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Volkszählung in Seen

Salzburgs Fische werden gezählt

Seesaibling Fisch APA/ÖBF-ARCHIV/CLEMENS RATSCHAN
Auch in Salzburg wird der Fischbestand genauer unter die Lupe genommen.

Die Bundesforste (ÖBf) schreiten zu einer Art Volkszählung in den heimischen Gewässern, mit nächtlichen Bootsfahrten über elf Seen in fünf Bundesländern, auch in Salzburg. Mit Echolot-Messungen im Winter sowie Netzfang im Sommer sollen die Bestände an Reinanken und Seesaiblingen untersucht werden. Neben Basisdaten wie Länge, Alter, Geschlecht oder Laichreife werden Größe und Verteilung der Bestände erfasst.

Wenn nächtens Boote langsam und im Zickzack über elf Seen in Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Kärnten und der Steiermark gleiten, dann sind nicht Raubfischer am Werk. Es handelt sich vielmehr um Messefahrten von Experten der Bundesforste und des Instituts für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft des Bundesamtes für Wasserwirtschaft.

Fische im Wolfgangsee gezählt

Gemessen wird über einen Zeitraum von zwei Jahren an den ÖBf-Gewässern Attersee, Traunsee, Mondsee, Hallstätter See (alle OÖ), am Wolfgangsee - den sich OÖ und Salzburg teilen - und am Wörthersee, Millstätter See und Weissensee in Kärnten. In der Obersteiermark werden die Bestände im Grundlsee (Stmk.) im Obertrumer See (Salzburg) sowie im Tiroler Achensee untersucht.

Daten über heimische Fischarten sammeln

Zweck ist u.a. die Datengewinnung über die beiden wirtschaftlich und ökologisch wichtigen Fischarten, um die Menge des Fischfangs und eventuelle Erhaltungsmaßnahmen planen zu können. "Die Bundesforste betreuen mehr als 70 der größeren Seen des Landes und befischen einige davon auch selbst", erläuterte ÖBf-Vorstand Rudolf Freidhager am Mittwoch in einer Aussendung.

Im Zick-Zack-Kurs über die Seen

Der "Winter-Census" für Reinanken und Seesaiblinge hat bereits begonnen: Wo die Seen eisfrei sind, befahren die Experten die nächtlichen Gewässer mit einer Geschwindigkeit von nur fünf km/h und in einem vorgegebenem Zick-Zack-Kurs. "Zum Schutz vor Räubern sind einige Fischarten unter Tags in Schwärmen unterwegs oder halten sich am Seegrund auf. Bei einsetzender Dunkelheit lösen sich die Schwärme auf und die Fische steigen zur Nahrungssuche in höhere Wasserschichten auf", erklärte Freidhager. Auch die Befahrung der Seen in den Wintermonaten dient allein der Messgenauigkeit: "Dann ist es am und im Wasser sehr ruhig. Die Fische bewegen sich langsam und die Seeoberfläche ist meist spiegelglatt." Das Echolot der neuesten Generation wird in einer Wassertiefe von etwa 20 Zentimetern seitlich am Bootsrand befestigt und sendet Millionen von Schallwellen in die Tiefe des Sees. Der Gewässergrund sowie die Fische reflektieren das Signal. Die gewonnenen Daten werden anschließend ausgewertet.

Alter und Größe der Fische

Die detaillierte Erhebung findet hingegen in den Sommermonaten statt. Mit Netzen unterschiedlicher Maschenweite wird eine kleine, möglichst repräsentative Stichprobe an Reinanken und Seesaiblingen aus jedem See geholt. Diese werden gemessen, gewogen sowie auf Verletzungen oder Parasitenbefall untersucht. Ähnlich wie bei Bäumen kann das Alter von Reinanken anhand von Jahresringen auf den Fischschuppen mikroskopisch bestimmt werden. Weil die Schuppen der Seesaiblinge sehr klein sind, ist deren Wachstumsverlauf an den Jahresringen der nur wenige Millimeter großen Gehörsteinchen (Otolithen) abzulesen.

Sämtliche aus der Untersuchung gewonnen Daten finden Eingang in die "Fischdatenbank Austria" (FDA) des Bundesamtes für Wasserwirtschaft. In dieser werden alle relevanten Befischungsdaten zu österreichischen Seen und Fließgewässern archiviert werden. Unterstützt wird das Projektes durch den Europäischen Fischereifonds (EMFF).

Klimawandel messen

Laut Freidhager finden sich nicht nur in Wäldern, sondern auch in heimischen Gewässern Auswirkungen des Klimawandels. Hitzeperioden und andere Wetterextreme nehmen Einfluss auf die Wassertemperaturen und damit auch auf das Nährstoff- und Nahrungsangebot im See. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Fischbestände. Im oberösterreichisch-steirischen Salzkammergut betreiben die Bundesforste am Hallstättersee (OÖ), Grundlsee und Toplitzsee (Steiermark) auch eine eigene Seefischerei. Auch dort werden ökologische Auswirkungen beobachtet.

(APA)

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