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Traditionsreiche Woche

Von Antlass-Eiern bis zum Lungauer Gonesrennen zu Ostern

Was in Salzburg ab Gründonnerstag Brauch ist

Mit dem Palmsonntag hat die Karwoche mit ihren vielfältigen Bräuchen begonnen, der heutige Gründonnerstag nimmt dabei eine ganz besondere Rolle ein. Wir geben euch einen Überblick, welche Traditionen es bei uns in Salzburg gab und heute noch gibt.

Am Mittwoch oder Gründonnerstag wird traditionell die sogenannte Chrisam-Messe, der Ölweih-Gottesdienst, gefeiert. Dabei werden die heiligen Öle geweiht, die im Laufe des Kirchenjahres bei der Spendung von Taufe, Firmung, Krankensalbung und Priesterweihe verwendet werden. Chrisam besteht aus Olivenöl mit einem Zusatz aromatischer Stoffe.

Gut Aiderbichl Ostermarkt SALZBURG24 Struber

Alle Ostermärkte in Salzburg auf einen Blick

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Ratscher am Gründonnerstag unterwegs

Am Gründonnerstag (vom althochdeutschen "Greinen" für "Weinen") und Karfreitag ("Kar" oder althochdeutsch "kara" bedeutet "Klage" und Kummer", Anm.) wird zunächst einmal geratscht. Weil der Überlieferung nach die Glocken nach Rom geflogen sind, ersetzt das knatternde Geräusch der Ratschen aus Holz zu Mittag und zum Vesperläuten die Funktion der Glocken. Am Abend wird in vielen Pfarren die "Fußwaschung" vollzogen. Sie ist auch ein Zeichen des Willkommens.

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In der Karwoche sind in vielen Gemeinden Ministrant:innen mit Ratschen unterwegs. (SYMBOLBILD)

Bunte und verzierte Ostereier

Auch das Eierfärben geschah vor allem am Gründonnerstag, aber auch noch am Karsamstag. Heute werden häufig bereits gefärbte Eier gekauft. Beim Eierfärben gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten, die zwischen "traditionell" und "modisch" schwankt – vom Färben mit Zwiebelschalen und anderen natürlichen Färbemitteln (z.B. Kochsud von Roten Rüben, Kaffee, Baumrinden, Heidelbeerkompott) über die Verwendung von Gräsern, Kräutern und Blumen als Auflagen in Reservetechnik bis hin zu diversen Bemalungen und der Verwendung von chemischem Farbpulver, Abziehbildern und Färbepapieren.

Wie man bei der Salzburger Volkskultur weiß, werden auf den beiden Salzburger Grünmärkten, auf der Schranne sowie auf dem Universitätsplatz, seit den 1950er-Jahren sudetendeutsche Eier, die in Lackfarben mit Blumenmustern verziert sind, verkauft. Seit einigen Jahren erhält man dort auch polnische und russische Holzeier in traditionellen Bemalungen. Jährlich lassen sich neue Trends feststellen. Auch die so genannten "Salzburger Techniken", die Verzierung von ausgeblasenen Eiern mit Gewürzen, Perlen, Goldbouillondraht und Seidenbändern beziehungsweise mit Seidenblumen und Seidenbändern, sind häufig anzutreffen. Solche Eier erhält man zum Aufhängen ebenso wie auf Spieße gesteckt zum Einstecken in Blumenarrangements.

Antlass-Eier als Segensbringer und Abwehrzeichen

Den Antlass-Eiern, den am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag gelegten Eiern, kommt eine besondere Bedeutung zu. Ihren Namen beziehen sie vom Gründonnerstag, der als "Ant-lasstag" – in Salzburg vielfach "Weichenpfinztag" (von Weihe) – bis ins späte Mittelalter der Tag der Entlassung aus der Kirchenbuße war. Nach der Abendmahlfeier durften die Glaubensanwärter erstmalig die Kirche betreten und sich auf die Taufe am Karsamstag vorbereiten.

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Antlass-Eier sollen vor Krankheit schützen.

Eierschalen verbrannt oder vergraben

Die Antlass-Eier werden vielfach speziell für die Speisenweihe und den Verzehr am Ostersonntag verwendet. Auch den Patenkindern werden noch Antlass-Eier geschenkt. Diese Eier sollen Mensch und Vieh vor Krankheit schützen, bei Schwerarbeitern den Leistenbruch verhindern, Haus und Hof vor Blitzschlag, Hagel, Muren, Lawinen, Hochwasser, Brand und jeglichem Unglück schützen. Die Schalen der geweihten Antlass-Eier werden verbrannt oder wie die Eier selber verwendet sowie den Hühnern gegeben, damit sie weiter gut legen bzw. sie vor dem Hühnerhabicht (Lungau) geschützt sind.

