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"Wir sind an der Grenze"

Salzburgs Kinder- und Jugendhilfe laufen Fachkräfte davon

Landesregierung bastelt an Maßnahmenpaket

SB: Kind, Kindergarten, Kinderbetreuung pixabay
Der massive Personalmangel in der Kinder- und Jugendhilfe gefährdet auch in Salzburg den Betrieb der Krisenstellen.  (SYMBOLBILD)

Mit einem Maßnahmenpaket will die Salzburger Landesregierung dem massiven Personalmangel in der Kinder- und Jugendhilfe entgegentreten. Wichtigster Schritt wäre mehr Gehalt für das Personal, hieß es vonseiten der Einrichtungen.

Der massive Personalmangel in der Kinder- und Jugendhilfe gefährdet auch in Salzburg den Betrieb der Krisenstellen. Derzeit können Dienste vielfach nur mehr auf Kosten der bestehender Mitarbeiter:innen besetzt werden. Auch im ambulanten Bereich werden die Wartelisten nicht mehr kürzer. Das Land versucht, mit einem Maßnahmenpaket gegenzusteuern. Wichtigster Schritt wäre aber mehr Gehalt für das Personal, hieß es vonseiten der Einrichtungen.

KOKO: "Wir sind an der Grenze"

Bei KOKO – das Unternehmen betreibt in Salzburg drei Krisenzentren für Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren – hat sich die Situation zuletzt zugespitzt. "Wir haben bis jetzt noch keine Kinder oder Jugendliche abweisen müssen. Aber wir sind an der Grenze", sagte Geschäftsführerin Eva Goetz zur APA. Vielfach rette man sich über Vertretungsdienste über die Zeit. "Aber das kann kein Dauerzustand sein." Gerade jetzt sei der Bedarf an entsprechender Betreuung hoch. "Die Pandemie hat Spuren hinterlassen bei den Kindern und Jugendlichen."

Dutzende Familien auf Warteliste

Im ambulanten Bereich würden alleine in der Stadt Salzburg 30 Familien auf der Warteliste stehen, im gesamten Bundesland seien es wohl bis zu 50 Familien, schätzt Markus Manzinger, Geschäftsführer von Rettet Das Kind Salzburg und Vorstandsmitglied im Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. "Wir können diese Warteliste momentan nicht abarbeiten. Wir könnten hier locker 20 bis 30 neue Mitarbeiter einstellen", sagt er.

Fachkräfte wandern ab

Auch im stationären Bereich – etwa in den betreuten WGs – könne man die Rundumdienste nicht mehr besetzen. "Dort lösen wir das Problem noch mit Ersatzdiensten und Überstundenlösungen – wir können ja nicht einfach zusperren". Im Extremfall werde man aber Einrichtungen schließen oder zusammenlegen müssen. "Noch ist das aber nicht der Fall." Allerdings führe bereits ein Mitarbeiter zu wenig für seine Kolleg:innen zu einer Überbelastung.

Dabei leiden die Einrichtungen nicht nur am Fehlen neuer Fachkräfte. "Wir verzeichnen eine hohe Abwanderungsbewegung in andere psychosoziale Dienste. Uns verlassen sehr gut ausgebildete Leute mit akademischem Abschluss und viel Erfahrung. Das tut am meisten weh", erklärte Manzinger. Dabei würde das Gehalt eine große Rolle spielen. "Beim Land als Dienstgeber verdient man rund 700 Euro brutto mehr als bei den privaten Trägern - und das oft ohne Nacht-oder Wochenenddienste."

Land bastelt an Maßnahmenpaket

Im Büro von Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) hieß es am Montag, dass er sich dafür einsetzen werde, dass Sozialarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe im Kollektivvertrag eine Verwendungsgruppe höher (von 7 auf 8) eingestuft werden. Zugleich soll noch heuer die erste Stufe eines Pakets umgesetzt werden, das Verbesserungen für Träger und Personal bringt.

Darunter fallen etwa attraktivere Regelungen bei Nachtdiensten, mehr Zeit für Supervision und Teamsitzungen oder eine Zulage für Einrichtungsleitungen. Dazu sollen die Träger der Krisenstellen Personal, das die Qualifikation noch nicht abgeschlossen hat oder das nicht die notwendigen formalen Abschlüsse besitzt, leichter einsetzen können. Die Reglungen sollen rückwirkend mit Jahresmitte in Kraft treten.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 13.08.2022 um 04:01 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/salzburgs-massnahmen-gegen-personalmangel-in-kinder-und-jugendhilfe-125068900

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