zu setzen", so Sungler.

SALK-Sprecher Fürweger erläuterte auch, wo derzeit Betten fehlen, weil das Personal für Behandlung und Betreuung von Covid-Patienten benötigt wird: In der 1. Medizin stehen beispielsweise nur mehr 35 Prozent der Betten zur Verfügung, in der Onkologie sind es 85 Prozent, in der HNO 32 Prozent, in der Gefäßchirurgie 59 Prozent und in der Urologie 63 Prozent. "Man kann sagen, in den internistischen Fächern haben wir um rund 25 Prozent reduziert, in den chirurgischen Fächern um ein Drittel."

Reha-Einrichtungen sollen geschlossen werden

Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) bestätigte am Montagabend den "SN", dass er und Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) die Überlastungsanzeige bekommen haben. Sie sei formaljuristisch wichtig und richtig, weil es dabei auch um elementare Haftungsfragen der Ärzte und der Krankenanstalten gehe, wenn keine Patienten mehr aufgenommen oder entsprechend den medizinischen Erfordernissen behandelt werden können.

Als Sofortmaßnahmen sollen nun etwa Reha-Einrichtungen geschlossen werden und vor allem mit Patienten aus Nicht-Covid-Bereichen belegt werden, die nicht mehr im Krankenhaus versorgt werden müssten, für die aber zum Beispiel Pflegebetten fehlten. Diese Patienten binden Ärzte und Pflegekräfte. Auch mit den Privatspitälern werde verhandelt, um Operationen zu übernehmen. Entlastung soll auch eine sogenannte Covid-Transferstation für Corona-Patienten bringen, die noch positiv seien, aber nicht mehr so umfassend gepflegt werden müssten.

"Jeden Tag ein menschenunwürdiger Streit"

Wie dramatisch die Lage ist, schilderte den "SN" auch ein Spitalsarzt. "Es herrscht jeden Tag ein menschenunwürdiger Streit, wessen Patient zuerst operiert werden könne. Der mit dem Tumor oder der mit dem kaputten Herz." Für Betroffenheit sorgte am Dienstag auch ein Bericht auf "ORF Salzburg", wonach die jüngst Patientin mit einer Covid-Erkrankung auf einer Intensivstation ein vierjähriges Mädchen ist. Das Kind leide nach einer Corona-Infektion an der Multiorgan-Entzündung PIMS, einer Covid-Folgewirkung. Gleichzeitig muss auch ein Fünfjähriger mit Covid-19 auf der Kinderintensivstation behandelt werden.

Appell an Bevölkerung

Neben dem Hilferuf der SALK an die Politik appellierte Fürweger heute auch an die Bevölkerung, die vorgeschriebenen Corona-Bestimmungen einzuhalten. "Es macht unsere Leute grantig, wenn etwa ein Arzt nach einem 12-Stunden-Dienst auf dem Heimweg noch im Supermarkt ein Frühstück besorgt und dort auf Menschen ohne Maske trifft. Am Anfang haben die Menschen geklatscht, aber so etwa ist jetzt wie eine Verhöhnung."

(Quelle: APA/SALZBURG24)

Aufgerufen am 27.05.2022 um 06:38 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburger-landeskliniken-stellen-triageteam-zusammen-112547665

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