Als Segensbringer und Abwehrzeichen werden die Antlass-Eier nach der Weihe hinterlegt, die Eierschalen werden in einem Säckchen unter den Firstbalken gehängt bzw. im Ofen verbrannt, in der Stube oder Küche verwahrt, in den Acker oder einen Murenhang gegraben, mit dem Palmbuschen gemeinsam in den Acker gesteckt. Sie werden im Sommer bei Gewittern auf das Fensterbrett gelegt, bei Beginn des Almauftriebs unter dem Almschranken vergraben, über das Hausdach oder in den Bach geworfen.

 

Muss der Verlierer beim Eierpecken sein Ei abgeben?

Die Ostereierspiele der Kinder und Erwachsenen werden immer seltener, nur das "Eierpecken" wird vielfach im Familien- und Freundeskreis noch praktiziert. Allerdings häufig ohne Konsequenzen, denn auch der Verlierer darf sein beschädigtes Ei behalten. Heute ist mit einer Sammlung von harten Eiern auch keine Besonderheit mehr verbunden. Besonders aus dem Biedermeier sind gedruckte bzw. handgefertigte Osterglückwunschkarten erhalten, die statt eines gefärbten Eies verschenkt wurden.

 

Großen Eierpecken in der Stadt Salzburg

Aus der Landeshauptstadt ist überliefert, dass sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Kollegienplatz in den Wochen vor Ostern, besonders an den Sonn- und Feiertagen vormittags, ein lebhaftes Treiben entwickelt hat: Kleine Buben, die noch in die Schule gingen, und Bauernburschen vergnügten sich zu Hunderten mit Eierpecken und Kreuzerwerfen.

Osterfeuer brennen am Karsamstag

Vor allem im Alpenraum gelten Osterfeuer seit langer Zeit als fixer Bestandteil der Osternacht. In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag werden auf Hängen und Anhöhen Osterfeuer entzündet. Entgegen anderen Gebieten ist das Lungauer Osterfeuer nicht nur ein Holzhaufen aus Schadholz und Reisig, sondern wird mehrere Meter hoch gezimmert.

Brauch ist, wie viele in der katholischen Kirche, auf alte heidnische Riten zurückzuführen. Vorgänger des Osterfeuers sind die Frühlingsfeuer der Germanen. Das höchstgelegene Osterfeuer wird übrigens in Tirol auf dem 3.200 Meter hohen Mittagskogel entzündet.

Gonesrennen nur mehr in Tamsweg

Am Ostersonntag verkünden Böller: "Christ ist erstanden!" Nach der Ostermesse veranstalten viele Gemeinden eine gemeinsame Suche nach den Ostereiern. Dieser Brauch hat im salzburgischen Mauterndorf (Lungau) besondere Tradition.

Häufig finden am Ostersonntag, Ostermontag und am Weißen Sonntag (Sonntag nach Ostern) Verwandtenbesuche, aber auch Feste, Spiele und Bälle statt. Im Lungau gehört bis heute das "Gonesrennen" (Gones = Gänserich, Ganter) zu den Vergnügungen. Es wird allerdings nur mehr in der Tamsweger Ortschaft Wölting am Ostermontag durchgeführt. Nach zweijähriger Pause heißt es heuer wieder: "Gones Gones Kikeriki, des letzte Paadl her für mi!". Vorstellen kann man sich das ganze wie ein großes Fangenspielen.

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Beim Eierfärben gibt es eine breite Palette von Möglichkeiten, die zwischen "traditionell" und "modisch" schwankt.

"Sensationsfund" zu unserem Oster-Datum

Wann feiern wir das Osterfest? Die Beantwortung dieser Frage plagt die Menschheit, seit es Ostern gibt, denn das Fest hat kein fixes Datum, sondern Regeln, nach denen sich der Termin errechnen lässt.…

Wann feiern wir Ostern?

Zu welchem Datum wir das Osterfest feiern, ist jedes Jahr unterschiedlich. Die Frage nach den Regeln plagt die Menschheit, seit es Ostern gibt. Ausgerechnet während einer U-Bahn-Fahrt machte der Wiener Historiker Christian Gastgeber aber nun eine Entdeckung, die erklärt, warum sich in der Westkirche ab 532 n. Chr. ein ägyptische Berechnungsmodell für Ostern durchsetzte. Der Forscher sieht darin einen "Sensationsfund".

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 24.09.2022 um 08:50 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburger-osterbraeuche-von-antlass-eiern-bis-zum-lungauer-gonesrennen-119902558

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